Reisetagebuch Nov. 2016 von Dr. Elke Kleuren-Schryvers

5. Bericht, November 2016

Die Reise nach Dassa fand wider Erwarten doch bei allen Interesse und so plante vor allem das Endoskopie-Team mit Rüdiger Kerner, Hildegard Dr. Kernen und Sw. KleinenKleinen und Silvia Kölbel um, um alle angemeldeten und zusätzlich auf die Liste „gerutschten“ Patienten untersuchen zu können. Es wurden fast dreißig Gastroskopien in der kurzen Zeit gemacht, so dass auch vor allem die Ordensschwester  Sidonie, welche Reinigung und Desinfektion bedienen können muss, deutlich an Sicherheit gewann unter der beständigen, professionellen und doch  so kollegialen Anleitung von Hildegard Kleinen.

Dr. Solange, unsere Ordensschwester, stiess einen Tag zum Endoskopie-Team um Dr. Rüdiger Kerner. Andrea Höltervenhoff, die jetzt als Novizin im Orden lebt, half, eine Befunddokumentation in französischer Sprache zu installieren. Der neue Computer und Drucker, gespendet von der Firma Macle in Goch, leisten tolle Dienste.

Der Kollege, welcher möglich als Supervisor für die jungen beninischen  Kollegen der Endoskopie hätte arbeiten sollen, war ein totaler Flop – im Umgang mit allen. Alle ertrugen es jedoch mit grosser Fassung. So müssen wir jetzt im Februar noch eine weitere Ausbildungsrunde mit unseren anderen beninischen ärztlichen  Kollegen im Zentrum in Gohomey starten. Technisch funktionierte alles hervorragend.

Zurück zu Dassa nun: die ganze Truppe fuhr mit Minibus und Toyota am Mittwoch, den 02.11.2016 gen Norden. Dassa ist ja der größte Marien-Dassa Vorbereitung HaengungWallfahrtsort Westafrikas und seit 2009 hängt dort auch eine Kopie des Kevelaerer Gnadenbildes. In der „herrenlosen“, sprich bischofslosen Zeit von einigen Jahren, war dieses Bild etwas glanzlos geworden und sah arg ärmlich aus. So beschlossen wir alle, das Bild und die spirituelle Partnerschaft mit Dassa jetzt gemeinsam mit dem neuen Bischof aufzufrischen.

Wallfahtsrektor Rolf Lohmann hier in Kevelaer hatte die Idee, das Bild in einen Rahmen mit rotem Hintergrund ( Samt o.ä.) zu fassen und lag damit für diesen Bildtypus sicher sehr richtig, wie man erkennen kann.
Mgr. Laurent, der Erzbischof aus dem Niger, den alle schon aus Kevelaer kennen, kommt auf direktem Weg von Cotonou nach Dassa und besucht dann dort gemeinsam mit uns seinen Freund, den neuen Bischof von Dassa, Mgr. Francois Gnonhossou. Er ist dort seit dem letzten Jahr installiert unter nicht ganz einfachen Bedingungen.

Die Freude bei der Ankunft am Nachmittag ist gross!! Alle freuen sich, Laurent wiederzusehen und umgekehrt ist das ebenso spürbar. Es gibt 05-dassa-marienbildZimmer und eine Erfrischung für alle. Charly und Peter müssen dann mit ihren Utensilien schon schnell los in die Kathedrale, wenn das Bild noch bis zum Gottesdienst um 19.00 Uhr incl. Beleuchtung hängen soll. Bevor wir an den Bischofssitz in Dassa fahren, schauen wir natürlich arg gespannt bei den beiden vorbei.

Auch dieses Bild entwickelt eine besondere Eigendynamik hinsichtlich der Stahlkraft – wie sich später noch deutlicher zeigen wird. Nach einem langen Fußweg mit Bischof Francois durch seinen Garten, seine Tier- und Fischzucht treffen wir zur Hl. Messe am Abend wieder alle zusammen.

