Tagebuch Januar 2018/3

Wieder ein beeindruckender Tag heute. Die Taufe von Christina, der Tochter von M. Dieudonne und seiner Frau fand statt im Rahmen eines Pilgertages von Kindern und jungen Menschen – krank und gesund – in Gohomey – inmitten unseres Krankenhauses.

Junge Menschen aus einer Nachbarkirchengemeinde, Kinder aus dem Behinderten-Zentrum in Lokossa, unsere Waisen-und Kinderkrippenkinder, Patienten aus dem Krankenhaus und alle Taufgäste vor dem Gnadenbild im Innenhof des Krankenhauses in Gohomey versammelt zu sehen, war schon bewegend. Sie alle später beim gemeinsamen Mittagessen froh und lachend miteinander zu sehen, rührte fast zu Tränen. Ein kleines Heerlager von Kindern und jungen Menschen im völligen Miteinander, ungeachtet ihrer körperlichen oder geistigen Gesundheit oder Krankheit.

Unsere kleine Kapelle war sehr voll und bebte fast vor schmetterndem Singen, Trommeln und Klatschen während des Taufgottesdienstes.

Am Nachmittag besuchen wir auf unserer Mopedtour – dieses Mal auf ganz neuen Wegen – ein Mikrokreditprojekt, das seit zwölf Jahren funktionier. W wir besuchen auf ein Bier oder eine Coca unseren ehemaligen Mitarbeiter Simon. Alle erfreuen sich des Wiedersehens, obwohl, die Trennung vor Jahren sehr kompliziert war.

Unwillkürlich denke ich, es wäre wunderschön, wenn uns das mit den Schwestern von Padre Pio auch so ergehen könnte ….

Abends haben wir noch das Gespräch über die Zukunft des Zentrums mit Helene und auch über ihre Zukunft im Projekt. Ein wirklich gutes Gespräch, welches Peter und mir viel Hoffnung gibt.

Und dann kommt die wunderbare Theateraufführung unserer Waisenkinder. Sie spielen die Etappen dieses Besuches, die Messe und Medikamentenübergabe im Gefängnis, die Taufe, den Pilgertag in Gohomey, die Segnung der Kranken im Krankenhaus so, als wäre „Bischof Lohmann“ mit Ange, Charly, Thomas, Peter und mir dort gewesen. Das war so eine Freude, die Kinder so engagiert und intensiv ihre Rollen spielend zu sehen!

So endet der Tag, der Abend in einem ganz besonderen Gefühl der Verbundenheit und Dankbarkeit.

Tagebuch Benin Januar 2018/2

Im Projekt in Gohomey
Heute begannen Thomas und ich den Arbeitstag mit der Visite im Krankenhaus, um nach unseren unterernährten Kindern zu schauen. Alle beide haben zunächst überlebt. Wir sind erleichtert.

Das frühmorgentliche Frühstück auf dem Einbaum bei der Mono Flussfahrt entfällt wegen Wassermangel im Mono jetzt in der Trockenzeit.

Alle beginnen mit ihren Arbeiten. Peter und ich sprechen mit Mme. Helene und M. Dieudonne sowie unserem Gynäkologen über sein Verbleiben im Projekt und über die Zukunft des Projektes. Eine sehr fruchtbare Diskussion mit ganz neuen Visionen. …. Und der Gynäkologe bleibt zunächst einmal.

Im Gefängnis von Lokossa
Nach einer kurzen Siesta geht es gegen 15.00 Uhr nach Lokossa. Wir grüßen noch Bischof Victor und fragen an, ob wir noch kurz bei ihm vorbeikommen sollen. Aber er ist nicht da, erwidert die Grüße und segnet uns.

So laufen wir dann beim Gefängnis auf und treffen auf eine strahlende Gefängnisdirektorin, die uns empfängt. Wieder, wie immer, ist das Gefängnis hoffnungslos überfüllt. Das Stimmengewirr hinter den Mauern deutet auf hunderte Menschen.

