Perspektivenwechsel … mit Steffi Neu

Benin-Reise Februar 2016

Benin-Reise vom 12.-19. Februar 2016
mit Einsetzung einer Kopie des Kevelaerer Gnadenbildes
im Centre Medical Gohomey

 

Einsetzung Gnadenbild 7 Einsetzung Gnadenbild 8Seit dem vergangenen Montag strahlt die Menschen im westafrikanischen Benin, wenn sie das Gelände der Krankenstation der Aktion pro Humanität in Gohomey als Patienten, Besucher oder Mitarbeiter betreten, etwas an (s. Foto).

Diese beeindruckende Strahlkraft geht aus von einer Kopie des Kevelaerer Gnadenbildes, welches nun in einer kleinen Kapelle ganz zentral auf dem Krankenhausgelände steht. Inmitten des Projektes, in dem Kranke medizinische Versorgung, Waisenkinder Zuwendung und Betreuung finden nach dem traumatischen Verlust beider Eltern – zumeist durch Aids – und in dem Kinder, deren Mütter bei der Geburt verstarben und/oder die sich im Zustand schwerster Mangelernährung befinden, wieder regelmäßige, adäquate Ernährung sowie medizinische Versorgung erhalten. Wohin sich über 800 Aids-Patienten insgesamt sich einmal monatlich wenden, um ihre medizinischen und Laboruntersuchungen durchführen zu lassen und wo sie kostenlos die vom beninischen Staat bereitgestellten Antiretroviralia (Aidsmedikamente) bekommen. Hierher kommen auch die über 100 Frauen des Mikrokredit-Projektes der Aktion pro Humanität bei gesundheitlichen Problemen und ebenso die ca. 500 Kinder, welche Schülerhilfe von der Aktion pro Humanität erhalten. Auch für inzwischen mehr als 80 Waisenkinder insgesamt, ob in den Waisenhäusern der Aktion pro Humanität oder in der Kinder-Dorf-Betreuung bzw. schon in der Ausbildung ist das Centre Medical Gohomey Anlaufstelle bei Problemen unterschiedlichster Art.

Die Trösterin der Betrübten, Consolatrice des Affligés, wie sie in Benin heißt, ist mit einer ganz besonderen Ausstrahlung an diesem Ort für Menschen zur Linderung ihrer Leiden gegenwärtig. Denn es sind ja oft eben nicht nur die physischen Leiden, die der Heilung bedürfen sondern auch die seelischen Nöte, die Trauer über immer noch zu viele bei den Geburten sterbende Mütter oder Kinder, die Verzweiflung über die Lebensbedin-gungen, Nöte und Perspektivlosigkeiten dort in einem der ärmsten Länder der Welt.

Diese Anziehungskraft des Bildes war schon vor der Abreise der Gruppe hier aus Kevelaer spürbar. Der Schwesternkonvent von Padre Pio, mit dem die Aktion pro Humanität seit mehr als zwei Jahren kooperiert, wollte das Gnadenbild unbedingt bereits in der ersten Nacht in Benin in der Kapelle des Klosters für eine Anbetungsnacht der „1000 Ave Maria“ beherbergen. Denn Ende Februar sind in Benin Präsidentschafts-wahlen und die franziskanischen Schwestern des Konvents wollten mit diesem Zeichen um die Fürsprache der Kevelaerer Gottesmutter für einen guten und friedlichen Ausgang der Wahlen beten.

Kranke, Mitarbeitende, Ordensschwestern, Waisenkinder und Menschen aus den umliegenden Dörfern feierten den Tag der Einsetzung des Gnadenbildes am 15. Februar 2016. Der Rektor der Wallfahrt, Domkapitular Rolf Lohmann, nahm diese gemeinsam mit dem Kaplan der Kirchengemeinde Djakotomey in Vertretung des Bischofs von Lokossa, Mgr. Victor Agbanou, vor.

