TAGEBUCH 2 der November-Mission 2017 von APH

Leichter Dunst liegt über dem Projekt, die Sonne geht auf in Afrika. Unser Team erwacht langsam, Peter und ich sitzen auf der Terrasse und trinken einen ersten Kaffee, noch ganz in der Ruhe eines neuen, sicher beeindruckenden, vollen Tages. Peters Telefon-Uhr hatte einen Time-Error und hat uns eine Stunde zu früh geweckt, aber in Afrika sagt man ja „Ihr habt die Uhren, wir die Zeit“. Wir Glücklichen hatten heute früh beides!

David

Das Afrika der Extreme zeigen uns wieder die Kinder. Einer davon ist David, der kleine fünfjährige Junge in der Kinderkrippe. Er ist schwer unterernährt, eines von diesen ernsten Kindern, die nicht mehr weinen und nicht mehr lachen können. David ist aidskrank. Seine Haut platzt überall auf und er muss schnellstmöglich eine antiretrovirale Therapie bekommen, welche die zerstörerischen Aidsviren in seinem kleinen Körper dezimiert. Darum ist er mit seiner ebenfalls erkrankten Mutter in der Kinderkrippe. Wir gewinnen in nur wenigen Minuten mit Blicken und ohne Worte eine innige Beziehung, als wir die neue Kinderkrippe im ehemaligen Waisenhaus I besuchen. Die Kinder sind mit ihren Müttern/Pflegemüttern heute dorthin und gezogen.

Abends sehen wir uns wieder, als alle die Waisenkinder und die kleinen  Kinderkrippen-Patienten mit ihren Mamas singend, tanzend und klatschen zur Begrüßung unseres Teams auf die Terrasse kommen. Wie immer eine kurze Begegnung voller afrikanischer Lebensfreude, voller Temperament und Rhythmus, voller Lachen und sprudelnder Fröhlichkeit – ungeachtet der Lebensumstände, die jeden von uns sicher ziemlich „reglos“ in jeder Beziehung hätten werden lassen.
Nur David steht etwas abseits in seinem roten, afrikanischen Anzug. Er wirkt verloren, als er auf seinen dünnen Beinchen dem Treiben zuschaut. Ich gehe zu ihm, er schaut mich an mit seinen grossen Augen. Ich meine seine Zustimmung zu erspüren, dass ich mich zu ihm stellen und ihn etwas Nähe spüren lassen darf. Ich stelle mich hinter ihn und wir schauen dem Treiben zu. Er vermag nicht mehr zu tanzen, zu klatschen  zu lachen. Aber plötzlich bemerke ich, dass er sich ganz an mich anlehnt. Ich lege die Hände auf seine Schultern und stütze seinen Kopf, der ihm schwer zu werden scheint.

 

Christ König-Fest

Heute wird in der katholischen Kirche Afrikas das Christ König-Fest in  jedem winzigen Dorf, in jedem Städtchen mit grossen Prozessionen, Trommeln, frohem Gesang gefeiert. In unserer Projektkapelle zieht der Priester morgens in aller Frühe mit drei Mini-Messdienern ein, die stolz und voller Ehrerbietung das grosse Holzkreuz, das Weihrauchfass etc. tragen. Auch bei der Prozession später, die mit der Monstranz  durch das Projekt in  den Innenhof der Krankenstation bis  vor das Gnadenbild führt, sind diese drei kleinen, gesunden Jungen aufrechten Schrittes in ihren weissen Gewändern mit auf dem Weg.

 

 

Das kleine Busch-Hospital

Die Waisenkinder turnen fast schon akrobatisch auf der Wiese vor den Waisenhäusern. Im Notfallraum des Krankenhauses liegen zeitgleich mehrere Kinder mit schwerer Malaria. Das chirurgische Team kümmert sich mit dem Zahnarzt um einen total kachektischen und  geschwächten, jungen Patienten mit einem grossen, sehr schmerzhaften Mundboden-abszess unklarer Genese. Beim Endoskopie-Team ist schon Hochbetrieb.  Die wartenden Patienten sitzen schon in Reih und Glied vor dem Diagnostikraum. Im Multifunktionsraum wird die Zahnarzt-Einheit provisorisch hergerichtet. Klar wird schon in diesen ersten Stunden, dass wir mehr Platz für die Menschen und Dienste hier am Krankenhaus benötigen. Das kleine Busch-Hospital platzt im Wortsinne aus allen Nähten. Allein in diesem Monat gab es  immer schon  45 Kaiserschnittentbindungen. Der Aufwachraum, der jetzt dringend für die traumatologischen postoperativen Patienten benötigt wird,  liegt voller junger Mütter mit ihren kleinen durch Kaiserschnitt entbundenen Babys.