Wir überreichen der Gefängnisdirektorin mit Grüßen des Niederrhein-Bischofs Rolf Lohmann die von ihm noch gesegnete Skulptur der Consolatrix afflictorum. Sie freut sich sichtbar sehr und ist bewegt. Später, am Ende des Besuches, als sie mir eine Botschaft mitgibt für den Bischof, verstehe ich, warum. Ein kurzes Gespräch über die neue Gefängnismauer, die drei Hektar eingrenzen wird.

Und noch eine Nachricht. Im Gefängnis von Lokossa sterben in ganz Benin die wenigsten Gefangenen. Vier im letzten Jahr. Die Gefängnisdirektorin führt das eben auch auf die Medikamente zurück, die sie durch APH dort immer zur Verfügung haben.

Dann kommt der Gefängnispfarrer und wir gehen – wie in einer kleinen Prozession – einer nach dem anderen – in das Innere des Gefängnisses . Vorne die Direktorin und ihre Begleiter, dann der Priester, dann wir. Das Szenario ist unglaublich und für uns nicht von der Welt, die wir kennen und einordnen können. Durch ein wahres Heerlager von ca. 200 Menschen ziehen wir durch eine enge Menschengasse so weit ins Innere des Gefängnisses, das ich mich wundere, dass der Gottesdienst hier stattfindet. Die Menschen grüßen uns mehrheitlich sehr freundlich, wir grüßen zurück und nehmen inmitten des Menschengewusels unsere Plätze direkt am Altar ein. Die Frauen singen und die Trommeln spielen. Eine unglaublich andere Wirklichkeit! Man nimmt eine besondere, aber nicht bedrohliche Anspannung wahr. Rechts neben uns steht in einem Glaskasten eine große Gottesmutterstatue. Die Gottesmutter der „Rosa mystica“. Eine Kerze wird vor ihr entzündet.

Als ich wenig später noch mal dorthin schaue, sehe ich einen bewaffneten Soldaten auf einem Stuhl neben der Gottesmutter und hinter uns stehen. Er muss der offenbar den Überblick behalten. Dieses Erlebnis einer Eucharistiefeier werde ich nie in meinem Leben mehr vergessen. Wir beten, singen, klatschen mit den Menschen dort und hören eine kurze, aber beeindruckende, die Menschen in ihrer speziellen Situation sehr Wert schätzende Predigt. Die Gefängnisdirektorin spricht kurz und erklärt, wer wir sind.

Wir erklären, woher wir kommen, überbringen die Grüße aus Kevelaer und das Bedauern des Weihbischofs. Dann erzähle ich mit der kleinen Statue der Gottesmutter in der Hand etwas über die Consolatrix afflictorum und es berührt die Gefangenen offenbar so sehr, dass fast schon stürmischer Applaus losgeht.

Da hat wohl der Heilige Geist gewirkt, die richtigen Worte in dieser Umgebung und in französischer Sprache zu finden. Ganz bemerkenswert war noch, dass während unseres Gottesdienstendes und danach ein muslimischer Gefangener in einer Ecke des Hofes ungestört sein Gebet auf seinem Teppich verrichtete. Die Toleranz der Religionen ist in Benin genial, auch wenn sehr viel Anderes ganz kompliziert ist und sogar eine Bezeichnung gefunden hat: Beninoiserie.

Wir fahren anschließend noch im Behinderten-Zentrum in Lokossa vorbei. Morgen kommen ca. 15 Kinder von dort zur Wallfahrt zu uns an die Gnadenkapelle.

LG von uns Fünfen, Elke

Benin Januar 2018/1

Nach guter Anreise und erster Nacht in Benin fahren wir den ersten Teil des Weges ins Projekt mit dem Boot über Ganvie.

Die Müllberge bei der Ausfahrt aus der Stadt erschrecken. Man baut dort neue Straßen und Häuser am Ufer der Lagune auf dem Müll. Ein schreckliches Fundament und Symbol für den Zustand unserer Welt. Worauf wollen wir künftig aufbauen … ?