Ein Festgottesdienst mit Trommeln, eine Prozession mit Kerzen in tropischer Hitze, singende und tanzende Waisenkinder vor dem Gnadenbild, deutsche, französische und afrikanische Marienlieder bildeten den Rahmen dieser außergewöhnlichen, frohen Feier. Am Vorabend führten die Waisenkinder -zur Einstimmung der Gäste sozusagen- das Theaterstück von „Hendrik auf der Heide“ auf. Die besondere Akzentuierung, welche die kleinen Akteure und auch die Zuschauer in besondere Begeisterung versetze, lag darin, dass das Stück bis in die Gegenwart, d.h. die aktuelle Ankunft der Kopie des Gnadenbildes in Gohomey und wie es dazu kam, fortgeführt wurde.

Neben Pastor Rolf Lohmann waren drei Brudermeister der Consolatrix afflictorum in Kevelaer mit in der Reisegruppe, die gleichzeitig auch technische Hilfestellungen für das Projekt ermöglichten. Sowohl zur Installation des Gnadenbildes als auch für die Bereiche Installation und Wasser sowie Elektrotechnik und bauliche Entwicklung des Projektes. Es waren dies Josef Baldeau, Jörg Bousart und Charly Moeders.

Als Vertreter der Spender sowie für medizinische Seite waren Gabriele Polders und Claudia Baldeau in der Reisegruppe, die man insgesamt – neben dem Hilfseinsatz – durchaus auch als Pilgergruppe bezeichnen könnte. Denn es ging darum, als Pilger ein Land mit seinen Chancen und Nöten kennenzulernen, aus dem sich sicher auch viele junge Menschen auf den Weg nach Europa machen möchten, weil sie zu wenig Perspektive für sich und ihre Zukunft sehen. Zu lernen und zu erfahren, wie diese Menschen ihren Lebensalltag fristen müssen und Auge in Auge zu sehen und selbst zu spüren wie existentiell wichtig der Satz von Papst Franziskus ist: „Vergesst die Armen nicht!“, den er den Vertretern des Weltwirtschaftsgipfels in Davos Ende Januar in die Tagungsagenda schrieb.

Dieser Perspektivlosigkeit positive Aspekte der Hoffnung entgegenzusetzen wie z.B. die Bereitstellung von 55 – 60 Arbeitsplätze für beninische Mitarbeiter im Projekt, adäquate medizinische Versorgung für zig-tausende Menschen in der ländlichen Region Mono/Couffo, Ermöglichung von Bildung und Ausbildung für Waisen- oder Halbwaisen sowie sozial völlig benachteiligte Kinder etc. – dafür arbeitet die Aktion pro Humanität gemeinsam mit den Menschen am Niederrhein und zunehmend auch darüber hinaus seit mehr als zwanzig Jahren gemeinsam mit den Menschen vor Ort in Benin.

So waren es dann u.a. auch neben dem Krankenhaus und den Waisenhäusern der Aktion pro Humanität die Mikrokreditprojekte der Frauen auf dem Land, welche von der Gruppe besucht wurden oder das Behin­der­ten-Zentrum in der Prefecture-Hauptstadt Lokossa, das Zentralgefängnis in Lokossa mit über 350 Gefange­nen (statt maximal 155 inhaftierter Menschen) und ein Psychiatrie-Zentrum in Dogbo.

Für das Gefängnis in Lokossa hatten die Besucher aus Kevelaer ebenso die dringend nötigen Medikamente mitgebracht wie gegen den Lassa-Fieberausbruch in Benin.

Der Rektor der Kevelaerer Wallfahrt, Pastor Rolf Lohmann – gerade wenige Tage zuvor von Papst Franziskus zum Missionar der Barmherzigkeit ernannt – segnete Kranke, Kinder, Gefangene, die Frauen in den Dörfern. Immer auf Nachfrage, denn wir befanden uns in einer Region des Voodoo, der traditionellen beninischen Religion, die den Glauben an Götter, Geister und Ahnen repräsentiert. Doch keiner lehnte ab. Alle Menschen wollten diesen Segen von einem strahlenden und sehr zugewandten „Père Rolf“ aus Deutschland. Die Menschen auf dem Land sprechen mehrheitlich noch die Stammessprache Adja. Doch die Herzlichkeit in diesen Situationen überwand die Sprachbarrieren spielend. Alle freuten sich und antworteten sehr dankbar mit „Amen, Amen“.

