Interview Dr. Elke Kleuren-Schryvers, Vorstand der Stiftung Aktion pro Humanität – August 2018
Veröffentlichung in der NRZ vom 14. August 2018, Redaktion: Heike Waldorf-Schäfer

 Seit mehr als zwei Jahrzehnten engagieren Sie sich mit Ihrer Hilfsorganisation APH (Aktion pro Humanität) in Westafrika. Es konnte eine Krankenstation gebaut werden, vor vier Jahren wurde sogar ein Operationscontainer im Busch installiert – alles mit Hilfe von Spenden. Im November wird eine Kinderstation eröffnet. Werden Sie eigentlich nie müde?
Nein, in Anbetracht der Situationen, die die Menschen in diesen beiden Ländern vorgeben, ihre Lebensbedingungen, ihre Perspektiven, kann man gar nicht müde werden. Und wenn nahezu 70 Millionen Menschen auf der Flucht sind, können wir nicht die Beine hochlegen auf unserer Insel der Seligen. In Zeiten, in denen die Angst vor dem und den Fremden, so geschürt wird, statt sie zu lindern, muss man agieren. Sie klar und unzweifelhaft für Mitmenschlichkeit und Solidarität aussprechen.

20 Jahre sind eine lange Zeit.
Das Krankenhaus der Aktion pro Humanität in Benin konnten wir 1995 eröffnen. Begonnen hat es mit wirklicher medizinischer Basisversorgung der Menschen. Wir hatten anfangs nicht viel zur Verfügung – einige Medikamente, ein paar Stethoskope und Blutdruckmesser, ein Mikroskop, einige Hals-Nasen-Ohren-Lampen und Mundspatel, ein bisschen Naht- und Verbandsmaterial, einige Infusionssets.

Das klingt abenteuerlich.
Das war es auch. Eine lokale Anästhesie vor einer Wundversorgung etwa kannte niemand. Die Menschen umarmten uns mit Tränen in den Augen, weil sie gar nichts spürten, wenn wir eine Kopfplatzwunde oder eine Macheten-Schnittwunde von der Feldarbeit versorgten. Und die Aidspatienten verstanden gar nicht, dass wir mit ihnen bei den Behörden streiten wollten, damit es endlich Aidsmedikamente im Land geben konnte. Heute ist unser Hospital in Gohomey, nah an der Grenze zu Togo, ein spezialisiertes Zentrum – das Zweitgrößte im Land -für die Diagnostik und Therapie von HIV/Aids.

Wie muss man sich das Leben im westafrikanischen Busch im Jahr 2018 vorstellen?
Nun, ehrlich, in vielen Bereich wie vor 150 Jahren. In den Großstädten werden Infrastruktur-Fortschritte sichtbar. In den ländlichen Gegenden ist die Zeit aber noch stehen geblieben – viele Menschen leben nach wie vor in einfachen Behausungen, ohne Wasser und Strom, zu allermeist in bitterer Armut.

Wie finanziert sich das Krankenhaus?
Aus den vielen kleinen „Kostenbeteiligungen“ der Patienten für ihre Behandlungen. Diese liegen unter denen der staatlichen Krankenhäuser. Und dann sind es die Spendengelder vom Niederrhein. Wir können gar nicht laut genug Danke sagen. Und trotzdem bedeutet auch heute ein krankes Familienmitglied, das zur Behandlung im Krankenhaus ist, oft eine Mahlzeit weniger am Tag für den Rest der Familie.

2015 haben Sie in Benin Geschichte geschrieben.
Ein Jahr, das in die Geschichte des Projektes und der Gesundheitsversorgung der Menschen in dieser Region eingehen wird. Durch einen privaten Spender konnten zeitgleich eine digitale Röntgenanlage und ein Operationscontainer angeschafft werden. Somit wurde auch die operative Behandlung, insbesondere auch Kaiserschnittentbindungen möglich. 142 Geburten gab es im Mai diesen Jahres. 40 davon waren Kaiserschnitt-Entbindungen. Insgesamt gibt es monatlich ca. 60 Operationen in dem OP-Container. Pro Jahr werden aktuell sicher 25.000 – 30.000 Menschen bis in die Nachbarländer hinein (Togo und Nigeria) versorgt. Das Krankenhaus pulsiert …

Gibt es ein Erlebnis, ein Schicksal, dass Sie besonders in Erinnerung behalten haben?
Es gibt viele, tief bewegende Erinnerungen an einzelne Menschen und ihre Dankbarkeit über die möglich gewordene Hilfe – inzwischen sogar im ganzen Land. Eine besondere Erfahrung jedoch ist die Entwicklung des Projektes zum zweitgrößten Arbeitgeber in der Region. 85 beninische Mitarbeiter und ihre Familien stehen in Lohn und Brot der Aktion pro Humanität. Das ist die eine großartige Entwicklung. Das ist konkrete Lebensperspektive für die Menschen in ihrer Heimat.