Leben in der Pfahldorfsiedlung für ca. 25.000 Menschen. Dann – nach den historischen Hintergründen für die Entstehung von Ganvie und dem Handelstreiben und Leben auf der Lagune am frühen Morgen – geht es weiter nach Quidah, dem Ort der größten Sklaven Deportation in Westafrika.

Wir lernen von unserem Guide sehr viel über die spirituelle und mentale Kraft der Menschen vor ihrer Deportation. Sie legten alles darauf an, dass nur ihre Körper ihre Heimat verließen, ihr Geist und ihre Seele jedoch in der Heimat blieben. Unser Führer war der Meinung, dass ca. 50 Millionen Menschen als Sklaven aus Afrika deportiert wurden.

Auch über die Ankunft der ersten Missionare und Ordensschwestern in Afrika hörten wir sowie über die Aversion der Menschen bzgl. der drei „M“: Militaire, Missionares, Merchandise.

Weihbischof Rolf Lohmann ruft zur Hilfe auf und wird mit der Aktion pro Humanität im Januar wieder nach Westafrika reisen

Alle 12 Sekunden stirbt irgendwo auf der Welt ein Kind unter fünf Jahren an Unterernährung oder deren Folgen. Drei Millionen Kinder pro Jahr.

Jetzt hat der Hunger auch den Niger ereilt, wie zuvor schon einige andere Länder Afrikas.

Es wird Weihnachten – und Hunger gilt gemeinhin als das größte und lösbare Problem unserer Erde. Und doch werden in den nächsten neun bis zehn Monaten Millionen Menschen im Sahelstaat Niger hungern. Der Hunger ist nicht nur regional, sondern flächendeckend, im gesamten Land. Er geht weit über den sogenannten permanenten, chronischen Hunger, also die Unter- und Mangelernährung von zwei bis drei Millionen Menschen im Niger hinaus. Mit seiner nagenden, zerstörenden Wirkung nimmt er den Menschen jede Perspektive, macht sie völlig adynam und schwächt Körper und Seele bis zur völligen Reglosigkeit, bis zum Tod.

 

Seit 2005 ist die Stiftung Aktion pro Humanität (APH) dem afrikanischen Wüstenland in besonderer Weise über den heutigen Erzbischof Laurent Lompo verbunden.

„Hungerkinder sehen ganz „alt“ aus im wörtlichen und übertragenden Sinne“, so die Medizinerin und APH-Vorsitzende Dr. Elke Kleuren-Schryvers. „In ihren greisenhaften, traurigen Gesichtern behauptet der Tod sein Recht, die Spuren einer Zeit aufzudrücken, die nie verstrichen ist. So beschreibt es Martin Caparros in seinem Reportage-Buch „Der Hunger“ beeindruckend. Und an anderer Stelle heißt es: „Wenn ich nicht esse, ist meine Milch wertlos. Aber wenn ich esse, bleibt nichts für meine Kinder. Wenn ich also esse, um Milch zu haben, rette ich die beiden Jüngsten und überlassen die anderen sich selbst. Und wozu? Damit auch sie hungern… „, so sagt es Hussena, eine Mutter mit Zwillingen im Niger.“

Jetzt am Heiligen Abend versammeln sich um Mitternacht mehr als 1500 Christen in der Kathedrale von Niamey, der Hauptstadt des Niger, zur Christmette. Erzbischof Laurent Lompo wird die Messe zelebrieren. Sie wird zum Schutz vor islamistischen Übergriffen unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen stattfinden. Zuvor hat er am Nachmittag seine Weihnachtsbotschaft 2017 bei den Fernseh- und Radiostationen des Landes gesprochen. Eine noch schwierigere Botschaft als in den Jahren zuvor. Was sagt man den Menschen im ärmsten Land der Welt ? Wie tröstet man sie, baut sie auf, zeigt Perspektiven, warnt vor Alternativen wie der gefährlichen Flucht durch die Wüste und über das Mittelmeer?