Mgr. Francois berichtet von seinem Besuch und sehr herzlichen Empfang durch den Wallfahrtsrektor Rolf Lohmann in Kevelaer und entschuldigt sich dafür, dass alles während seiner Abwesenheit im Februar bei unserem Besuch unbefriedigend gelaufen ist. Mgr. Laurent stellt die ganze Gruppe und das Engagement von APH dar. Dann kommt es zur feierlichen Neu-Einsegnung des Bildes.

Das anschliessende gemeinsame Abendessen, zu dem der Bischof von Dassa uns alle einlud am Bischofssitz, war sehr gut und der Bischof hatte auch ganz grosses Verständnis für den Wunsch aller nach kühlem Bier!  Wir wurden wirklich sehr sorgsam betreut und auch Kost und Logis waren völlig kostenfrei für uns. Zu der Frage der gemeinsamen Friedensmesse um 8.00 Uhr morgens samstags wird in den Gremien in Dassa noch diskutiert werden müssen.

Ein Coaching von ein, zwei seiner Mitarbeiter hier in Kevelaer zum Umgang mit Pilgern war ein Wunsch von Bischof Francois. Wir versprachen, ihn vorzutragen nach der Entscheidung aus Dassa.

4. Bericht, Donnerstag 04.11.2016

Kaum jemand aus unserer Gruppe erträgt dieses fast leere Gelände, auf dem 480 Schüler/innen lernen wollen. Die Lehrer haben ihre Büros unter 04- SchulgeländeBäumen. Es gibt auf Elterinitiative ein einziges festes Gebäude, also eine Klasse. 80 Schüler gehen in eine Klasse dort. Der Staat zahlt die Lehrer, aber er baut keine weiteren Klassen. Dem jungen, engagiert wirkenden Lehrer steht die Traurigkeit ins Gesicht geschrieben.

Später am Abend auf der Terrasse erörtern wir, dass wir versuchen wollen, uns für eine weitere Klasse zu engagieren. Alle wollen helfen, Spenden zu ertrommeln. Wir werden von M. Dieudonne, unserem sozialen Projektleiter, die Kosten erfahren und können dann endgültig entscheiden, ob wir das bewerkstelligen können neben allen medizinischen Aufgaben. Doch wenn es um die Ermöglichung von Perspektiven geht, von Perspektiven für junge  Menschen in Afrika, dann müssen wir uns dafür einsetzen  Jetzt.

Am Nachmittag gingen wir gemeinsam mit unserem Gynäkologen und der Hebamme zur Aufklärung der Frauen in ein Arrondissement der Kommune Djakotomey. Ca. 80 Frauen waren bei dieser Versammlung, bei der es um gynäkologische und geburtshilfliche Aufklärung ging sowie um Familienplanung. Dr. Cyriaque und unsere Hebamme haben das hervorragend gemacht und die Frauen haben super aufmerksam zugehört.
Am Abend kam es plötzlich, binnen kurzer Zeit zur Aufnahme von drei Kleinkindern mit schwerster Blutarmut. Ein Gramm Hämoglobin statt 04-Malariakindmindestens 10. Die Atmung der Kinder ist unerträglich schwer, das Herz rast. Unsere 25 gesammelten Blutspenden der letzten Woche sind schon wieder nahezu verbraucht. Diese Leben rettende Arbeit des Akquirieren und  „Einsammeln“ von Blutspenden ist eine Sisyphos-Arbeit fuer unser Team dort in der ländlichen Region des Couffo. Zwei- bis dreimal im Monat fährt die mobile Klinik raus zu Blutspende-Aktionen. So wie jetzt, fast am Ende der Regenzeit, sind es vor allem die Kleinkinder, die mehrere Malaria Schübe hatten, die unter solch schwerer Blutarmut nach diesen rezidivierenden Infektionen leiden.

