Gohomey, 08.02.17

Nach einer guten Anreise mit freundlichem Service bei AF und pünktlicher Ankunft in Cotonou fuhren wir mit Birgit Schryvers – stv. APH-Vorsitzende – und der Künstlerin Bettina Hachmann nach dem üblichen Pricedere auf neuen Wegen nach Gohomey.

Bei der Ankunft in Gohomey trafen wir auf ein fröhliches Team, welches am Vortag bereits das erste (!) künstliche Hüftgelenk erfolgreich implantiert hatte bei einem relativ jungen Mann, der nun wieder seiner beruflichen Tätigkeit vollumfänglich wird nachkommen können. Er war sehr fröhlich und bedankte sich sehr bei Dr. Johannes Kohler für diese Chance.
Die Hüftgelenksprothese wurde uns kostenlos zur Verfügung gestellt. Dirk Henricy, der OP-Pfleger und -Techniker aus dem St. Josef Hospital Xanten engagiert sich nicht nur hier beim Operieren sehr stark und nachhaltig, sondern eben auch für die gesamte, erforderliche Materialbeschaffung für alle chirurgischen traumatologischen Operationen des chirurgischen Teams.

Hans-Hermann Pieper hat als Pädiater die detaillierteren Planungen für die einfügen sowohl hinsichtlich der baulichen Erfordernisse als auch bzgl. der Einrichtung mit Dr. Solange und Andrea Höltervenhoff erstellt.
Dr. Solange beendet als Ordensschwester ihre Facharztausbildung als Kinderärztin in der Universitätsklinik Cotonou gegen Ende des nächsten Jahres und Andrea Höltervenhoff hat als ehemalige Kinderkrankenschwester im diesem Sektor sicher auch grosse Erfahrung.

Wieder liegt bei uns ein sehr krankes, kleines Mädchen mit völliger Kachexie und einer postoperativen Darmatonie nach Typhus-Infektion und Operation. Eigentlich kann ihr aus medizinischer Sicht nur noch besondere Wendung ihres Schicksals helfen. Die Familie hat bereits einen neunjährigen Sohn verloren und hier versuchen wir alles, ihr wenigstens die Schmerzen zu nehmen und den Darm irgendwie wieder in Gang zu bringen.

Ganz wunderbar erfreulich war heute, dass die kleine Agnes Dorcas zur Nachkontrolle ins Krankenhaus kam und und vor allem Dr. Kerner um den Hals flog vor lauter Freude. Obwohl sie beim letzten Mal auch sehr schwer erkrankt war und wegen ihrer Typhus-Infektion eine Darm-Operation brauchte, wirkt sie jetzt quicklebendig und morgen wird ihr künstlicher Darmausgang von unserem Chirurgen Pere Nazere zurückverlegt.

Am heutigen Nachmittag besuchte der dienstfreie Teil des Team ein weiteres APH Mikrokreditprojekt: eine kleine Seifenproduktion. Auch diese 10 Frauen sind außerordentlich erfolgreich mit ihrem Tun.
Jetzt am Abend sitzen alle irgendwo auf einer Terrasse und lassen den Tag ausklingen….

Eines ist noch besonders erwähnenswert. Es gab heute noch ein tolles Kunstprojekt mit allen Waisenkinder von Bettina Hachmann und Birgit Schryvers. Die nachgesendeten Bildeindrücke transportieren viel von der frohen Stimmung. Es freute uns besonders, dass diese Kinder, die immer so auf unsere Besuche warten und dann doch viel zu oft zu kurz kommen, weil wir alle Tag für Tag im Hospital verbringen, jetzt endlich diese Exclusiv-Zuwendung bekommen. Toll!

Verbunden mit Euch allen in diesem für die Menschen hier so segensreichen und frohen Tun!

Herzliche Grüsse aus dem wirklich tropischen Gohomey von uns allen hier, Elke und Mannschaft

Gohomey, 09.02.17

Heute am Donnerstag war schon der Abschlussabend mit unserem medizinischen Team auf der Terrasse.

Nach einem wieder vollen medizinischen Programm aller Fachbereiche sowie der Übergabe-Visite an unseren beninischen Arztkollegen und Kollegin in französicher Sprache – perfekt vorbereitet von Beate Kohler, die auch für die endoskopischen Befunde tolle Unterstützung in frz. Sprache leistete –  ging es schon sehr fröhlich zu bei unserer  gemeinsamen „Scheidebecher-Aktion“am heutigen Abend.