„Ich werde unter meinen Landsleuten sein, und ich werde an die zig-Tausenden von Kindern denken, die in schlimmster Armut, völliger Anspruchslosigkeit und Ergebenheit Weihnachten in ihren Familien feiern. Familien, die in diesem Jahr nicht in Freude feiern könne, weil es einen „Mangel an Nahrung“ – so die offizielle Version – im ganzen Land gibt. Für mich als dem ersten Mann in der katholischen Kirche im Niger ist es ein tiefer Schmerz und eine große Sorge zugleich.“

Wie gern würde der Bischof, der es liebt, mit dem Moped zu den Dörfern auf dem Land hinaus zu fahren, allen Menschen schenken können, dass sie satt werden. Nachhaltig. Zukünftig. Immer. „In der Heiligen Nacht tragen wir jedes Jahr in einer feierlichen, großen Prozession einen Säugling zur Krippe in der Kathedrale und präsentieren so der Welt dieses nigrische Menschenkind – auch ein Kind unseres Schöpfers“.

Welches Leben, welche Chancen erwarten dieses Kind?  Millionen Bäuche im Niger werden auch am Heiligen Abend leer bleiben, sodass das Einschlafen in dieser Heiligen Nacht schwer fallen wird.

 

„Gemeinsam mit Caritas Niger und ersten großherzigen Spendern – wie der Stiftung der Familie Seibt von der Grav-Insel in Wesel-Flüren – werden wir in diesen Tagen vor Weihnachten noch mit allen Kräften versuchen, in die am allerschlimmsten von Hunger betroffenen Regionen Nahrungsmittel zu bringen.“

Am ersten Weihnachtstag wird Erzbischof Lompo das Gefängnis in Niamey mit über 1000 Insassen besuchen. Dort zelebriert er traditionell eine Messe, anschließend kommen Muslime und Christen unter den Gefangenen und Mitarbeitern, um Weihnachtswünsche und – grüße zu überbringen und entboten zu bekommen. Erst dann ißt man zusammen. Unterstützt wird diese Aktion von San Egidio. „Ich halte diese Tradition gerne und aus Überzeugung aufrecht, weil auch Jesus inmitten des Milieus der Armen geboren ist, um ihre Leiden zu lindern und sie alle als Kinder Gottes betrachtet hat“, sagt Laurent Lompo.

Am Abend kommen dann die obersten muslimischen Religionsvertreter an den Bischofssitz, um Ihre Weihnachtsgrüße persönlich zu übermitteln. Dieser Geste wird im Rahmen des interreligiösen Dialogs im Niger ganz besondere, wechselseitige Bedeutung zugemessen. Erzbischof Laurent Lompo, den so viele Menschen in Kevelaer und am Niederrhein von der Motorradfahrer- Wallfahrt kennen, grüßt die Menschen zu diesem Weihnachtsfest und segnet sie in großer Dankbarkeit für alle erfahrene Hilfe.

„YOUEUX NOEL!“ ruft er den Menschen hier zu. Frohe, gesegnete Weihnachten wünscht er auch seinem Bischofskollegen am Niederrhein, Rolf Lohmann. Beide sind über die Aktion pro Humanität seit vielen Jahren herzlich miteinander und für die Belange der Menschen im Niger verbunden. Noch anlässlich seiner Bischofsweihe im Juli erbat Weihbischof Lohmann Spenden für eine Grundschule auf dem Land, in Torodi im Niger. Jetzt ist erneut er es, der gemeinsam mit der Vorsitzenden der Stiftung Aktion pro Humanität, Dr. Elke Kleuren-Schryvers, am Niederrhein zur „Porte Parole“, zum Sprachrohr der hungernden Menschen im Niger wird.