Macht es sie zornig, dass sich in all den Jahren am Alltag vieler Menschen in Benin nicht viel geändert zu haben scheint?
Nein, ich bin nicht zornig. Eher pragmatisch. Die Lebenssituation der Menschen in der Region Mono/Couffo hat sich schon deutlich verändert – durchaus zum Besseren. Durch das Krankenhaus sind Strom und Wasser in die Region gekommen, Schulen, die medizinische Versorgung ist adäquat bis fortschrittlich. Ebenso ist die medizinische Versorgung entschieden besser als in anderen Regionen. Und wir spüren sehr viel und wachsendes Vertrauen der Menschen in einer Region, die überwiegend noch vom Glauben an Götter, Geister und Ahnen dominiert wird.

Im November werden sie erneut mit Medizinern aus Wesel, Emmerich, Xanten, Geldern, Kevelaer, Moers nach Gohomey aufbrechen und einen neuen Krankenhausbereich eröffnen.
Ja, wir werden eine pädiatrische Fachabteilung mit Neonatologie eröffnen. Klein, aber ein wirklicher Segen. Damit ist ein weiterer Schwerpunkt gesetzt als Mutter-Kind-Behandlungszentrum. Eine kleine Zahnarztpraxis ist auf dem Krankenhausgelände ebenfalls in Bau. Wirtschaftlich betrachtet schafft unser Zentrum inzwischen ein Autofinancement von mehr ca. 84 Prozent für die entscheidenden Kosten­blöcke: Löhne der beninischen Mitarbeiter, Medikamente sowie medizinische Verbrauchs­materialien. Das gilt als sehr herausragend im Land.

 

BOX:

Für die Projektleitung in Benin sucht die APH eine Interims-Projektleitung, die gemeinsam mit dem beninischen Leitungsteam vor Ort arbeitet. Die Tätigkeit ist auf etwa zehn Monate befristet – der oder die Bewerber sollten Französisch sprechen und Freude daran haben, die Projektorganisation und -koordination sowie das Controlling zu übernehmen. Idealerweise vielleicht sogar Erfahrung in Sachen Krankenhaus-Management mitbringen. Klar ist, es geht nicht um eine Abenteuer-Reise ins Land des Vodoo. Die Person muss die Bereitschaft mitbringen, sich auf einen gänzlich anderen kulturellen Kontext und die Menschen dort einzulassen.

Infos:  www.pro-humanitaet.de

Kontakt: Stiftung Aktion pro Humanitaet,
Dr. Elke Kleuren-Schryvers, aktion-pro-humanitaet@web.de

Seit mehr als zwei Jahrzehnten engagiert sich die Hilfsorganisation APH (Aktion pro Humanität) in Westafrika. Es konnte eine Krankenstation gebaut werden, vor vier Jahren wurde sogar ein Operationscontainer im Busch installiert – alles mit Hilfe von Spenden. Im November wird eine Kinderstation eröffnet. Nun brauchen wir Hilfe.

 Von Dr. Elke Kleuren-Schryvers, Vorstand der Stiftung Aktion pro Humanität

Das Krankenhaus der Aktion pro Humanität im westafrikanischen Benin wurde 1995 eröffnet. Seit mehr als 20 Jahren entwickelt sich dort in der ländlichen Region des Mono/Couffo ein medizinisches Versorgungszentrum der besonderen Art. Begonnen hat es mit wirklicher medizinischer Basis­versorgung der Menschen dort. Es war eine afrikanische Buschkrankenstation wie sie in unser aller Vorstellung existiert. Dann mit dem Auftreten und der Verbreitung von Aids gerade in dieser Region des Landes Benin, einer sogenannten hot-spot-Region, wurde das heutige Hospital zu einem spezialisierten Zentrum für die Diagnostik und Therapie von HIV/Aids. Bis heute ist das Krankenhaus in Gohomey, ganz nah am Mono-Fluss und an der Grenze zu Togo, das zweitgrößte Behandlungs­zentrum für Aids und seine Co-Infektionen. 865 Patienten stehen dauerhaft unter antiretroviraler Therapie.

