Edan – ein Kind der ersten APH-Stunden

Edan ist heute ein stolzer Junge von ca. 16 Jahren. So ganz genau kann es niemand mehr sagen, wann er geboren wurde. Seine kleine Füsschen waren in schwerer Sichelfussstellung deformiert.

Barfuss, wie die meisten afrkanischen Dorfkinder, lief er auf den Aussenknöcheln seiner Füße. Seine Fußsohlen waren samtweich, dafür glich die dünne Haut über den Außenknöcheln mehr einem Schildkrötenpanzer.

Nach der Operation seiner Sichelfüße im Nachbarland Togo konnte er dann irgendwann auch mit seinen Orthesen (Schienen) Fußballspielen. Und dann eben auch zur Schule gehen. Doch das war eindeutig nicht sein Ding. Schon früh sagte er dem Lehrer, dass er diese Schule gar nicht bräuchte, weil er ja sowieso mit den Jovos nach Europa ginge.

Oktober 2008

Nach langer Zeit sahen wir Edan, unseren Filou, in Gohomey wieder.Es ging – auch mal wieder –  um Schulprobleme. Edan ist Halbwaise und immer noch irgendwie „ohne feste familiäre Bindung“. Seit Vater kümmert sich nur sporadisch um ihn und die Familie unseres Mitarbeiters Simon kann ihn auch nicht so richtig in das Familienleben integrieren, weil Edan auch streunen will.

Nach neuerlichen Schulproblemen im vergangenen Schuljahr, dem bestehenden Verdacht auf durch ihn „verhökerte“ Schulbücher sprach Dieudonné, unser Projektleiter für die Kinderdorf-Betreuung mit dem Schuldirektor über Edans Perspektiven. Der Schuldirektor nannte den Schlingel einen „Phantomschüler“.Er meinte damit, dass er ein, zwei Monate zu Schuljahresbeginn immer da sei und dann verschwinde Edan von der Bildfläche …Also schlug er vor, Edan versuchsweise mit einer Ausbildung zu konfrontieren.Einfachste Grundkenntnisse in Lesen, Schreiben und Rechnen habe er jetzt, so dass der Versuch unternommen werden sollte. Edan selbst ist jetzt auch „d´accord“ mit dieser Vorgehensweise.Es wurde ein Lehrherr für ihn gefunden, der auch langmütig genug wirkte, um Edan vielleicht eine Orientierung zu geben. Radio- und Fernsehmechaniker zu werden, fand Edan auch ganz spannend, vor allem, weil er da nicht so weite Wege hat wegen seiner Behinderung. Er kann in diesem Beruf auch sehr viel sitzend arbeiten. Und mit „high-tech“ hat diese Ausbildung in Azové noch gar nichts zu tun. Hier werden noch Transistorradios repariert…

Typisch für unseren Filou: irgendjemand hatte ihm wohl eine chice weiße Sonnenbrille mit breiten Bügeln überlassen. Wie wir Edan kennen, hat er schon oft beobachtet, dass solch tolle Sonnenbrillen irgendein Markenzeichen auf dem Bügel haben.

Also, schrieb unser Edan mit einem kräftigen blauen Filzstift in geschwungenen Lettern „Edan“ auf den linken Bügel und „labelt“ seine Sonnenbrille somit selbst. Oder will er sie, pfiffig wie er ist, so vor besser Dieben schützen ….?