„Bitte schenken wir jetzt sofort den Millionen Menschen im Niger, mit denen wir über unseren Weggefährten, Erzbischof Laurent Lompo, in besonderer Weise verbunden sind, eine Chance auf Überleben. Vor allem den Kindern und Müttern, die stets am Ende der „Ernährungskette“ stehen. Mit Papst Franziskus möchte ich uns alle, Sie, uns, mich, an die Seite der Armen und Ohnmächtigen stellen und zutiefst überzeugt seinen Gedanken teilen und verkünden, dass wir alle wieder lernen müssen, das Teilen zu unserem Lebensstil zu machen“, so Weihbischof Rolf Lohmann.

Im Januar 2018 wird er sich gemeinsam mit der Aktion pro Humanität neuerlich auf den Weg nach Westafrika machen, nach Benin und wenn es die Sicherheitslage zulässt, auch in den Niger. „Wir müssen den Menschen zeigen – auch durch unsere physische Präsenz – dass wir an ihrer Seite sind. Dass sie eben nicht vergessen sind und dass wir auch Erzbischof Laurent in seiner so schweren Aufgabe wirklich stärken und weiterhin konkret unterstützen möchten.“

Wer den Menschen im Niger helfen will, kann eine Spende auf das Konto der Aktion pro Humanität einzahlen, Stichwort: Hungerhilfe Niger.

Volksbank an der Niers, IBAN DE39 3206 1384 4330 1300 11

Infos: www.pro-humanitaet.de

Tommi Bollmann von Antenne Niederrhein erkundigt sich in Benin bei Dr. Elke Kleuren-Schryvers, wie die Stimmung im Projekt in Gohomey Ort ist.

Hören Sie mit … Bericht Antenne vom 30.11.17, morgens 07:00 Uhr am Niederrhein

TAGEBUCH 2 der November-Mission 2017 von APH

Leichter Dunst liegt über dem Projekt, die Sonne geht auf in Afrika. Unser Team erwacht langsam, Peter und ich sitzen auf der Terrasse und trinken einen ersten Kaffee, noch ganz in der Ruhe eines neuen, sicher beeindruckenden, vollen Tages. Peters Telefon-Uhr hatte einen Time-Error und hat uns eine Stunde zu früh geweckt, aber in Afrika sagt man ja „Ihr habt die Uhren, wir die Zeit“. Wir Glücklichen hatten heute früh beides!

David

Das Afrika der Extreme zeigen uns wieder die Kinder. Einer davon ist David, der kleine fünfjährige Junge in der Kinderkrippe. Er ist schwer unterernährt, eines von diesen ernsten Kindern, die nicht mehr weinen und nicht mehr lachen können. David ist aidskrank. Seine Haut platzt überall auf und er muss schnellstmöglich eine antiretrovirale Therapie bekommen, welche die zerstörerischen Aidsviren in seinem kleinen Körper dezimiert. Darum ist er mit seiner ebenfalls erkrankten Mutter in der Kinderkrippe. Wir gewinnen in nur wenigen Minuten mit Blicken und ohne Worte eine innige Beziehung, als wir die neue Kinderkrippe im ehemaligen Waisenhaus I besuchen. Die Kinder sind mit ihren Müttern/Pflegemüttern heute dorthin und gezogen.

Abends sehen wir uns wieder, als alle die Waisenkinder und die kleinen  Kinderkrippen-Patienten mit ihren Mamas singend, tanzend und klatschen zur Begrüßung unseres Teams auf die Terrasse kommen. Wie immer eine kurze Begegnung voller afrikanischer Lebensfreude, voller Temperament und Rhythmus, voller Lachen und sprudelnder Fröhlichkeit – ungeachtet der Lebensumstände, die jeden von uns sicher ziemlich „reglos“ in jeder Beziehung hätten werden lassen.
Nur David steht etwas abseits in seinem roten, afrikanischen Anzug. Er wirkt verloren, als er auf seinen dünnen Beinchen dem Treiben zuschaut. Ich gehe zu ihm, er schaut mich an mit seinen grossen Augen. Ich meine seine Zustimmung zu erspüren, dass ich mich zu ihm stellen und ihn etwas Nähe spüren lassen darf. Ich stelle mich hinter ihn und wir schauen dem Treiben zu. Er vermag nicht mehr zu tanzen, zu klatschen  zu lachen. Aber plötzlich bemerke ich, dass er sich ganz an mich anlehnt. Ich lege die Hände auf seine Schultern und stütze seinen Kopf, der ihm schwer zu werden scheint.