Aber wie lautete das Camus-Zitat auf Rupert Neudeck Totenbrief: “ Il faut imaginer Sisyphe hereux“. Man muss sich Sisyphos glücklich vorstellen. Das können wir am nächsten Tag sofort verstehen, nachdem alle Kinder noch eine Blutspende erhalten konnten und überlebt haben!!! Auch unser Team spendet. Am gleichen  Abend noch Heike Waldor-Schaefer und am Ende der Mission geben fast alle noch  eine „Kinderportion“ ihres Blutes für die noch folgenden kleinen Patienten. Für uns „Jovos“ ist das Blutspenden von 500 ml in dem tropischen Milieu gar nicht so einfach bzgl. unserer Kreislaufsituation. Auch trainierte Blutspender kollabieren hier schon mal bei der feuchten Hitze von fast 30 Grad und über 70 % Luftfeuchte. Trotz Coca-Cola beim Spenden … Jedenfalls: diese drei kleinen Menschenkinder haben diese existentielle Krise in ihrem so jungen Leben mit unser aller Hilfe – in Benin und in Deutschland – meistern können.
Charly, der Brudermeister der Consolatrix afflictorum, hatte an diesem Abend gemeinsam mit den Schwestern ein beninisch- deutsches Marienlob mitten in all diesem um Lebenserhaltung kämpfenden Gewusele der Krankenstation gefeiert. Der von der Goldschmiede Polders gefertigte Corpus für das Kreuz des Lebensraumes war tagsüber  von Charly und Peter aufgehängt worden.

Viele Menschen  gesellten sich zu uns bei diesem beeindruckenden Gebet und Gesang in der Dunkelheit …. in der vom Gnadenbild der Consolatrix04-Marienstatue afflictorum erleuchteten, kleinen Gnadenkapelle. Eine wirklich tröstliche, Kraft spendende Zeit. Übrigens: die Anzahl der geschriebenen Zettelchen mit den Gebetsintentionen in dem Körbchen vor dem Gnadenbild wird immer grösser. Die Schwestern tragen Sorge dafür, dass es dieses Marienlob in Gohomey jeden Abend um 21.15 Uhr gibt.

Auffallend bei dieser Reise, dass es  neben dem medizinischen, technischen, organisatorischen, finanztechnischen und geselligen Anteilen auch die spirituelle Seite sicher für die meisten Mitreisenden einen ungewöhnlich intensiven Verlauf nahm ….

Mit herzlichen Grüssen und noch einmal einem grand, grand merci an jeden einzelnen Mitreisenden in unserer Gruppe. Ich denke, wir konnten sehr viel erleben, entdecken und bewegen, jeder auf seine ihm eigene Art und Weise.


3. Bericht, 31. Oktober 2016

Heute, am Montag, haben sich alle schon richtig gut eingelebt in Gohomey. Das gemeinsame Frühstück am grossen Tisch in Gästehaus ist immer ein guter Start in den Tag. Es gibt zumeist noch etwas zu erzählen vom Vortag und die Lagebesprechung zum aktuellen Tag mit den Aufgaben für jeden folgt.

Gestern war ein langer Arbeitstag mit den Schwestern. Es ging um die Weiterentwicklung der für beide Seiten nicht so einfachen Kooperation. Am

Tam Tam bei Rigobert

Tam Tam bei Rigobert

Abend gab es dann jedoch einen besonderen break. Nach dem Gottesdienst mit Pere Nazere um 16.00 Uhr in der Projektkapelle ging es dann zum Kontrastprogramm. Zu Fuß gingen wir gemeinsam zu unserem Nachbarn, dem traditionellen Heiler M. Rigobert. Er feierte mit einem grossem Tam-Tam den Geburtstag von vier seiner Fetische.

Unserer deutschen Delegation wurde natürlich ganz besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Die Tänzerinnen und der faszinierende Trommler gaben schweissüberströmt ihr Bestes. Natürlich mussten wir den obligatorischen „Gesundheitsschnaps“ mit ca. 20 Heil-Indikationen trinken.

