Erzbischof Laurent Lompo bittet für den Niger

Kevelaer, 25. Januar 2015

Aktion pro Humanität: Erzbischof Laurent Lompo bittet um das Gebet für den Frieden und um konkrete Hilfe für die christlichen Flüchtlinge im Niger.

72 Kirchen wurden zerstört, sieben christliche Schulen vernichtet, Pfarrhäuser geplündert, Menschen wurden verletzt und sogar getötet – die traurige und erschreckende Nachricht, die Erzbischof Laurent Lompo per Mail und später dann auch per Telefon meldete, löste auch bei den Kevelaerern große Sorge aus. „Nach der Veröffentlichung neuer Karikaturen im Magazin Charlie Hebdo brach im westafrikanischen Niger eine nie da gewesene Welle der Gewalt gegen Christen im Land aus“, so die Medizinerin Dr. Elke Kleuren-Schryvers, Vorsitzende der in Westafrika tätigen Hilfsorganisation. „Die Menschen leben in großer Angst“, berichtet Erzbischof Lompo, den viele Kevelaerer als begeisterten Teilnehmer der Motorradwallfahrt kennen und der im Mai die Wallfahrtssaison in der Marienstadt eröffnen soll.

In einem Telefonat am Wochenende bat Mgr. Laurent Lompo um Hilfe für die christliche Minderheit im Niger:  „Wir brauchen Euer Gebet! Wir benötigen den Schutz und den Trost der Consolatrix afflictorum in Kevelaer, denn die Menschen sind verängstigt und traumatisiert. Und es werden täglich mehr Christen, die aus dem ganzen Land zu uns, in die Diözese Niamey fliehen.“ Der Bischofssitz in der Hauptstadt des Niger steht unter Militärschutz, wird rund um die Uhr bewacht.

„Doch wir benötigen auch Eure ganz konkrete, materielle Hilfe für diese Flücht­linge“, führt Mgr. Laurent weiter aus. „Die Menschen kommen in immer größerer Zahl aus Zinder und Maradi zu uns in die Hauptstadt. Sie sind geflohen und wollen weiter fliehen, nach Benin oder Togo. Sie haben nichts, nur das, was sie am Leib haben. Sie bitten uns um eine Verschnaufpause in Sicherheit, um Essen und um die Möglichkeit, das Notwendigste für sich selbst wieder zu bekommen. Ein Kleidungs­stück zum Wechseln, ein Handtuch vielleicht, Seife. Viele bitten auch um etwas Geld, damit sie zu Verwandten in den Nachbarländern reisen können.“

Der emeritierte Erzbischof des Niger, Michel Cartatéguy, ein Baske, den viele Kevelaerer aus den Anfängen der Zusammenarbeit der Aktion pro Humanität mit dem Niger und von den ersten Afrika-Wallfahrten noch kennen, ist zutiefst erschüttert. Ein wesentlicher Teil seines bischöflichen Lebenswerkes im Niger bestand in der permanenten Förderung des interreligiösen Dialogs in dem west­afrikanischen Land, welches zu 98 Prozent von Muslimen bewohnt wird. Alle humanitären Projekte im Erzbistum Niamey und auch in der zweiten Diözese Maradi zielten seit Jahren unbeirrt darauf ab, Muslime und Christen gemeinsam daran zu beteiligen.

Die Brunnenprojekte der Aktion pro Humanität und der Stiftung der Familie Seibt von der Grav-Insel in Wesel-Flüren hatten und haben nach wie vor das Ziel, Muslimen und Christen den Zugang zu sauberem Trinkwasser zu ermöglichen und sie gemeinsam an solch Frieden stiftenden Projekten zu beteiligen. Auch in den Projekten im Bildungs- und Gesundheitssektor waren von Beginn an Vertreter beider Religionen beschäftigt und sowohl Muslime als auch Christen nutzten die Angebote – erfolgreich, friedlich, engagiert. Muslimische und christliche Kinder besuchen gemeinsam die christlichen Schulen. Lehrer beider Religionen unterrichten dort. Jetzt sind die Schulen geschlossen. Das gesamte kirchliche Leben ist seit zwei Wochen komplett zum Erliegen gekommen.

Am Sonntag meldete Erzbischof Laurent, dass sie in der Gemeinschaft aller Christen in Niamey erstmals wieder eine Messe gefeiert haben. „Doch die Menschen hatten unsägliche Angst.“

Wallfahrtsrektor Pastor Rolf Lohmann zeigt sich erschüttert über die Ereignisse im Niger. „Es ist unfassbar, wie nah die Geschehnisse und die Welten sich kommen, wenn man einander so gut kennt und Wert schätzt wie es hier in Kevelaer mit Erzbischof Laurent ist. Und es wird immer unverzichtbarer, dass unsere Welt zusammenrückt. Dass sich die Völker, Ethnien, die Religionen in wertschätzendem Respekt begegnen. Denn nur im Miteinander der Akzeptanz hat der Frieden auf unserer Welt eine Chance. Darum folge ich dem Aufruf unseres Bruders und Freundes des Erzbischofs aus dem Niger umgehend. Ich rufe zum Friedensgebet auf, das an jedem Tag der jetzigen Woche bis Sonntag, 1. Februar, in Verbindung mit dem Marienlob um 18 Uhr in der Kerzenkapelle begangen wird. Doch auch die konkrete materielle Hilfe für unsere christlichen Schwestern und Brüder im Niger werden wir von hier aus gemeinsam mit der Aktion pro Humanität auf den Weg bringen. Denn es muss von der Consolatrix afflictorum in Kevelaer auch Trost in die Welt hinausgehen.“

Spendenkonto der Aktion pro Humanität bei der Volksbank an der Niers
(IBAN: DE62 3206 1384 0000 011088); Stichwort: Niger