 

Christ König-Fest

Heute wird in der katholischen Kirche Afrikas das Christ König-Fest in  jedem winzigen Dorf, in jedem Städtchen mit grossen Prozessionen, Trommeln, frohem Gesang gefeiert. In unserer Projektkapelle zieht der Priester morgens in aller Frühe mit drei Mini-Messdienern ein, die stolz und voller Ehrerbietung das grosse Holzkreuz, das Weihrauchfass etc. tragen. Auch bei der Prozession später, die mit der Monstranz  durch das Projekt in  den Innenhof der Krankenstation bis  vor das Gnadenbild führt, sind diese drei kleinen, gesunden Jungen aufrechten Schrittes in ihren weissen Gewändern mit auf dem Weg.

 

 

Das kleine Busch-Hospital

Die Waisenkinder turnen fast schon akrobatisch auf der Wiese vor den Waisenhäusern. Im Notfallraum des Krankenhauses liegen zeitgleich mehrere Kinder mit schwerer Malaria. Das chirurgische Team kümmert sich mit dem Zahnarzt um einen total kachektischen und  geschwächten, jungen Patienten mit einem grossen, sehr schmerzhaften Mundboden-abszess unklarer Genese. Beim Endoskopie-Team ist schon Hochbetrieb.  Die wartenden Patienten sitzen schon in Reih und Glied vor dem Diagnostikraum. Im Multifunktionsraum wird die Zahnarzt-Einheit provisorisch hergerichtet. Klar wird schon in diesen ersten Stunden, dass wir mehr Platz für die Menschen und Dienste hier am Krankenhaus benötigen. Das kleine Busch-Hospital platzt im Wortsinne aus allen Nähten. Allein in diesem Monat gab es  immer schon  45 Kaiserschnittentbindungen. Der Aufwachraum, der jetzt dringend für die traumatologischen postoperativen Patienten benötigt wird,  liegt voller junger Mütter mit ihren kleinen durch Kaiserschnitt entbundenen Babys.

Die Frauen werden jetzt, am zweiten, dritten Tag nach der Sectio auf die Krankenstationen der Umgebung, in  denen gute Hebammen sind, die wir kennen, zur weiteren Beobachtung verlegt …

Tagebuch 1 der November-Mission 2017 von APH

Die Anreise des 14 köpfigen Teams in Gohomey war etwas holprig. Das lag jedoch nur partiell an den Strassenverhältnissen, denn die neue Autostrasse von Cotonou über Come und Lokossa ist wieder der direkte Weg zu uns ins Projekt und nach der Fertigstellung jetzt der absolute und wunderbare „Highway“. Zwar nicht der „Highway to heaven“ aber schon ziemlich nah dran, wenn man die strapaziösen und langwierigen Anreisen der letzten Jahre mit grossen Umwegen über nicht asphaltierte Strassen betrachtet. Eine Reifenpanne am Minibus verzögerte unsere Weiterreise etwas. Aber der Chauffeur war fit und so standen wir nicht allzu lange  in der gleissenden Sonne am Strassenrand.