Einsetzung Gandenbild 11Beim Besuch und dem Gottesdienst an der Grotte in Dassa, dem größten Marien-Wallfahrtsort Westafrikas, waren die Kevelaerer Pilger dann bei ca. 40 Grad Celsius wirklich auch auf einem sehr anstrengenden Teil ihres Pilgerweges. Auch in Dassa gibt es ein Gnadenbild der Trösterin der Betrübten in der Kathedrale, bei dem Gruppe betete und sang.

Den Auftakt dieser Benin-Reise bildete der Besuch in der Nuntiatur in Cotonou. Hier empfing S. E. Mgr. Brian Udaigwe die Kevelaerer Gruppe und ließ sich von der Wallfahrt in Kevelaer und dem Gnadenbild in Gohomey berichten. Domkapitular Rolf Lohmann zeigte dem Erzbischof die Kopie des Gnadenbildes für Gohomey und überreichte ein Bronzebild der Consolatrix afflictorum, welches nun sicher neben den Glasfenstern aus Steyl ebenfalls einen besonderen Platz in der Nuntiatur finden wird.

Am Ende des Besuches feierte die Kevelaerer Delegation mit Zelebrant Rolf Lohmann einen beeindruckenden Abend-Gottesdienst direkt vor dem Gnadenbild in Gohomey – inmitten der kranken Menschen. Die Schmerzensschreie einer gebärenden Frau, die an diesem Abend ein gesundes Baby zur Welt brachte, waren ebenso mit in das Gebet aufgenommen wie der Tod eines kleinen Kindes am Nachmittag an asthmatischen Bronchitis, welchen das medizinische Team im Krankenhaus nicht mehr abwenden konnte.

Am dritten Fasten-Sonntag soll es in Benin die erste Wallfahrt zum Gnadenbild der Consolatrix afflictorum geben geben. Ein befreundeter beninischer Priester will sich mit jungen Menschen aus seiner Gemeinde in Dewe (ca. 15 km von Gohomey entfernt) als Erster auf den Weg zur kleinen Gnadenkapelle in Gohomey machen. Diese wurde vom Architekten Jörg Bousart entworfen und gemeinsam mit Pastor Rolf Lohmann sowie den Eheleuten Peter Tervooren und Dr. Elke Kleuren-Schryvers in einer privaten Initiative realisiert, da Spendengelder hierfür ausdrücklich nicht touchiert werden sollten. Ebenso wurden – wie üblich – alle Flug- und Reisekosten von allen Mitreisenden selbst gezahlt.

Bereits am 01. April fliegt das nächste Team ins Projekt der Aktion pro Humanität. Doch jetzt sind es mehr­heitlich wieder das medizinische Fachpersonal und die Ärzte, die das Team bilden. Dr. Johnannes Kohler wird wieder medizinischer „Chef de Mission“ sein. Neben ihm und Dirk Henricy / Xanten sowie der Anaesthesie mit Dr. Wolfgang Paul / Geldern und dem pädiatrischen Team um Hans-Hermann Pieper (Xanten / Moers) wird es Dr. Rüdiger Kerner, Chefarzt der Inneren Abteilung des Marien-Hospitals Kevelaer sein, der mit seiner leitenden Endoskopie-Schwester Hildegard Kleinen, die Endoskopie im Krankenhaus in Gohomey installieren will. Die journalistische Begleitung dieses Aufenthaltes übernimmt Heike Waldor-Schäfer. Dr. Elke Kleuren-Schryvers und Peter Tervooren übernehmen neben den medizinischen, organisatorischen, administrativen und technischen Aufgaben ebenfalls wieder die Leitung der Reise.