Da ja Badenser, Brandenburger, Niederrheiner, Hallenser, Münchner und Nordlichter unter uns waren,  zeigte sich in diesen Stunden auch unsere „ethnische Vielfalt“ von ihrer spannenden, ganz fröhlichen Seite. Alle freuten sich über die wieder wirklich positive und harmonische Mission. Felix Kohler, der Jüngste im Mediziner-Team, sagte, dass er gern wieder dabei wäre bei eine der nächsten Missionen.
Akouegnon ist der im vergangenen Jahr in der Uniklinik Essen (Kinderurologie) operierte  beninischen Junge. Er entwickelt sich prächtig unter der medizinischen Kontrolle im Waisenhaus in Gohomey. Er geht mit Freude in die benachbarte Grundschule und seine Entwicklungsschritte sind auch hier enorm. Die Sozialisation in die Gruppe Gleichaltriger hier im Projekt funktioniert auch immer besser. Annemarie und Hans-Hermann Pieper, seine Pflegeeltern in Deutschland, freuten sich ebenfalls sehr an dieser Entwicklung, die schon auch deutlich von unseren Projektleitern vor Ort,  Mme. Helene Bassale und M. Dieudonne Bouba, begleitet wird.

Neben all diesen Dingen konnten Peter und ich mit den einzelnen Fachbereichen die technischen Erfordernisse besprechen für das Hospital. Für die Gynäkologie  bräuchten wir ein gut gebrauchtes Ultraschallgerät mit entsprechenden, zeitgemäßen  gynäkologischen Untersuchungsmöglichkeiten. Das chirurgische Team um Dr. Kohler benötigt ebenso dringend eine oszillierende Knochensäge, da die Operationsbedingungen durch die ja immer wieder alten, von Knochen und Gewebe durchsetzten  Frakturen, sehr schwer für die neuen Osteosynthesen zu bearbeiten sind.

Es braucht zukünftig unter der ablaufenden Entwicklung des Hospitals mit einer deutlichen Frequenzzunahme von Patienten eine Hygienefachkraft, die das Szenario Sauberkeit und Hygiene bearbeitet, welches in einem afrikanischen Krankenhaus eine deutlich erschwerte Aufgabe ist, da selbst aus dem Aufwachraum mit den Frischoperierten die begleitenden  Familien, welche die Kranken mit Essen versorgen, nicht wegzusprechen sind. Auch ein Windelwechsel bei einem kleinen Baby neben einem Frischoperierten ist für die begleitenden Familienangehörigen normal und überhaupt kein  „no go“. Heute gegen 17.00 Uhr war dann unter gleicher Prämisse ein Arbeitstreffen mit unserem Putz- und Reinigungsteam.

Um 19.00 Uhr versorgten wir zum dritten Mal die kleine Bertie, die heute weniger geweint, etwas mehr Kraft zum Sitzen und sprechen entwickelte und etwas Orange essen wollte. Jedes Mal entlasten wir ihren prall gefüllten, glänzenden Bauch und  500 ml Stuhlflüssigkeit. Danach geht es ihr natürlich immer wieder etwas besser.

Per Infusion wird der grosse Flüssigkeitsverlust ersetzt.

Gohomey, 10.02.17

Ein neuer kleiner Patient kam heute mit einer erschütternden Anamnese nach Gohomey ins Hospital. Er hatte vor 4 Tagen einen Unfall als Fußgänger mit einem Auto und trug eine Schädelverletzung davon. Im Krankenhaus von Aplahoue sagte man dem Vater, nach der Wundversorgung müsse das Kind sofort in die Neurochirurgie der Universitätsklinik nach Cotonou gebracht werden und dort auch ein CT /MRT bekommen . Doch die Familie sagte sofort, dass alles könne sie nicht bezahlen und sie nehme das Kind mit heim. Irgend jemand auf dem Dorf hat dann gemeint, dass die Eltern das Kind noch zum Hospital der Aktion pro Humanität bringen könnten. Das geschah heute Nachmittag.

Als wir das Kind sehen, finden wir es tief komatös vor. Der linke Augapfel ist völlig zerstört, die rechte Pupille  entrundet und lichtstarr. Wir sprechen mit dem Vater und der Mutter, klären mit dem diensthabenden Kollegen seine Sicht und kommen zu der Entscheidung, das Kind mit Hirnoedemtherapie und Hochlagerung im Hospital mit den Eltern zusammen lassen, weil wir alle denken, dass es den Transport nicht überleben wird. Die medikamentöse Therapie des Kindes wird APH tragen.