Die Frauen werden jetzt, am zweiten, dritten Tag nach der Sectio auf die Krankenstationen der Umgebung, in  denen gute Hebammen sind, die wir kennen, zur weiteren Beobachtung verlegt …

Tagebuch 1 der November-Mission 2017 von APH

Die Anreise des 14 köpfigen Teams in Gohomey war etwas holprig. Das lag jedoch nur partiell an den Strassenverhältnissen, denn die neue Autostrasse von Cotonou über Come und Lokossa ist wieder der direkte Weg zu uns ins Projekt und nach der Fertigstellung jetzt der absolute und wunderbare „Highway“. Zwar nicht der „Highway to heaven“ aber schon ziemlich nah dran, wenn man die strapaziösen und langwierigen Anreisen der letzten Jahre mit grossen Umwegen über nicht asphaltierte Strassen betrachtet. Eine Reifenpanne am Minibus verzögerte unsere Weiterreise etwas. Aber der Chauffeur war fit und so standen wir nicht allzu lange  in der gleissenden Sonne am Strassenrand.

Dann allerdings erwischte uns kurz vor Dogbo ein Gewitter mit so heftigen Platzregen, dass in nur  wenigen Minuten am Strassenrand reissende Bäche entstanden. Wir hatten noch kurz vorher versucht unsere Koffer-Abdeckung mit Planen auf dem Dach des Minibusses zu optimieren. Glücklich! Doch dann bogen wir ein in die  Zufahrtsstrasse zu unserer Krankenstation und wir lernten, wie sich diese Pisten mit der roten Erde in gefährlichste Rutschpartien verwandeln, wenn man kein Allradauto hat. Wer als Chauffeur diese Fahrtechnik auf dem völlig seifigen Untergrund, auf dem man sich auch zu Fuss fast nicht auf den Beinen halten kann, nicht beherrscht, riskiert gefährlich viel. Vor uns rutschte ein Bus in die Böschung und auch wir drohten mit dem Minibus umzukippen, da der Fahrer sich wegen eines entgegenkommenden schlingernden Fahrzeugs an den Strassenrand mit der Abböschung begeben musste. Mopeds und Fußgänger erschweren die Situation für die Fahrer zusätzlich. Das „Bon arrive“ kommt dann auch von allen aus vollem Herzen, als wir heil vor dem Gästehaus ankommen.

Erst am nächsten Tag kommt unser letztes Team-Mitglied, die Chirurgin Noreen Vingerhoed. Sie hat mehr als 1,5 Stunden Verspätung wegen eines Zwischenfällen in ihrem Flugzeug in Paris, welches Polizeieinsatz an Bord erforderte. Und … ihre Koffer kamen nicht mit. Doch sie ist eine sehr ruhige, umsichtige und vor allem unproblematische junge Frau und so bekommt sie von allen bei Ihrer Ankunft einige Kleidungsstücke „gespendet“ und erwartet jetzt die Ankunft Ihrer Koffer am  Montag – gemeinsam mit dem zahnärztlichen Equipment, das ebenfalls mit Verspätung eintrifft.

Schon entdeckt?

Hier können Freunde und Spender nachlesen, was die Stiftung Aktion pro Humanität 2016 in Benin und im Niger für die Menschen auf den Weg gebracht hat:

Jahresbericht für 2016

Die Aktion pro Humanität lädt ein: Adventliches Kaffeetrinken in Kevelar im Priesterhaus

Armandine

Armandine

Kevelaer. Mit Bildern und Erzählungen blickt die Stiftung Aktion pro Humanität (APH) am 03.12.16 auf ein ereignisreiches Projektjahr im westafrikanischen Benin zurück. Freunde, Förderer und alle, die sich über die humanitäre Arbeit der APH in Westafrika informieren möchten, sind herzlich eingeladen zum adventlichen Kaffeetrinken im Priesterhaus (am Kapellenplatz in Kevelaer).

Termin: Samstag, 3. Dezember, ab 16 Uhr.

Seit mehr als 20 Jahren unterhält APH ein Buschkrankenhaus im Westens Benins. Knapp 60 afrikanische Mitarbeiter, vom Arzt bis zur Hebamme und zum Gärtner, sind dort fest angestellt. Das Projekt finanziert sich mit Spendengeldern.