2015 war ein weiteres Jahr, das in die Geschichte des Projektes und der Gesundheitsversorgung der Menschen in dieser Region eingehen wird. Durch einen privaten Spender konnten zeitgleich eine digitale Röntgenanlage und ein Operationscontainer angeschafft werden. Somit wurde auch die operative Behandlung, insbesondere auch Kaiserschnittentbindungen möglich. Seitdem nimmt das Krankenhaus eine beeindruckende Entwicklung. Im Mai 2018 gab es 142 Geburten im Krankenhaus in Gohomey, 40 davon waren Kaiserschnitt-Entbindungen. Insgesamt gibt es monatlich ca. 60 Operationen in dem OP-Container (Allgemeinchirurgie/Traumatologie/orthopädische Chirurgie  und Gynäkologie) sowie ca. 130 Röntgenuntersuchungen pro Monat.

2016 wurde eine moderne Video-Endoskopie installiert. In diesem Jahr 2019 erfolgt die Eröffnung einer pädiatrischen Fachabteilung mit Neonatologie. Damit ist dann ein weiterer Schwerpunkt für dieses Krankenhaus in dieser Region gesetzt als Mutter-Kind-Behandlungszentrum.

Mit eigenem Blutspendedienst mittels mobiler Klinik sowie als staatlich autorisiertem Bluttrans­fusionsposten in diesem ländlichen Departement kommt dem Krankenhaus bereits seit Jahren eine gerade in der Malaria-Saison besonders Leben rettende Bedeutung zu. Aktuell werden ca. 1250 Blutkonserven / anno transfundiert. Eine augenärztliche Diagnostik wird mehrmals jährlich durch einen mobilen Augenarzt incl. Brillenversorgung auf der Basis der Ein-Dollarbrille angeboten. Eine Zahnarztpraxis ist auf dem Krankenhausgelände in Bau. Pro Jahr werden aktuell sicher 25.000 – 30.000 Menschen in der Region und bis in die Nachbarländer hinein (Togo und Nigeria) versorgt.

Ein bis zweimal jährlich gibt es neben der medizinischen Arbeit durch einheimisches Fachpersonal auch deutsche medizinische und technische Expertenteams – vornehmlich des Niederrheins – die vor Ort gemeinsam mit den einheimischen Kollegen arbeiten und das Zentrum weiter entwickeln.

Ab dem Herbst 2018 wird das Krankenhaus incl. der sozialen und sozialmedizinische Dienstleistungen 85 Mitarbeitende beschäftigen. Damit ist dieses Krankenhaus der zweitgrößte Arbeitgeber – nach einer Baumwollfabrik – in dieser Region.

Das gesamte Personal (incl. der dahinterstehenden sicher 5-7 köpfigen Familien) erhält nicht nur regelmäßig seine Lohnzahlungen, sondern auch eine kostenlose medizinische Versorgung.  Neben der medizinischen Versorgung der Menschen ist das Projekt damit auch ein Leuchtturm – gerade in unserer aktuellen Zeit und vor dem Hintergrund der Migrationsdebatten –  bzgl. der Schaffung von Perspektiven für Menschen in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara.

Wirtschaftlich betrachtet schafft das Zentrum inzwischen ein Autofinancement von mehr ca. 84 Prozent für die entscheidenden Kostenblöcke: Löhne der beninischen Mitarbeiter, Medikamente sowie medizinische Verbrauchsmaterialien. Das Krankenhaus ist gut integriert in die beninische Gesundheitspyramide und respektiert in seiner Leistung für die Menschen. Dies zeigt sich an einer klaren Bereitschaft des beninischen Gesundheitsministeriums zur Kostenpartizipation.

Um manche Versprechen der beninischen Regierung jedoch – wie die Realisierung einer ordentlichen, gepfla­sterten Zuwendung zum Krankenhaus – wartet die Aktion pro Humanität seit 1995. Doch die Beständigkeit generiert die Nachhaltigkeit eines solchen Projektes und so fordert die europäische Projektleitung in Gohomey dies immer und immer wieder ein bei der Regierung und seit dem letzten Jahr ist klar, dass auf kommunaler Ebene für den Straßenbau auch ein Budget bereit gestellt wurde.

Das Hospital in Gohomey ist Mitglied im Dachverband der privaten Krankenhäuser in Benin (AMCES).