Heute am Freitag hatten wir noch einen sehr beeindruckenden Besuch im ehemaligen Lepra-Hospital in Davougon, ca. 50 Kilometer entfernt von unserem Projekt. Wir sehen ein sehr grosses Krankenhaus, in dem es tatsächlich immer noch einige Leprakranke und sehr vereinzelt über ein Jahr auch Neuerkrankungen mit Lepra gibt. Es gibt sogar noch das Lepradorf, in dem bis heute Kranke mit infektiösen Erkrankungen leben.  Hauptsächlich werden dort aber Buruli-Erkrankungen (durch ein Mykobakterium verursachte Hautulcerationen), Verbrennungen, Hauttuberkulose und Hautkrebs behandelt. Das Krankenhaus wird von Karmeliter-Patres betrieben.

Pere Christoph ist einer der ältesten und versiertesten Lepraexperten in Benin. Er arbeitet in diesem Zentrum seit 30 Jahren und verlässt es so gut wie nie. Ausser, um weitere 50 Kilometer entfernt das riesige operative Zentrum einer schon betagten spanischen Ordensfrau zu besuchen, wenn dort Patienten zu einer Hauttransplantation hingebracht werden müssen. Er ist ein Mann mit verschmitzten Blick, der gern lacht. Er stellt sich selbst nie in den Vordergrund, spricht eigentlich nur, wenn man ihn direkt anspricht. Ansonsten lässt er seinen ehemaligen Verwaltungsdirektor sprechen, der uns in wunderbarer Ruhe alles erklärt. Dieser sicher schon fast 70 jährige Ordensmann und Arzt sprach einen bemerkenswerten Satz: „Dienen, der Grund unseres Seins„.

Jetzt gleich (21.15 Uhr) gehen wir vier, Birgit, Bettina, Peter  und ich – der Rest der Truppe – zum Marienlob mit den Schwestern. Es gibt viele Menschen hier im Hospital und daheim, an die wir denken und für die wir beten. Unsere Mitstreiter sind gut in Cotonou angekommen und schon auf dem Weg zum Flughafen. Bon retour, es war eine super Zeit mit Euch allen. GRAND MERCI!!

Euch allen heisse Grüsse ins nordische Eis!!!

Ehrlich, wir freuen uns noch sehr, hier zu bruzzeln …

Gohomey, 11.02.17

Heute am Samstag versammeln Bettina und Birgit wieder alle Waisenkinder, um das nächste Kinder-Kunstprojekt zum Thema „Baum“ zu starten. Der grosse APH-Baum, ein Kapokier dient dabei als Vorlage. Dabei setzt Bettina sehr toll die Geschichte des Baumes in motorische und erzählerische Momente gemeinsam mit den Kindern um, bevor es ans eigentliche Malen geht. Die Kinder entwickeln so viel Kreativität und Freude bei diesem Tun, das es sehr bewegend ist, das zu erleben. Bettina und Birgit sind sich sicher, dass dieses eigene Tun den Kindern nachhjaltig in Erinnerung bleiben wird.

Peter und ich gehen weitaus nüchterneren  Aktivitäten nach. Raum für Raum begehen wir die ganze Krankenstation, um den Renovierungsbedarf vom Anstreichen über Schreinerarbeiten (Fenster, Türen, Moskitonetze, Regale etc.), Installationarbeiten (Licht, Waschbecken), Fliesenausbesserung etc. festzuhalten. Einige gute Anregungen aus dem Leprakrankenhaus in Davougon werden wir auch versuchen, umzusetzen.

Nachmittags sind wir dann auf Peters Vorschlag und zur Freude aller mit Helene und Dieudonne noch einmal  mit den Mopeds unterwegs und haben wirklich eine schöne Tour durch den westafrikanischen Busch. Auf dem Heimweg geht die Sonne dann schon langsam unter und taucht die Busch-Landschaft in wunderbares Licht, welches vom leicht rötlichen Staubschleier des Harmattan noch einmal eine besondere Farbnuance bekommt. Jenseits von Afrika … Das ist das Gefühl dazu.

Ohne das Team ist es in Gohomey relativ still geworden, beim Essen, auf der Terrasse … Auch wenn Dirk Henricy und Wolfgang Paul sicher die  längsten Tage hatten … Irgendwann trudelten auch sie unter Beifall ein und dann gab es erst mal rein kühles Bier. Dirk musste nach dem gesamten OP-Programm des Tages noch alles putzen und Wolfgang Paul musste für die Anaesthesist noch die Patienten des nächsten Tages ansehen und einweisen/vorbereiten. Ausserdem sorgt sich Wolfgang auch sehr um die Ausbildung der beninischen Anaesthesie-Pfleger.

