Tommi Bollmann von Antenne Niederrhein erkundigt sich in Benin bei Dr. Elke Kleuren-Schryvers, wie die Stimmung im Projekt in Gohomey Ort ist.

Hören Sie mit … Bericht Antenne vom 30.11.17, morgens 07:00 Uhr am Niederrhein

TAGEBUCH 2 der November-Mission 2017 von APH

Leichter Dunst liegt über dem Projekt, die Sonne geht auf in Afrika. Unser Team erwacht langsam, Peter und ich sitzen auf der Terrasse und trinken einen ersten Kaffee, noch ganz in der Ruhe eines neuen, sicher beeindruckenden, vollen Tages. Peters Telefon-Uhr hatte einen Time-Error und hat uns eine Stunde zu früh geweckt, aber in Afrika sagt man ja „Ihr habt die Uhren, wir die Zeit“. Wir Glücklichen hatten heute früh beides!

David

Das Afrika der Extreme zeigen uns wieder die Kinder. Einer davon ist David, der kleine fünfjährige Junge in der Kinderkrippe. Er ist schwer unterernährt, eines von diesen ernsten Kindern, die nicht mehr weinen und nicht mehr lachen können. David ist aidskrank. Seine Haut platzt überall auf und er muss schnellstmöglich eine antiretrovirale Therapie bekommen, welche die zerstörerischen Aidsviren in seinem kleinen Körper dezimiert. Darum ist er mit seiner ebenfalls erkrankten Mutter in der Kinderkrippe. Wir gewinnen in nur wenigen Minuten mit Blicken und ohne Worte eine innige Beziehung, als wir die neue Kinderkrippe im ehemaligen Waisenhaus I besuchen. Die Kinder sind mit ihren Müttern/Pflegemüttern heute dorthin und gezogen.

Abends sehen wir uns wieder, als alle die Waisenkinder und die kleinen  Kinderkrippen-Patienten mit ihren Mamas singend, tanzend und klatschen zur Begrüßung unseres Teams auf die Terrasse kommen. Wie immer eine kurze Begegnung voller afrikanischer Lebensfreude, voller Temperament und Rhythmus, voller Lachen und sprudelnder Fröhlichkeit – ungeachtet der Lebensumstände, die jeden von uns sicher ziemlich „reglos“ in jeder Beziehung hätten werden lassen.
Nur David steht etwas abseits in seinem roten, afrikanischen Anzug. Er wirkt verloren, als er auf seinen dünnen Beinchen dem Treiben zuschaut. Ich gehe zu ihm, er schaut mich an mit seinen grossen Augen. Ich meine seine Zustimmung zu erspüren, dass ich mich zu ihm stellen und ihn etwas Nähe spüren lassen darf. Ich stelle mich hinter ihn und wir schauen dem Treiben zu. Er vermag nicht mehr zu tanzen, zu klatschen  zu lachen. Aber plötzlich bemerke ich, dass er sich ganz an mich anlehnt. Ich lege die Hände auf seine Schultern und stütze seinen Kopf, der ihm schwer zu werden scheint.

 

Christ König-Fest

Heute wird in der katholischen Kirche Afrikas das Christ König-Fest in  jedem winzigen Dorf, in jedem Städtchen mit grossen Prozessionen, Trommeln, frohem Gesang gefeiert. In unserer Projektkapelle zieht der Priester morgens in aller Frühe mit drei Mini-Messdienern ein, die stolz und voller Ehrerbietung das grosse Holzkreuz, das Weihrauchfass etc. tragen. Auch bei der Prozession später, die mit der Monstranz  durch das Projekt in  den Innenhof der Krankenstation bis  vor das Gnadenbild führt, sind diese drei kleinen, gesunden Jungen aufrechten Schrittes in ihren weissen Gewändern mit auf dem Weg.

 

 

Das kleine Busch-Hospital

Die Waisenkinder turnen fast schon akrobatisch auf der Wiese vor den Waisenhäusern. Im Notfallraum des Krankenhauses liegen zeitgleich mehrere Kinder mit schwerer Malaria. Das chirurgische Team kümmert sich mit dem Zahnarzt um einen total kachektischen und  geschwächten, jungen Patienten mit einem grossen, sehr schmerzhaften Mundboden-abszess unklarer Genese. Beim Endoskopie-Team ist schon Hochbetrieb.  Die wartenden Patienten sitzen schon in Reih und Glied vor dem Diagnostikraum. Im Multifunktionsraum wird die Zahnarzt-Einheit provisorisch hergerichtet. Klar wird schon in diesen ersten Stunden, dass wir mehr Platz für die Menschen und Dienste hier am Krankenhaus benötigen. Das kleine Busch-Hospital platzt im Wortsinne aus allen Nähten. Allein in diesem Monat gab es  immer schon  45 Kaiserschnittentbindungen. Der Aufwachraum, der jetzt dringend für die traumatologischen postoperativen Patienten benötigt wird,  liegt voller junger Mütter mit ihren kleinen durch Kaiserschnitt entbundenen Babys.