Dann allerdings erwischte uns kurz vor Dogbo ein Gewitter mit so heftigen Platzregen, dass in nur  wenigen Minuten am Strassenrand reissende Bäche entstanden. Wir hatten noch kurz vorher versucht unsere Koffer-Abdeckung mit Planen auf dem Dach des Minibusses zu optimieren. Glücklich! Doch dann bogen wir ein in die  Zufahrtsstrasse zu unserer Krankenstation und wir lernten, wie sich diese Pisten mit der roten Erde in gefährlichste Rutschpartien verwandeln, wenn man kein Allradauto hat. Wer als Chauffeur diese Fahrtechnik auf dem völlig seifigen Untergrund, auf dem man sich auch zu Fuss fast nicht auf den Beinen halten kann, nicht beherrscht, riskiert gefährlich viel. Vor uns rutschte ein Bus in die Böschung und auch wir drohten mit dem Minibus umzukippen, da der Fahrer sich wegen eines entgegenkommenden schlingernden Fahrzeugs an den Strassenrand mit der Abböschung begeben musste. Mopeds und Fußgänger erschweren die Situation für die Fahrer zusätzlich. Das „Bon arrive“ kommt dann auch von allen aus vollem Herzen, als wir heil vor dem Gästehaus ankommen.

Erst am nächsten Tag kommt unser letztes Team-Mitglied, die Chirurgin Noreen Vingerhoed. Sie hat mehr als 1,5 Stunden Verspätung wegen eines Zwischenfällen in ihrem Flugzeug in Paris, welches Polizeieinsatz an Bord erforderte. Und … ihre Koffer kamen nicht mit. Doch sie ist eine sehr ruhige, umsichtige und vor allem unproblematische junge Frau und so bekommt sie von allen bei Ihrer Ankunft einige Kleidungsstücke „gespendet“ und erwartet jetzt die Ankunft Ihrer Koffer am  Montag – gemeinsam mit dem zahnärztlichen Equipment, das ebenfalls mit Verspätung eintrifft.

Einsatz Buschkrankenhaus

14 Mediziner, Krankenschwestern und Techniker haben sich auf den Weg gemacht.
Das Ziel: Benin, das Projekt der Aktion pro Humanität in Westafrika

 

Am Niederrhein. Heiß ist es jetzt in Benin. Schon am frühen Morgen rinnt den Niederrheinern der Schweiß in den Nacken – „dabei haben wir noch gar nichts getan“, seufzt der Mann für den schmerzlosen Schlaf, Anästhesist Dr. Wolfgang Paul. Nunja, gestern in Allerherrgottsfrühe haben sie sich auf den Weg gemacht: 14 Ärzte und Ärztinnen, Krankenschwestern, OP-Pfleger und Techniker vom ganzen Niederrhein. Das Ziel: das Dorf Gohomey mitten im westafrikanischen Busch, in Benin, Westafrika. Dort, wo die in Kevelaer ansässige „Aktion pro Humanität“ vor mehr als 20 Jahren eine Krankenstation baute, die inzwischen ein stolzes, großes und anerkanntes Krankenhaus geworden ist. Der  Auftrag des „Team Niederrhein“: Helfen. Ehrenamtlich.

Mehr als 50 Patienten haben die ärztlichen Kollegen in Benin für die Chirurgen vom Niederrhein ausgeguckt. Komplizierte Fälle, nicht oder schrecklich schief verheilte Knochenbrüche, Fußfehlstellungen, orthopädische Problemfälle. Dr. Johannes Kohler, viele Jahre Chefarzt am St. Josef Hospital in Xanten und inzwischen eigentlich im Ruhestand, führt das OP-Team. Dirk Henricy aus Wesel, leitender OP-Pfleger in Xanten, ist wieder dabei. Genauso wie Narkosedoktor Dr. Wolfgang Paul (St. Clemens-Hospital Geldern) und Intensivschwester Annemarie Pieper (Wesel/Xanten) – mehrfach waren sie schon in Benin und haben Tag- und Nachtschichten geschoben im Operations-Container.