Im OP und in der Endoskopie ist die Stimmung immer sehr gut, sehr kollegial und freundlich. Für die Endoskopie stellte sich wieder ein beninischer Gastroenterologe vor, der aber auch keine Alternative zum jetzt immer noch interimsmässigen Einsatz darstellte.

Beim nächsten Mal wird unser Allgemeinarzt Dr. Gil zur Zusammenarbeit in der Endoskopie freigestellt. So wünschen es sich auch Dr. Rüdiger Kerner und sein Team. Die Technik funktioniert super, die  Ordensschwester beherrscht immer besser die Reinigung und Desinfektion.

Die Untersuchungsergebnisse erschlagen einen oft. Vom perforierten, gedeckten Magengeschwür bis zum dringenden Verdacht auf ein Speiseröhren-Carcinom. Viele Befunde, die man behandeln kann und muss.

 

Cotonou, 12. / 13.02.17

Inzwischen ist es Sonntag und wir sind mit Birgit und Bettina schon wieder zurück in Cotonou. Hier haben wir um 18.00 Uhr ein Gespräch mit den Schwestern  von Padre Pio im Hotel du Lac.

Heute um  7.30 Uhr haben wir zusammen mit allen Kindern und den Schwestern die Heilige Messe in unserer kleinen Projektkapelle gefeiert mit Pere Nazere. Anschliessend gab es ein gemeinsames Frühstück mit ihm.

Dann fuhren wir ein zweites Mal zur Baumwollfabrik, um sie in Funktion zu sehen, da das zuvor wegen eines Maschinendefektes für unsere kleine Restgruppe noch nicht möglich war. Eine archaischere Maschinenanlage habe ich zuvor noch nie gesehen. Wir wurden hinter die Baumwollentkernungsmaschinen geführt, sahen die Verpackung der entkernten Rohbaumwolle zu gepressten Ballen von 250 kg. Alles bei ohrenbetäubendem Lärm und mit Mundschutz bei über 30 Grad Hitze. Keiner der Mitarbeiter trug einen Lärmschutz. Einfachste Tuchmundschutz-Teile trugen allerdings alle. Dennoch sterben nahezu alle ehemaligen Baumwollarbeiter erledigt an einem Lungenemphysem oder Lungenkrebs. Sie verdienen für maximal vier Monate im Jahr – solange dauert die Saison – den Mindestlohn. Das sind ca. 75 Euro im Monat.

Eine weitere, wirklich das Land und die Städte verändernde Situation sind die Strassenverbreiterungsarbeiten fast im ganzen Süden. So müssen viele Hütten und Geschäfte am Strassenrand weichen. Man sieht Vieles in Schutt liegen und wundert sich, dass die Menschen überhaupt nicht revoltieren. Es gibt nur kleine Entschädigungen für die Betroffenen. Aber scheinbar wollen die Menschen diese Modernisierung ihres Landes. Der neue Präsident spricht sehr selten öffentlich, scheint jedoch sehr wirksam in seinem Vorgehen und der nach aussenden dringenden Diktion zu sein.

Politisch wird die Situation in Benin gerade immer brenzlicher. Denn jetzt sollen ab dem 01. März auch alle Mopedtaxis  in den grossen Städten in ihrem Business beschnitten werden zugunsten öffentlicher Verkehrsmittel … Aber die Zimedjan-Fahrer haben Kraft ihrer Menge solches Ansinnen vor Jahren schon einmal abgewendet. Das immer gleiche Problem ist, dass die Menschen keine Chance auf neue Einkünfte haben und man ihnen dabei auch nicht hilft oder entgegen kommt. Sieben Ministerien wurden komplett geschlossen und alle Mitarbeiter heimgeschickt. Sparmassnahme. Alles richtig, aber ob sich da nichts zusammenbraut, wenn die Menschen keine Alternativen und Perspektiven sehen?

Der Besuch heute, am Montag vormittag bei Mutter Elisabeth war sehr schön. Sie wirkte kräftiger, konnte gut sprechen und hat sich so gefreut.
Andrea war zum Frühstück mit uns und wir haben über Ihre Situation und Wirkung gesprochen. Ein konstruktives Gespräch, so man das bis jetzt sagen kann.

Jetzt packen wir nach einer kurzen Abschieds-Siesta auf unserem Balkon im Hotel du Lac und dann hoffen wir bald wieder gut mit Euch allen in Kevelaer, am Niederrhein etc. vereint zu sein.

Herzliche Grüsse noch von der Lagune, Elke und Mannschaft

 

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