Aufgrund eines hervorragenden Job-Angebotes muss nun die seit fast acht Jahren im Projekt so kompetent und effektiv arbeitende Projektleiterin unvorhergesehen zehn Monate eher aus ihrem Dienst ausscheiden. Eine reguläre Projektnachfolge ist über die Arbeitsgemeinschaft Entwick­lungs­hilfe (AGEH) in Köln für den 01. Juli 2019 beantragt.

Damit diese Situation des vorzeitigen Ausscheidens der amtierenden Projektleiterin nicht zu einer ernsten Bedrohung für Erfolg und Nachhaltigkeit dieses Krankenhauses wird, sucht die Aktion pro Humanität schnellstmöglich eine/n in Management sowie Controlling erfahrene/n Interims-Projektleiterin/Projektleiter. Französische Sprachkenntnisse sind in diesem frankophonen Land Westafrikas unabdingbar wichtig. Flug- und Unterbringungskosten können von der Stiftung ebenso übernommen wie eine entsprechende Versicherung für den Einsatz und eine Aufwands­entschä­digung. Ansonsten wird ein solches Engagement als zeitlich begrenztes, ehrenamtliches Engagement erbeten, da alle Team-Mitglieder in der Stiftung sowie im medizinisch-technischen Expertenteam ebenfalls ehrenamtlich arbeiten.

Kontakt: Stiftung Aktion pro Humanitaet,
Dr. Elke Kleuren-Schryvers, Friedenstr.32-34, 47623 Kevelaer.
Mail: aktion-pro.humanitaet@web.de

Hans Hermann Pieper schreibt nach der grandiosen Rudertour über 198,45 Kilometer:

Hallo Unterstützer, Freunde, Spender!

Wir haben es geschafft! Der ganze Samstag 23. Juni 2018 wurde von beiden unserer RTGW-Boote vom ersten bis zum letzten Sonnenstrahl gerudert.

Das Männerboot mit Christopher Riller, Georg Pieper, Tim Ridder, Roman Wittich und mir (Hans-Hermann Pieper) in dem Boot „Niederrhein“ ist in der Zeit von 5:22 Uhr bis 21:10 Uhr von Karlsruhe bis nach St. Goar gefahren. Das sind laut GPS-Messung 198,45 km!

Wir sind also über 22 Kilometer weiter gekommen als im letzten Jahr. Wir sind ganz stolz und kaputt und glücklich und haben dazu noch die Loreley gesehen!
Unser Frauenboot in der „¾“ mit Annette Abeln, Jasmin von Blomberg, Josefine Pieper und Marion Tekath sind um etwa die gleiche Zeit in Mainz von Bord gegangen und haben damit 148 km errudert! Trotz widriger Umstände ein ganz tolles Ergebnis und auch die Vier sind Stolz auf ihren Erfolg. „Turboschnecken“ wie sie im Buche stehen!!

Es war ein Tag mit vielen Seiten: Bestes Ruderwetter über viele Kilometer, sowohl in der Gegend von Karlsruhe und Speyer; wilde Wellen und starker Berufsverkehr um Mainz herum, die Pumpen
konnten endlich mal zeigen, was sie konnten; Traumwetter fast ohne Wind im Mittelrheintal mit malerischer Kulisse von Weinbergen und Villen am Ufer; noch einmal heftiger Gegenwind bei starker Strömung und sehr engem Fahrwasser zwischen Bingen und St. Goar. Alles in allem aber eine tolle Fahrt die wohl allen im Gedächtnis bleiben wird.

Den Sonntag haben wir dann mit Heimreise, Boots- und Körperpflege verbracht, um heute schon wieder unseren gewohnten Tätigkeiten nachzugehen.

Zum weiteren Ablauf:
Das Konto bei Rotary Xanten ist eingerichtet, einige Spenden sind bereits eingegangen. Es wird Euch meist zeitnah eine Spendenbescheinigung für Eure Steuererklärung ausgestellt. Bitte notiert daher unbedingt Euren Namen und Adresse auf der Überweisung, damit die Bescheinigung auch ankommen kann. Falls Ihr bis ca. 8 Wochen nach der Überweisung keine Steuerbescheinigung
erhalten habt, meldet Euch bitte noch einmal bei mir unter: rudernfuerbenin@web.de
Bei Fragen natürlich auch jederzeit melden!