Der Tag heute begann mit einem so ermutigenden Lächeln für unsere medizinische Crew von der kleinen Agnes. Sie hatte gut und ohne Schmerzen geschlafen. Die ersten Infusionen mit Glucose und Aminosäuren zeigten bei dem gestern noch völlig geschwächten Menschenkind schon eine Wirkung. Sie war offenbar unter der Schmerzgrenze und begrüßte uns mit einem Lächeln. Auch die Mutter wirkte ganz froh. Nach der Wundbehandlung in kurzem medikamentös induzierten Schlaf winkte sie uns sogar zum au revoir zu, als sie wieder aufgewacht war. Den spannenden Pulsoxymeter musste Rüdiger Kerner ihr zunächst noch eine Weile überlassen.

Bei der Ernährung von Agnes jetzt beginnen wir mit Milchprodukten, die wir zum Ernährungsaufbau unserer unterernährten Kinder benutzen.

Agnes

Agnes

Die Endoskopie läuft sowohl technisch als auch in der Akzeptanz der Patienten hervorragend. Täglich werden 6-8 Patienten untersucht. Heute waren Dr. Solange und die Novizin und ehemalige Projektmitleiterin Andrea Höltervenhoff mit im Endoskopie-Team. Rüdiger Kerner und sein Team waren sehr begeistert von der Zusammenarbeit und „Dotto“ Kerner (so nennen die Adja hier einen Arzt in ihrer Stammessprache) hätte Dr. Solange, die zukünftige ärztliche Leiterin des Projektes, am liebsten gleich dort behalten und weiter ausgebildet. Doch sie muss zunächst noch bis Ende 2017 ihrer Facharztausbildung in Kinderheilkunde zu Ende absolvieren.

Jetzt gleich fahren wir zu Klaus von Briel, pro dogbo, mit seinem Ausbildungsprojekt. Am Nachmittag dürfen wir dann die gute Nachricht für ein weiteres Mühlenprojekt zu einer Frauengruppe in eines unserer Nachbardörfer tragen.

Heike Waldor-Schaefer wird für den Zonta-Club Niederrhein diese Nachricht überbringen. Wir werden dorthin mit den Mopeds fahren und dann über die Dörfer fahren, damit auch Steffi Neu, unsere Botschafterin sowie  alle anderen Benin-Erstbesucher einen Eindruck von unserer ländlichen Region im Couffo bekommen.

Auf dem Weg in dieses zukünftige Mühlendorf besuchen wir unseren kranken Wächter Honore. Er hatte am Ende des letzten Jahres einen Schlaganfall und noch im Februar kauerte er traurig und kaum bewegungsfähig auf der Erde. Jetzt stand ein Bett in seiner Hütte. Er konnte mit Hilfe seines Bruders, der jetzt mit ihm und seiner Familie lebt, das rehabilitative Training beginnen. Mit Erfolg! Honore kann schon einige Schritte über

Honore

Honore

den Hof gehen … Natürlich mit Hilfe, aber er kann sich wieder „erheben“. Das hilft auch seiner Seele enorm, denn er ist jetzt wieder ein viel fröhlicherer Mensch geworden. Grace a Dieu!!

Steffi, Markus, Hans-Gerd und Ange bewegt auf unterschiedliche Weise die Lebenssituation der Menschen hier. Alle stimmt es aber nicht hoffnungslos. Natürlich gibt es die Diskussionen über das WIE von Entwicklungshilfe, das WIE von Entwicklungschancen überhaupt.
Selbst in dem Moment gegen Abend, als wir auf unserer Runde mit den Mopeds auf dem völlig „leeren“ Gelände des College in Hagoumey stehen, entwickelt sich etwas….