Die Frauen werden jetzt, am zweiten, dritten Tag nach der Sectio auf die Krankenstationen der Umgebung, in  denen gute Hebammen sind, die wir kennen, zur weiteren Beobachtung verlegt …

Tagebuch 1 der November-Mission 2017 von APH

Die Anreise des 14 köpfigen Teams in Gohomey war etwas holprig. Das lag jedoch nur partiell an den Strassenverhältnissen, denn die neue Autostrasse von Cotonou über Come und Lokossa ist wieder der direkte Weg zu uns ins Projekt und nach der Fertigstellung jetzt der absolute und wunderbare „Highway“. Zwar nicht der „Highway to heaven“ aber schon ziemlich nah dran, wenn man die strapaziösen und langwierigen Anreisen der letzten Jahre mit grossen Umwegen über nicht asphaltierte Strassen betrachtet. Eine Reifenpanne am Minibus verzögerte unsere Weiterreise etwas. Aber der Chauffeur war fit und so standen wir nicht allzu lange  in der gleissenden Sonne am Strassenrand.

Dann allerdings erwischte uns kurz vor Dogbo ein Gewitter mit so heftigen Platzregen, dass in nur  wenigen Minuten am Strassenrand reissende Bäche entstanden. Wir hatten noch kurz vorher versucht unsere Koffer-Abdeckung mit Planen auf dem Dach des Minibusses zu optimieren. Glücklich! Doch dann bogen wir ein in die  Zufahrtsstrasse zu unserer Krankenstation und wir lernten, wie sich diese Pisten mit der roten Erde in gefährlichste Rutschpartien verwandeln, wenn man kein Allradauto hat. Wer als Chauffeur diese Fahrtechnik auf dem völlig seifigen Untergrund, auf dem man sich auch zu Fuss fast nicht auf den Beinen halten kann, nicht beherrscht, riskiert gefährlich viel. Vor uns rutschte ein Bus in die Böschung und auch wir drohten mit dem Minibus umzukippen, da der Fahrer sich wegen eines entgegenkommenden schlingernden Fahrzeugs an den Strassenrand mit der Abböschung begeben musste. Mopeds und Fußgänger erschweren die Situation für die Fahrer zusätzlich. Das „Bon arrive“ kommt dann auch von allen aus vollem Herzen, als wir heil vor dem Gästehaus ankommen.

Erst am nächsten Tag kommt unser letztes Team-Mitglied, die Chirurgin Noreen Vingerhoed. Sie hat mehr als 1,5 Stunden Verspätung wegen eines Zwischenfällen in ihrem Flugzeug in Paris, welches Polizeieinsatz an Bord erforderte. Und … ihre Koffer kamen nicht mit. Doch sie ist eine sehr ruhige, umsichtige und vor allem unproblematische junge Frau und so bekommt sie von allen bei Ihrer Ankunft einige Kleidungsstücke „gespendet“ und erwartet jetzt die Ankunft Ihrer Koffer am  Montag – gemeinsam mit dem zahnärztlichen Equipment, das ebenfalls mit Verspätung eintrifft.

Einsatz Buschkrankenhaus

14 Mediziner, Krankenschwestern und Techniker haben sich auf den Weg gemacht.
Das Ziel: Benin, das Projekt der Aktion pro Humanität in Westafrika

 

Am Niederrhein. Heiß ist es jetzt in Benin. Schon am frühen Morgen rinnt den Niederrheinern der Schweiß in den Nacken – „dabei haben wir noch gar nichts getan“, seufzt der Mann für den schmerzlosen Schlaf, Anästhesist Dr. Wolfgang Paul. Nunja, gestern in Allerherrgottsfrühe haben sie sich auf den Weg gemacht: 14 Ärzte und Ärztinnen, Krankenschwestern, OP-Pfleger und Techniker vom ganzen Niederrhein. Das Ziel: das Dorf Gohomey mitten im westafrikanischen Busch, in Benin, Westafrika. Dort, wo die in Kevelaer ansässige „Aktion pro Humanität“ vor mehr als 20 Jahren eine Krankenstation baute, die inzwischen ein stolzes, großes und anerkanntes Krankenhaus geworden ist. Der  Auftrag des „Team Niederrhein“: Helfen. Ehrenamtlich.