Die Koffer sind gepackt, es kann losgehen. Morgen macht sich wieder eine Truppe Ehrenamtlicher der Aktion pro Humanität (APH) auf den Weg nach West-Afrika, nach Benin. Eines der großen Projektaufgaben in den kommenden Tagen: die intensive Schulung des afrikanischen Personals. Die kleine endoskopische Abteilung, die Dr. Rüdiger Kerner, Chefarzt am Kevelaerer Krankenhaus, mit seiner leitenden Endoskopieschwester Hildegard Kleinen im April im Hospital der APH aufgebaut hat, soll nun eigenständig ihre Arbeit aufnehmen. „Wir freuen uns sehr auf diesen Einsatz“, so Dr. Kerner. „Die Endoskopie ist ein wichtiger Meilenstein in der medizinischen Versorgung der Menschen in dieser ländlichen Region in Benin.“ Bislang müssen Patienten mehrere hundert Kilometer Anfahrt in Kauf nehmen, um mit Glück einen Termin zur Spiegelung des Magens oder auch des Darms bekommen zu können. Die Truppe um APH-Präsidentin Dr. Elke Kleuren-Schryvers erwartet ein Mammutprogramm, u.a. werden Hans-Gerd Janssen und Heinz-Peter Angenendt, die zum ersten Mal ins Projekt reisen, um sich um die vielfältigen Aufgaben kaufmännischer Verwaltung und Administration zu kümmern.

Zur Freude der APH werden derzeit die katholischen Kliniken im Kreis Kleve mit neuen Betten versorgt – die „ausgedienten“ Betten sind alle gut in Schuss – der einzige Makel: man kann sie nicht elektrisch verstellen – für das Hospital in Gohomey in Benin kein Problem. Und so freuen sich die Aktiven der APH, Anfang des Jahres vielleicht schon einen „Betten-Container“ nach Benin zu schicken zu können.

Die Koffer sind gepackt, der gelbe Impfpass hat alle wichtigen Stempelchen, Freitag ist es soweit: Steffi Neu, frisch gekürte Deutsche Radiopreisträgerin, reist mit einer kleinen Truppe vom Niederrhein nach Westafrika, nach Benin. Seit zwei Jahren ist die Radiomoderatorin aus Keppeln Botschafterin der Kevelaerer Stiftung „Aktion pro Humanität“. Die engagiert sich seit mehr als 20 Jahren ehrenamtlich in Benin und im Niger, hat u.a. ein Hospital in Benin, in Gohomey aufgebaut. Wir haben Steffi vor der Abreise noch erwischt:

Steffi Neu1 Das erste Mal Afrika, aufgeregt?
Absolut. Mein Bruder hat, als wir Kinder waren und gestritten haben, immer gesagt: „Phh, dann geh’ ich halt weg nach Afrika.“ Und dann hab’ ich geheult und er kam wieder zurück. Insofern hat dieses „nach Afrika“ gehen für mich eine besondere Bedeutung“ (lacht).

2 Wie bereitest Du Dich vor?
Erstmal diese ganze Impf-Arie. Damit haben wir im Sommer schon angefangen. Als mein Hausarzt Achim das große Buch rausholte mit der Riesenliste von Krankheiten, die man sich da holen kann, wurd’ mir schon anders. Wir sind dann zur Tropenmedizinerin und haben das alles hingekriegt. Hoffentlich.  Ansonsten, was Vorbereitung angeht: Ich arbeite nach Anweisungen von Dr. Elke Kleuren-Schryvers, der Präsidentin der „Aktion pro Humanität“: Lange Hosen, langärmlige Shirts, „zue“ Schuhe, Käppi…

3 Worauf bist du gespannt?
Auf den ersten Moment, Afrika zu riechen. Die Luft, die Düfte, das muss ein toller Moment sein. Ich freue mich so sehr auf die Menschen. Auf Geschichten, auf Hände reichen und nach vorne gucken. Ich möchte die Not nicht als Not sehen, sondern als Ansporn, etwas zu tun.

4 Warum ist dir das wichtig?
Weil ich glaube, dass wir den Menschen in ihrem Zuhause Sicherheit, Bildung und Gesundheit geben müssen, damit sie Zuhause bleiben wollen. Das ist in heutigen Zeiten doch das A und O. Die Menschen sollen eine Perspektive haben, da wo sie leben, wo ihre Familien sind.

5 Da wird Französisch gesprochen…
 …und ich hatte es ein paar Jahre in der Schule. Ich kann ohne Probleme auf französisch Bier bestellen. Das wird mir in Benin vermutlich nicht nutzen. Es gibt bestimmt  ‘ne gute Übersetzungsapp fürs Handy… Und ansonsten: Hände, Füße, Gesicht, ich kann auch Sätze vortanzen, wenn’s sein muss. Wenn ich dann am Ende allerdings ein Bier kriege, hätte ich’s auch einfacher haben können.

Wir sind im Radio

Wir sind im Radio

So kurz vor dem Aufbruch zur nächsten Benin-Reise können wir von unserem langjährigen Tun in Benin und im Niger berichten. Wir freuen uns sehr, dass wir die Möglichkeit haben, im www.domradio.de über unsere Aktivitäten berichten zu können. Einfach hinhören: Dienstag, 18.10.16, ab 10:00 Uhr im Interview mit Anja Krumpen.  Wir freuen uns drauf – sehr !!!