2. Bericht,  Sonntag 30.10.2016

Auch heute, am Sonntag ist die Situation der jungen Frau unverändert. Sie hat sich aufgegeben, so wirkt es. Wie toll wäre es, wir hätten die Möglichkeit und vielleicht einige liebevolle Schwestern an der Seite, die solchem eher nicht mehr gewolltem „Rest-Leben“ noch eine liebevolle Wendung geben könnten? Wir müssen auch noch einmal neu nachdenken über diese Form der Perspektiven für Menschen in unserer Region. Medizinisch technologische Entwicklung und Verbesserung des medizinischen Standards im Hospital von APH ist eine wichtige und wesentliche Dimension. Allein die Zahl von vier Kaiserschnittentbindungen innerhalb der letzten 48 Stunden spricht eine beredte Sprache diesbezüglich.

HungermaedchenAgnes ist ein sieben jähriges Mädchen, welches durch eine Typhusinfektion mehrere Darmperforationen hatte. So mussten ihr in zwei Operationen ca. 60 cm Darm entfernt werden. Das Mädchen ist sehr, sehr abgemagert,  hat Schmerzen, weil ihr eine ätzende Stuhlflüssigkeit aus dem Bauch läuft und die Haut in der Umgebung des künstlichen Darmausganges, den der Operateur ihr anlegen musste, ganz wund ist. Ein Stoma-Beutel, um die Stuhlflüssigkeit aufzufangen, hält nicht und ist auch – im Vergleich zu unseren Materialien – ein sehr einfache Variante. Jetzt müssen wir dem Mädchen auf mehrfache Art zu helfen versuchen. Unsere Ärztekonferenz mit dem beninischen Gynäkologen, dem operierenden Chirurgen Pere Nazere, Rüdiger Kerner und mir hat hoffnungsvolle gemeinsam erdachte Wege aufgezeigt. Zuerst aber braucht das Mädchen Schmerzlinderung und eine hochkalorische Ernährung. Sie dürfte essen, tut das jedoch nicht aus Angst vor der brennenden Stuhlflüssigkeit, die dann kommt.

JungeDann stellt sich noch ein Junge mit einer schweren und ausgedehnten Knochenentzündung im Oberschenkel vor. Die Röntgenbilder sind bereits zu Dr. Kohler geschickt worden. Die eitrige Flüssigkeit läuft ihm an zwei Stellen aus dem Bein. Bei der Ärzte-Mission im Februar 2017 wird er sich vorstellen. Ein bakteriologischer Abstrich wurde jetzt veranlasst auf Bitte von Dr. Kohler. Der Befunde im Oberschenkel Knochen ist so ausgedehnt, dass die Überlegungen zur bestmöglichen Therapie für den Jungen sicher nicht leicht werden.

Es sind fünf medizinische Fälle von besonderer Tragweite in 48 Stunden. Doch in erster Linie sind es fünf Menschen unter vielen, die sehr leiden und eine Handlungsinitiative benötigen. Von uns.

Liebe Grüsse zur guten Nacht an Euch alle aus Gohomey, Elke

Erster Bericht,  Samstag 29.10.16

Beeindruckend  und ganz anders als erwartet war die Reise mit unserem kleinen beninischen Patienten Akouegnon zurück in seine Heimat. Er war so aufgeweckt und interessiert, alles zu sehen, zu erfragen, zu erfassen, was sich ihm darbot.

akouegnon-an-bord Am Flughafen, im Flugzeug, am Gepäckband bei der Ankunft in Cotonou. Die Wiederbegegnung mit seinem alkoholisierten Vater allerdings am Abend in Cotonou riss wohl wieder alle alten Wunden auf. Die Familie Pieper in Xanten hatte diesen kleinen 11 jährigen beninischen Jungen mit größter Liebe in unsere so ganz andere Welt und durch zwei schwere Operationen in der Universitätsklinik Essen begleitet, dass der Abschied sehr, sehr schwer fiel. Beiden Seiten. Die beninischen Familie des kleinen Jungen ist geprägt durch eine schwere emotionale Ambivalenz einer überbesorgten, ganz liebevollen Mutter und eben durch diesen alkoholkranken Vater, der sein behindertes Kind von Geburt an als Strafe Gottes empfindet.