Hier noch einmal die Kontoverbindung:
Rotary Club Xanten, Stichwort: Rudern für Benin
IBAN: DE36 3546 1106 0112 2210 26 BIC: GENO DED 1 NRH

Ich bedanke mich schon jetzt für Eure Großzügigkeit und die viele Unterstützung in vielerlei Hinsicht und das große Interesse an unserer Aktion. Dies ist sowohl im Hinblick auf unsere sportliche Aktivität, als auch die Hilfen für die Kinderstation in Benin gemeint.

Ich verbürge mich dafür, dass sämtliche Spendengelder ohne Abzüge im Projekt in Gohomey ankommen.

Vielen Dank für Eure Hilfe!
Euer Hans-Hermann Pieper

Die Kinder im Niger sammeln Gras und Blätter als Nahrung

Neben der vornehmlich medizinischen Projektarbeit im westafrikanischen Benin seit 1994 ist die Stiftung Aktion pro Humanität seit 2005 aus Anlass einer großen Hungerkrise auch im nordöstlichen Nachbarland Benins, dem Niger, aktiv. Hier werden die entwicklungsfördernden Projekte vor Ort vor allem mit und durch Erzbischof Laurent Lompo und CADEV Niger (Caritas) realisiert.

Sie werden nahezu alle in einer ländlichen Region nahe der Grenze zu Burkina Faso in einem weiten Einzugsgebiet um die Städte Makalondi und Torodi umgesetzt, ca. 100-150 km entfernt von der Hauptstadt Niamey. Der Niger ist ein Sahelstaat, zu zwei Dritteln von Wüste bedeckt mit 18 Millionen Einwohnern, über 52 Prozent sind Kinder und junge Menschen bis zu 16 Jahren. Der Niger gehört seit Jahren zu den allerärmsten Staaten der Welt.

Viele Regionen des Landes sind sehr häufig schwer betroffen von den verheerenden Auswirkungen des Klimawandels wie Dürren oder Überschwemmungen. So ist auch die Region um Makalondi, das Einsatzgebiet der Stiftung Aktion pro Humanität massiv und wiederkehrend von schweren Nahrungsmittelengpässen und gravierendem bis schwerem Hunger betroffen.

Aktuell ist das wieder so und wird noch anhalten. Die Menschen stehen schon jetzt Schlange, um zu überleben. Ein halber Sack Hirse für eine 8-10 köpfige Familie muss ca. 14. Tage reichen (Kosten zur Bereitstellung derzeit ca. 25 Euro!). Wie oft werden da Mütter ihren hungrigen Kindern abends sagen müssen, dass es nichts mehr zu essen gibt und sie schlafen gehen sollen. Aber wie, mit hungrigem Bauch – Tag für Tag? Erzbischof Laurent Lompo hat das selbst in seiner Kindheit in seiner Familie erlebt und weiss, wie unsagbar schwer das ist. Wie nagend dieser Hunger ist, wie zerstörerisch er wirkt.

Wenn wir an islamistischen Terror denken, so verstehen wir immer besser, dass solche Situationen – von Kindesbeinen an immer wieder durchlebt- ein starker Nährboden sein können für diese Gewalt. Man hat es satt, nichts vom abzubekommen vom Brot der Welt!

Im Niger sind derzeit sieben Millionen Menschen von schwerem Hunger betroffen und es werden bis Oktober noch einmal sicher so viele werden. Wenn es regnet, wird die Lage ab Oktober besser. Doch die Menschen haben Angst, berichtet Erzbischof Laurent Lompo. „Sie stehen an und warten auf die Nahrungsmittelration für die Familie, müssen gleichzeitig das Saatgut einbringen und die Felder bearbeiten, sind aber sehr schwach und es kommt kein Regen ….“ Ob sie noch Hoffnung haben dürfen, fragen die Menschen Erzbischof Lompo auch jeden Tag bis hierher nach Deutschland.

Es steht also die neue Ernte in Frage – bis jetzt. Die Regenzeit dauert normalerweise im Sahel drei Monate von Juni bis August. Im Oktober erfolgt dann die neue Ernte, wenn…

Für ca. drei Millionen Kinder (von 0-5 Jahren) der insgesamt 18 Millionen Bevölkerung ist der Hunger jetzt schon lebensbedrohlich. Hier kann dann nur nur noch adäquate medizinische Hilfe mit Spezial-Ernährungspräparaten helfen, die Kinder im Leben zu erhalten.

Die Welternährungsorgansiation (FAO), UNICEF, PAM und viele große internationale Organisationen berichten, dass in der Sahelzone die schlimmste Hungerkrise seit Jahren herrscht. In Mali, Burkina Faso, den Niger, Mauretanien, dem Senegal und Tschad haben bereits jetzt Millionen Menschen nichts mehr zu essen. Eine solche Krise habe es seit 2012 nicht mehr gegeben in der Region. Die Rate akut mangelernährter Kinder  in den sechs Ländern sei seither um 50 Prozent gestiegen.