Mehr als 50 Patienten haben die ärztlichen Kollegen in Benin für die Chirurgen vom Niederrhein ausgeguckt. Komplizierte Fälle, nicht oder schrecklich schief verheilte Knochenbrüche, Fußfehlstellungen, orthopädische Problemfälle. Dr. Johannes Kohler, viele Jahre Chefarzt am St. Josef Hospital in Xanten und inzwischen eigentlich im Ruhestand, führt das OP-Team. Dirk Henricy aus Wesel, leitender OP-Pfleger in Xanten, ist wieder dabei. Genauso wie Narkosedoktor Dr. Wolfgang Paul (St. Clemens-Hospital Geldern) und Intensivschwester Annemarie Pieper (Wesel/Xanten) – mehrfach waren sie schon in Benin und haben Tag- und Nachtschichten geschoben im Operations-Container.

Der erste Zahnarzt im Dorf

Neu in der Truppe und zum ersten Mal in Westafrika überhaupt: Dr. Noreen Vingerhofdt, Oberärztin am St. Willibrod-Spital Emmerich-Rees. „Ich bin total neugierig und freue mich auf die Erfahrung“, sagt die Unfallchirurgin. „Menschen begegnen, denen es ganz sicher nicht so gut geht wie uns und die unsere medizinische Hilfe bitternötig haben – das wird schon eine tolle Aufgabe.“

Da nicken zwei weitere „Newcomer“: Das Ärzteehepaar Klein aus Kevelaer. Sie praktische Ärztin, er Zahnarzt. Dr. Roland Klein hat vor Monaten schon zwei robuste Zahnarztstühle gestiftet, die per Container nach Benin transportiert wurden. In den nächsten Tagen wird er die in Einzelteile zerlegten Stühle zusammenbauen, hoffen, dass das zahnmedizinische Equipment, das in einem anderen Flieger von der „action medeor“ geschickt wurde, rechtzeitig im Busch ankommt, und dann wird er loslegen. Geplant ist, dass auch Patienten in den Dörfern besucht werden. „Wir freuen uns auf die Arbeit, auch wenn wir nicht wissen, was da auf uns zukommen wird“, so Dr. Angelika Klein. „Aber uns selbst geht es gut, dann können wir auch etwas abgeben, unsere Erfahrung, unsere Zeit, unseren Dienst, das ist völlig in Ordnung.“

Eine Kinderabteilung wird aufgebaut

Roland Klein wird der erste Zahndoktor sein, den die Menschen im westafrikanischen Busch zu sehen bekommen – ein Segen. Mit im Team sind  auch wieder die Fachleute für das „Innere“, Dr. Rüdiger Kerner, Internist und Chefarzt am Marienhospital Kevelaer, und Endoskopieschwester Hildegard Kleinen aus Goch. Mehr als 30 Patienten stehen auf der akuten Warteliste, die eine Magen- oder Darmspiegelung bekommen sollen – „Mal sehen, wie wir das alles schaffen“, so Dr. Kerner.  Das Team komplett machen die Piepers. Er Kinderarzt in Moers, sie Intensivschwester in Schermbeck. Im Krankenhaus der „Aktion pro Humanität“ wird dank der Einsatzbereitschaft der Familie Pieper nun eine Pädiatrie aufgebaut, eine Fachabteilung für die ganz kleinen Patienten.

Die ersten Patienten warten schon

Da gibt es viel zu tun für das Team Niederrhein. Das nicht nur seinen Urlaub opfert für die einwöchige Mission sondern sich auf ein eher unkomfortables Leben einstellen darf – manchmal gibt es fließendes Wasser, manchmal muss man sich das am Brunnen holen. Manchmal gibt es Strom, manchmal muss die Taschenlampe herhalten. Und es ist sehr heiß. Zum Glück ist der OP-Container, gespendet seinerzeit vom Klever Unternehmer Bernd Zevens, mit Notstromaggregaten und Klimaanlage ausgerüstet.

Am späten Nachmittag wird das Team in Gohomey eintreffen. Dann soll es gleich die ersten Sprechstunden geben – bloß keine Zeit verplempern. Schon seit gestern hocken Patienten vor den Untersuchungszimmern und warten. Geduldig. Dankbar.

24.11.2017, 07.00 Uhr, bei Antenne Niederrhein:

Tommi Bollman interviewt Dr. Elke Kleuren-Schryvers, die über die anstehende Reise nach Benin berichtet. Gemeinsam mit 14 Ärzten, Schwestern und Helfern geht es wieder in das Projekt nach Gohomey. Sehr spannend, was da berichtet wird: Über 30 Anmeldungen für Spezialoperationen, rund 70 Anmeldungen für Darmspiegelungen ….

Hören Sie mal mit … mit einem Dankeschön an Antenne und Tommi Bollmann !!

Schon entdeckt?