Der erste Zahnarzt im Dorf

Neu in der Truppe und zum ersten Mal in Westafrika überhaupt: Dr. Noreen Vingerhofdt, Oberärztin am St. Willibrod-Spital Emmerich-Rees. „Ich bin total neugierig und freue mich auf die Erfahrung“, sagt die Unfallchirurgin. „Menschen begegnen, denen es ganz sicher nicht so gut geht wie uns und die unsere medizinische Hilfe bitternötig haben – das wird schon eine tolle Aufgabe.“

Da nicken zwei weitere „Newcomer“: Das Ärzteehepaar Klein aus Kevelaer. Sie praktische Ärztin, er Zahnarzt. Dr. Roland Klein hat vor Monaten schon zwei robuste Zahnarztstühle gestiftet, die per Container nach Benin transportiert wurden. In den nächsten Tagen wird er die in Einzelteile zerlegten Stühle zusammenbauen, hoffen, dass das zahnmedizinische Equipment, das in einem anderen Flieger von der „action medeor“ geschickt wurde, rechtzeitig im Busch ankommt, und dann wird er loslegen. Geplant ist, dass auch Patienten in den Dörfern besucht werden. „Wir freuen uns auf die Arbeit, auch wenn wir nicht wissen, was da auf uns zukommen wird“, so Dr. Angelika Klein. „Aber uns selbst geht es gut, dann können wir auch etwas abgeben, unsere Erfahrung, unsere Zeit, unseren Dienst, das ist völlig in Ordnung.“

Eine Kinderabteilung wird aufgebaut

Roland Klein wird der erste Zahndoktor sein, den die Menschen im westafrikanischen Busch zu sehen bekommen – ein Segen. Mit im Team sind  auch wieder die Fachleute für das „Innere“, Dr. Rüdiger Kerner, Internist und Chefarzt am Marienhospital Kevelaer, und Endoskopieschwester Hildegard Kleinen aus Goch. Mehr als 30 Patienten stehen auf der akuten Warteliste, die eine Magen- oder Darmspiegelung bekommen sollen – „Mal sehen, wie wir das alles schaffen“, so Dr. Kerner.  Das Team komplett machen die Piepers. Er Kinderarzt in Moers, sie Intensivschwester in Schermbeck. Im Krankenhaus der „Aktion pro Humanität“ wird dank der Einsatzbereitschaft der Familie Pieper nun eine Pädiatrie aufgebaut, eine Fachabteilung für die ganz kleinen Patienten.

Die ersten Patienten warten schon

Da gibt es viel zu tun für das Team Niederrhein. Das nicht nur seinen Urlaub opfert für die einwöchige Mission sondern sich auf ein eher unkomfortables Leben einstellen darf – manchmal gibt es fließendes Wasser, manchmal muss man sich das am Brunnen holen. Manchmal gibt es Strom, manchmal muss die Taschenlampe herhalten. Und es ist sehr heiß. Zum Glück ist der OP-Container, gespendet seinerzeit vom Klever Unternehmer Bernd Zevens, mit Notstromaggregaten und Klimaanlage ausgerüstet.

Am späten Nachmittag wird das Team in Gohomey eintreffen. Dann soll es gleich die ersten Sprechstunden geben – bloß keine Zeit verplempern. Schon seit gestern hocken Patienten vor den Untersuchungszimmern und warten. Geduldig. Dankbar.

24.11.2017, 07.00 Uhr, bei Antenne Niederrhein:

Tommi Bollman interviewt Dr. Elke Kleuren-Schryvers, die über die anstehende Reise nach Benin berichtet. Gemeinsam mit 14 Ärzten, Schwestern und Helfern geht es wieder in das Projekt nach Gohomey. Sehr spannend, was da berichtet wird: Über 30 Anmeldungen für Spezialoperationen, rund 70 Anmeldungen für Darmspiegelungen ….

Hören Sie mal mit … mit einem Dankeschön an Antenne und Tommi Bollmann !!

Schon entdeckt?

Hier können Freunde und Spender nachlesen, was die Stiftung Aktion pro Humanität 2016 in Benin und im Niger für die Menschen auf den Weg gebracht hat:

Jahresbericht für 2016