Die Kinder im Niger sammeln Gras und Blätter als Nahrung

Neben der vornehmlich medizinischen Projektarbeit im westafrikanischen Benin seit 1994 ist die Stiftung Aktion pro Humanität seit 2005 aus Anlass einer großen Hungerkrise auch im nordöstlichen Nachbarland Benins, dem Niger, aktiv. Hier werden die entwicklungsfördernden Projekte vor Ort vor allem mit und durch Erzbischof Laurent Lompo und CADEV Niger (Caritas) realisiert.

Sie werden nahezu alle in einer ländlichen Region nahe der Grenze zu Burkina Faso in einem weiten Einzugsgebiet um die Städte Makalondi und Torodi umgesetzt, ca. 100-150 km entfernt von der Hauptstadt Niamey. Der Niger ist ein Sahelstaat, zu zwei Dritteln von Wüste bedeckt mit 18 Millionen Einwohnern, über 52 Prozent sind Kinder und junge Menschen bis zu 16 Jahren. Der Niger gehört seit Jahren zu den allerärmsten Staaten der Welt.

Viele Regionen des Landes sind sehr häufig schwer betroffen von den verheerenden Auswirkungen des Klimawandels wie Dürren oder Überschwemmungen. So ist auch die Region um Makalondi, das Einsatzgebiet der Stiftung Aktion pro Humanität massiv und wiederkehrend von schweren Nahrungsmittelengpässen und gravierendem bis schwerem Hunger betroffen.

Aktuell ist das wieder so und wird noch anhalten. Die Menschen stehen schon jetzt Schlange, um zu überleben. Ein halber Sack Hirse für eine 8-10 köpfige Familie muss ca. 14. Tage reichen (Kosten zur Bereitstellung derzeit ca. 25 Euro!). Wie oft werden da Mütter ihren hungrigen Kindern abends sagen müssen, dass es nichts mehr zu essen gibt und sie schlafen gehen sollen. Aber wie, mit hungrigem Bauch – Tag für Tag? Erzbischof Laurent Lompo hat das selbst in seiner Kindheit in seiner Familie erlebt und weiss, wie unsagbar schwer das ist. Wie nagend dieser Hunger ist, wie zerstörerisch er wirkt.

Wenn wir an islamistischen Terror denken, so verstehen wir immer besser, dass solche Situationen – von Kindesbeinen an immer wieder durchlebt- ein starker Nährboden sein können für diese Gewalt. Man hat es satt, nichts vom abzubekommen vom Brot der Welt!

Im Niger sind derzeit sieben Millionen Menschen von schwerem Hunger betroffen und es werden bis Oktober noch einmal sicher so viele werden. Wenn es regnet, wird die Lage ab Oktober besser. Doch die Menschen haben Angst, berichtet Erzbischof Laurent Lompo. „Sie stehen an und warten auf die Nahrungsmittelration für die Familie, müssen gleichzeitig das Saatgut einbringen und die Felder bearbeiten, sind aber sehr schwach und es kommt kein Regen ….“ Ob sie noch Hoffnung haben dürfen, fragen die Menschen Erzbischof Lompo auch jeden Tag bis hierher nach Deutschland.

Es steht also die neue Ernte in Frage – bis jetzt. Die Regenzeit dauert normalerweise im Sahel drei Monate von Juni bis August. Im Oktober erfolgt dann die neue Ernte, wenn…

Für ca. drei Millionen Kinder (von 0-5 Jahren) der insgesamt 18 Millionen Bevölkerung ist der Hunger jetzt schon lebensbedrohlich. Hier kann dann nur nur noch adäquate medizinische Hilfe mit Spezial-Ernährungspräparaten helfen, die Kinder im Leben zu erhalten.

Die Welternährungsorgansiation (FAO), UNICEF, PAM und viele große internationale Organisationen berichten, dass in der Sahelzone die schlimmste Hungerkrise seit Jahren herrscht. In Mali, Burkina Faso, den Niger, Mauretanien, dem Senegal und Tschad haben bereits jetzt Millionen Menschen nichts mehr zu essen. Eine solche Krise habe es seit 2012 nicht mehr gegeben in der Region. Die Rate akut mangelernährter Kinder  in den sechs Ländern sei seither um 50 Prozent gestiegen.

„Und die schwierigsten Monate stehen uns noch bevor“, sagt Erzbischof Laurent Lompo. Er hatte die Krise bereits sehr früh angekündigt und auch am Niederrhein sowie beim Bistum Muenster um konkrete Hilfe gebeten. Allerdings muss das immer sehr vorsichtig geschehen, solange die nigrische Regierung für das eigene  Land den Hunger noch nicht offiziell deklariert hat. Sein Aufruf wurde von allen Seiten sehr engagiert unterstützt.

Im Januar diesen Jahres, als ein Team der Stiftung Aktion pro Humanität mit Dr. Elke Kleuren-Schryvers im Niger war, war dieses gesamte Szenario bereits absehbar und zu einem großen Teil auch schon beginnende Realität. Da erst fing die Regierung an, das Problem im eigenen Land peu a peu öffentlich zu machen. Hunger von Millionen Menschen im eigenen Land beschämt eben auch. Auch für den Erzbischof ist es bedrückend, immer wieder mit so existentiellen Problemen seiner Mitmenschen im Niger hierher zurückkehren zu müssen, als dauernder Bittsteller.

Die Familie Seibt auf der Grav-Insel in Wesel-Flüren, ihre Stiftung und der Verein „Wir helfen Kindern weltweit“ kennen die Situation und stellen aufgrund der aktuellen Situation noch einmal 50.000 Euro zur Nahrungsmittelhilfe für den Niger bereit. Danke dafür!