„Und die schwierigsten Monate stehen uns noch bevor“, sagt Erzbischof Laurent Lompo. Er hatte die Krise bereits sehr früh angekündigt und auch am Niederrhein sowie beim Bistum Muenster um konkrete Hilfe gebeten. Allerdings muss das immer sehr vorsichtig geschehen, solange die nigrische Regierung für das eigene  Land den Hunger noch nicht offiziell deklariert hat. Sein Aufruf wurde von allen Seiten sehr engagiert unterstützt.

Im Januar diesen Jahres, als ein Team der Stiftung Aktion pro Humanität mit Dr. Elke Kleuren-Schryvers im Niger war, war dieses gesamte Szenario bereits absehbar und zu einem großen Teil auch schon beginnende Realität. Da erst fing die Regierung an, das Problem im eigenen Land peu a peu öffentlich zu machen. Hunger von Millionen Menschen im eigenen Land beschämt eben auch. Auch für den Erzbischof ist es bedrückend, immer wieder mit so existentiellen Problemen seiner Mitmenschen im Niger hierher zurückkehren zu müssen, als dauernder Bittsteller.

Die Familie Seibt auf der Grav-Insel in Wesel-Flüren, ihre Stiftung und der Verein „Wir helfen Kindern weltweit“ kennen die Situation und stellen aufgrund der aktuellen Situation noch einmal 50.000 Euro zur Nahrungsmittelhilfe für den Niger bereit. Danke dafür!

Hans-Hermann Pieper schreibt uns zu seinem „Lieblingsprojekt“:

 

Liebe Freunde und Spender meiner AllYouCanRow Sponsorenfahrt in 2017

Dr. Pieper

Mit einem aktuellen Stand möchte ich mich heute zu den Maßnahmen in Gohomey in Benin melden. Es ist ein kleines Wunder, was durch Eure Spenden in dem kleinen Krankenhaus entstanden ist.

Die Umbauarbeiten der Kinderklinik sind inzwischen fast abgeschlossen. Aus der ehemaligen Kinderkrippe, die im letzten Herbst schon in ein anderes Gebäude ziehen konnte, wurde nach unserer Planung eine kleine Station mit drei stationären Zimmern zur Aufnahme der kleinen Patienten, zwei Funktionsräume und ein ambulanter Behandlungsraum gebaut.

Sowohl der Wartebereich für ambulante Patienten mit Familie wurde erweitert und neu überdacht, als auch der Aufenthaltsbereich für die Begleitpersonen der Kinder. Zur Trennung der Neugeborenen von der allgemeinen Behandlung ist ein abschließendes Gitter eingefügt worden. Um den Charakter einer Kinderklinik zu betonen, legten wir Wert auf eine farbenfrohe Umgebung.

Zuletzt sind auch Kunstmaler aus dem lokalen Umfeld engagiert worden und haben mit viel Engagement und Freude die Wände der Zimmer und Flure mit ihren freundlichen Bildern bereichert. Jetzt wartet die Station auf unseren Container-Transport mit medizinischem Gerät. Im Juni werden über dreißig Erwachsenenbetten, gut ein Dutzend
Babybettchen, zwei Inkubatoren, zwei Wärmelampen und weiteres medizintechnisches Gerät vom Niederrhein in Richtung Afrika starten.

Allen Spendern – sowohl in Form der Geldspenden, die Umbau und Transport möglich machen, als auch den Krankenhäusern, die Betten und Medizintechnik abgegeben haben – sei mein und unser herzlichster Dank gesagt.

Die Bilder sollen allen Spendern die Ernsthaftigkeit und die Fortschritte der Bemühungen der Aktion pro Humanität (APH) vorzeigen und werden bald mit weiterem Leben gefüllt werden können. Weitere Informationen und Bilder von der offiziellen Eröffnung im Herbst werde ich wieder versenden.
Mit dankbaren Grüßen aus Xanten, Hans-Hermann Pieper

PS: Nach AYCR ist vor AYCR!
Auch in 2018, wieder am längsten Samstag im Jahr, dem 23.6.18, findet diese Regatta statt. Ich werde wieder mit einem Boot der Ruder- und Tennis-Gesellschaft Wesel antreten. Weitere Infos folgen! 😉