So ist die medizinische weitere Verlaufskontrolle im Projekt fuer ihn sicher auch in mehrfacher Hinsicht ein Schutz. Er wird mit den anderen Kindern im Waisenhaus leben, die engmaschige medizinische Kontrolle bekommen, die noch erforderlich ist. Wir werden versuchen, ihn in die Schule zu integrieren. Denn bis jetzt konnte er die Schule aufgrund seines schweren, sozial ausgrenzenden Akouegnon RueckflugHandicaps einer ausserhalb des Bauches liegenden Harnblase nicht besuchen. Dabei ist er  ein wirklich liebenswerter kleiner Bursche, hat viel Humor und Charme und auch etwas von einem kleinen Filou. Mit seiner deutschen Kurzsatzsprache  wirkt er oft ganz witzig und pfiffig. Als Steffi Neu heute  mit ihrem Fuß an eine Krankentrage stiess und sich den kleinen Zeh prellte, sagte er hinter ihr nur kurz: „Zu spät!“ und musste lachen.

Die Begegnung mit vier Menschen heute am Samstag nach der Ankunft in Gohomey hat mich sehr bewegt. Ein junges Mädchen, welches sehr traurig, abgemagert und schwach in seinem Bett lag, erinnerte mich sehr an die Anfänge unserer Aidsarbeit in Gohomey, wo so viele  unserer „amis“ (Freunde) zu uns  kamen und wir anfänglich keine Hoffnung fuer sie hatten. Jetzt ist die medikamentöse Behandlung längst möglich in unserem Zentrum und sicher wird sie auch diesem Menschen eine Perspektive geben können.
Zwei mangelernährte Kleinkinder von drei und sechs Monaten, die durch den Tod ihrer Mütter in  diese lebensbedrohliche Situation geraten waren, touchierten uns alle wegen ihres schrecklich federleichten Körpers und ihrer grossen, fixierenden Augen. Wegen ihrer kraftlosen Ergebenheit. Der kleine Joschka klammerte sich an Steffi Neus Finger als klammere er sich an das Leben.
„Eine Hand voll Leben, nicht mehr“?

Und es liegt an uns allen, daraus mehr lebenswertes Leben zu realisieren. Jetzt. Es ging mir die Begegnung Jesu mit den Kindern Nur eine Handvoll?durch den Kopf. Die Menschen brachten kleine Kinder zu ihm, so heisst es im Lukas-Evangelium, damit er sie anrühren sollte … Dieses Szenario fühlen wir hier in der Kinderkrippe in Gohomey immer wieder. Die Menschen bringen uns hilflose, kranke, unterernährte Kinder. Oft wurden sie unwirsch abgewiesen, weil hier in der Gegend kaum jemand Mittel und Möglichkeiten hat, solche Kinder aufzupäppeln. Die Menschen  erwarten diesen Dienst von uns. Eben in Jesu Sinn. „Lassen die Kinder zu mir kommen und wehren es ihnen nicht. Denn solchen ist das Reich Gottes“. Kinder wie der kleine Joschka fordern das ein mit ihrem fest auf und gerichteten, reglosen Blick.

Und dann war da die junge aidskranke, völlig adyname Frau. Eher noch ein Mädchen. Schwer gezeichnet von der Erkrankung, abgemagert, zu schwach fast, um die Augenlider zu heben. Sie hat unter den speziellen Aidsmedikamenten, die vom Staat gezahlt werden, eine schwere Infektion entwickelt, die nun behandelt werden muss. Das kostet die Familie aber auch eigenes Geld und diese ganze Last, ein grosser Kostenfaktor zu sein, lastet nun auch noch auf dieser jungen Frau. Die ganzen Gedanken um die Aidshospize in Afrika und auch um ein solches Hospiz in unserem Zentrum wachen wieder auf in mir ….