In der Kinderkrippe(Fast) nichts ist so beständig wie die Herausgabe des Projektberichtes der Aktion pro Humanität!

Anbei die 70. (!) Ausgabe. Fleißige Schreiberin: Dr. Elke Kleuren-Schryvers. Ihre Worte beschreiben immer besonders eindringlich was passiert – hier in Deutschland und in unseren Projektländern Benin und Niger.

Flyer Wallfahrt 1Interreligiöse Wallfahrt für den Frieden in der Welt

Kevelaerer Deklaration gegen Waffen

Am 28. August 2016 treffen wieder viele Gläubige zu einer interreligiösen Friedenswallfahrt in Kevelaer zusammen­. Kevelaer ist der größte Marien-Wallfahrtsort Nordwest­europas. Die Gläubigen werden ihre Stimme und ihr Gebet dazu verwenden, die Regierungen Europas um mehr Frieden zu bitten.
Die deutsche und die europäischen Regierungen sind aufgerufen, im Sinne des Friedens daraufhin zu arbeiten, dass kein weiteres Töten, kein weiteres Leid durch die unverant­wortliche Produktion von Waffen, den profitorientierten Handel mit Waffen sowie den einzig Macht gesteuerten Einsatz von Waffen, verursacht wird.

Worte und Gesten stiften Frieden, nicht Waffen.

Denn der Menschheitsfriede soll ausbrechen, bevor die Menschheit erneut den Verstand verliert.

Unterstützen Sie diese Deklaration durch Ihre Unterschrift!
Am 28. August 2016 ist die Unterschriftsliste in Kevelaer während der interreligiösen Wallfahrt direkt am Kapellenplatz ausgelegt.
Helfen Sie diesen Waffen-Wahnsinn zu stoppen !!

Der Text dieser interreligiösen Deklaration gegen Waffen wurde im Rahmen der Vorbereitung der II. Interreligiösen Wallfahrt für den Frieden in der Welt am 28. August 2016 noch maßgeblich mitgestaltet von Dr. Rupert Neudeck in Absprache mit den Religionsvertreten der Juden, Christen und Muslime.

Erzbischof Laurent Lompo aus dem Niger zu Besuch in Kevelaer

 Vom 09. bis zum 18. Juli 2016 wird Erzbischof Laurent Lompo aus dem Niger wieder zu Gast in Kevelaer sein.

Er möchte sich bedanken für eine unglaublich schnelle und effektive Hilfsaktion, welche die PfarrgemeindDomkapitular und Bischofe St. Marien und die Stiftung Aktion pro Humanität unmittelbar nach Pfingsten, also erst vor wenigen Wochen, starteten, um den Hunger hunderttausender Menschen in seinem Land zu bekämpfen.

„Kevelaer ist für mich wie ein tröstlicher, verlässlicher Rückhalt in all dem Nicht-Funktionierenden und immer wieder krisenhaften Geschehen meines Landes,“ sagt Erzbischof Lompo. „Wenn ich meinen Ruf um Hilfe zu Euch nach Kevelaer schicke, dann weiß ich, hier leben Menschen, die mitleiden mit den Menschen im Niger im konstruktiven Sinn und die Hilfe realisieren als Brüder und Schwestern – auch wenn sie 5000 Kilometer entfernt sind“.

Mit großen Einsatz aller Spender, Förderer und Helfer der Kirchengemeinde St. Marien, der Stiftung Aktion pro Humanität und weiterer Kooperationspartner am Niederrhein gelang es binnen drei Wochen 50.000 Euro in den Niger zu transferieren. Und dies, bevor die internationale Hilfe für viele Länder im Sahel, die unter Hunger leiden, überhaupt anlief. 35 Cent benötigt man, um einem Menschen im Niger wenigstens einmal am Tag eine ausreichende Mahlzeit anbieten zu können und ihn damit vor dem Verhungern zu retten.

Erzbischof Laurent freut sich sehr auf diesen neuerlichen Besuch in Kevelaer und die Chance, allen Mitstreitern hier vor Ort sein „grand merci “ sagen zu dürfen.

Dienstag, 12.07.2016, 18.30 Uhr, Beichtkapelle Kevelaer:
Dankgottesdienst „Ubi caritas et amor“ als Gemeinschaftsgottesdienst
mit der Pfarr-Caritas St. Marien

Samstag, 16.07.2016, 17.00 Uhr, Klarissen-Kloster, Kevelaer
„Hunger“-Gottesdienst im Garten des Klarissen-Klosters
„Mitgefühl ist der natürliche, menschliche Impuls. Nicht Gleichgültigkeit und Gnadenlosigkeit“ (Navid Kermani)
Anschließend meet & greet, also Gelegenheit zur Begegnung und zum Gespräch mit dem Bischof im Garten des Klarissenklosters bei Brot und Wein.