Hier können Freunde und Spender nachlesen, was die Stiftung Aktion pro Humanität 2016 in Benin und im Niger für die Menschen auf den Weg gebracht hat:

Jahresbericht für 2016

Die Aktion pro Humanität lädt ein: Adventliches Kaffeetrinken in Kevelar im Priesterhaus

Armandine

Armandine

Kevelaer. Mit Bildern und Erzählungen blickt die Stiftung Aktion pro Humanität (APH) am 09.12.17 auf ein ereignisreiches Projektjahr im westafrikanischen Benin zurück. Freunde, Förderer und alle, die sich über die humanitäre Arbeit der APH in Westafrika informieren möchten, sind herzlich eingeladen zum adventlichen Kaffeetrinken im Priesterhaus (am Kapellenplatz in Kevelaer).

Termin: Samstag, 9. Dezember, 15:30 Uhr.

Seit mehr als 20 Jahren unterhält APH ein Buschkrankenhaus im Westens Benins. Knapp 60 afrikanische Mitarbeiter, vom Arzt bis zur Hebamme und zum Gärtner, sind dort fest angestellt. Das Projekt finanziert sich mit Spendengeldern.

In gemütlicher Runde beim Weckmannessen werden Fotos des jetzt aktuellen Einsatzes in Benin gezeigt, APH-Vorsitzende Dr. Elke Kleuren-Schryvers stellt die Projektarbeit des Jahres im Centre Medical in Gohomey kurz vor, und die Mitreisenden werden gern einen kurzen Eindruck von ihrem Einsatz in Benin geben. Herzliche Einladung an alle Interessierten.

Weihbischof Lohmann initiierte Allianz gegen den Hunger in Ostafrika – Die Aktion pro Humanität konnte 35.980 Euro an Cap Anamur weiterleiten

Die Wasserlieferung ist angekommen im Dorf Balli Ahmed. Die Menschen warten schon auf das frische Wasser und jede Familie bekommt ihre Ration.

Am Niederrhein. Es ist ein beeindruckendes Zeichen der Solidarität geworden. Weihbischof Rolf Lohmann hatte vor wenigen Wochen angesichts der Hungerkatastrophe in Somalia zur Hilfe aufgerufen und eine Allianz gegen den Hunger in Ostafrika initiiert. Nun meldete die in Kevelaer beheimatete „Aktion pro Humanität“ (APH), seit Jahren selbst in Westafrika engagiert, das Ergebnis: 35.980 Euro sind zusammengekommen.

Freunde und Förderer der „Aktion pro Humanität“, die Pfarrgemeinde St. Marien Kevelaer, Unternehmer vom Niederrhein, u.a. die Stiftung der Familie Seibt (Wesel-Flüren), Bernd Zevens (Kleve), die Firma Horlemann (Uedem), haben diese Spendensumme möglich gemacht. Die Medizinerin und APH-Vorsitzende Dr. Elke Kleuren-Schryvers (APH) konnte das Geld nun an Cap Anamur weiterleiten. „Ein großes und herzliches Dankeschön an den Niederrhein“, so der Essener Kinderarzt Dr. Werner Strahl, der sich seit vielen Jahren für Cap Anamur engagiert und selbst mehrfach in Somalia war.

„Fast drei Jahre lang hatte es in Somalia nicht geregnet. Wo einst grünes Weideland Nahrungsgrundlage für Ziegen- und Kamelherden war und Landwirtschaft betrieben wurde, gab es nur noch Gestrüpp und Sandwüsten. Vor allem die ländliche  Bevölkerung litt unter der Dürre. Mehr als die Hälfte verdiente als Vieh-Nomaden ihr Geld doch ein Großteil ihrer Tiere – und damit ihrer Existenzgrundlage – verdurstete unter der brennenden Sonne“, so der Kinderarzt. Das Cap Anamur-Team versorgte vor allem die auf dem Land zurückgebliebenen Menschen und Tiere mit Wasser,  verteilte Nahrungsmittelpakete mit Reis, Bohnen, Thunfisch, Salz und Öl und half u.a. bei der Betreuung von Patienten, von denen viele unter Cholera, Durchfallerkrankungen und Masern litten.

„Unser Ziel ist es, Menschen nicht nur in einer Krisensituation zu helfen, sondern auch nachhaltig zu handeln. Aus diesem Grund haben wir nun in Somalia Wasserauffangbecken gebaut, um auch in Zukunft die Wasserversorgung in Somalia sichern zu können“, so Dr. Werner Strahl. Sogenannte „Birkas“ sind Regenauffangstationen, die bis zu 500 Kubikmeter Wasser fassen können, also beinahe so viel wie ein kleines Schwimmbecken. Das neue Wasserauffangbecken liegt in der Nähe des Dorfes Balli Awad in der Region Sabawanag. Von dem dort gesammelten Wasser sollen in Zukunft bis zu 200 Familien profitieren können.