Donnerstag, 19. März 2015 – Tagebuch Teil 4

Ein kleiner Junge, etwa 8 Jahre alt, steht in seinem Anzug aus buntem afrikanischem Stoff vor der verschlossenen Tür unseres OP-Containers. Seine Braunüle, der Venenzugang für die Infusion und die Narkose, liegt schon sauber verpflastert in seinem Arm. Er weint nicht, er steht einfach nur still da und wartet darauf, dass die Tür sich öffnet…

Dann kommt der Anaesthesist des Teams, Dr. Wolfgang Paul, und holt den Jungen behutsam ins Innere des Containers.

Welche Gedanken müssen Menschen umtreiben, die noch in ihren Lehmhütten mit den Wellblechdächern, ohne Licht und mit der Kochstelle vor der ärmlichen Wohnstatt leben, wenn sich diese Tür in das sterile Innenleben aus Edelstahl und grellem Licht öffnet.

Schon uns Technologie gewohnten Menschen bereitet diese Situation vor einer Operation ja schon mehr als Unbehagen.

Während die Operation läuft, werden die Maler im Röntgen-raum fertig. Der neue beninische Radiologie-Assistent ist heute früh eingetroffen und arbeitet nun mit unserem Team um Dr. Angelika Mosch gemeinsam in der Röntgen-Sprechstunde.

Die Qualität der Röntgenbilder ist schon jetzt hundert Mal besser als die der traditionellen, noch in der Dunkelkammer entwickelten Bilder, die hier noch weit verbreitet sind.

Die erste OP unter Vollnarkose

Dann geht die Tür des OP-Containers wieder auf und Dr. Johannes Kohler tritt als Erster unter großem Applaus aus dem OP. Er berichtet, dass die Operation sehr gut verlaufen ist.

Als dann Dr. Wolfgang Paul mit dem kleinen, noch schlafenden Jungen auf dem Arm aus dem Container kommt, um ihn in den Aufwachraum zu tragen, überwiegt die Ergriffenheit und viele im Team lassen auch ihren Freudentränen freien Lauf. Die Anspannung der letzten Tage weicht einem fast schon ehrfürchtigen Bewegtsein von den Geschehnissen …

Die postoperative Nachsorge des kleinen Michel übernehmen unsere Anaesthesie-Schwester Odile und die Krankenschwester Anika.

Am Nachmittag dann ist Michel schon gut ansprechbar und auf die Frage: „Ca va?“ („Geht´s?“) sagt er mir mit einem angedeuteten, tapferen Lächeln: “Ca va bien“ („Es geht gut.“).

Nachsorge mit den Eltern

Nachsorge mit den Eltern

Auch die zweite OP des Tages bei einem 12 jährigen Jungen verläuft gut und ohne Komplikationen im chirurgischen Ablauf oder in der Anaesthesie. Wieder begeisterter Applaus für‘s gesamte OP-Team. Die Eltern werden informiert und sind ebenfalls überglücklich.

Dann taufen wir alle gemeinsam unseren OP-Container auf den Namen „MOM“, welcher der Spitzname seines Spenders, Bernd Zevens ist. Das entsprechende Schild zu diesem Taufakt, der in Anlehnung an eine Schiffstaufe ablief, wird in den nächsten Tagen angebracht.

Das Gefühl tiefer Dankbarkeit und Freude über die Geschehnisse der letzten Tage zeichnen diesen Tag in besonderer Weise aus. Über ein so herausragendes menschliches Miteinander, das so voller starken Willens und engagierten Handelns ist, gemeinsam ein Ziel für andere Menschen in deutlich schlechterer Lebenssituation zu erreichen, ist eine Lebens- und für mich auch Glaubenserfahrung, die prägend ist.

Mittwoch, 18. März 2015 – Teil 3

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Jubel im Centre Medical Gohomey/Benin

In der kleinen Buschkrankenstation in Gohomey, im westafrikanischen Benin, ereignen sich Dinge, die an ein Wunder grenzen.

Nachdem am Vormittag ein erstes beninisch-deutsches Ärzteforum im Projekt der Aktion pro Humanität stattfand, nahm der weitere Tag einen fulminanten Verlauf trotz drückender Hitze.

18.03.2015

Die erste Operation am 18.03.2014

Das Team der Aktion pro Humanität jubelte heute gleich zwei Mal und es gab großen, begeisterten Applaus. Dr. Johannes Kohler operierte im OP-Container einen ersten Patienten mit einem Hauttumor – allerdings noch in Lokal-Anaesthesie. Doch es funktionierte alles. Vom Skalpell, zum Abdecktuch, zu den Tupfern, Nadelhaltern, Pinzetten, Verbandsmaterial – alles war vorhanden. Dirk Henricy hat von Xanten bis nach Gohomey in wochenlanger Vorarbeit alles perfekt auf den Weg gebracht. Der Patient kam strahlend mit seinem Kopfverband aus dem OP und bedankte sich sehr bei dem OP-Team für die völlig schmerzfreie Operation.

Morgen folgt, so Charly Moeders, Peter Tervooren und der beninische Techniker Michel, die Wasserzu- und Ableitung zum Container noch fertig stellen können, die erste Operation in Vollnarkose. Dr. Wolfgang Paul wird diese Anaesthesie leiten gemeinsam mit seiner beninischen Assistentin, Schwester Odile.

Kaum war diese erste Operation beendet, tönte der Jubel aus dem Röntgenraum, denn dort war das erste Röntgenbild entstanden. Die Radiologin Dr. Angelika Mosch, Walburga Koep, MTRA und Daniel, der Röntgen-Techniker der Herstellerfirma hatten es geschafft!

Gestochen scharf zeigte sich das Röntgenbild einer linken Frauenhand mit Ring am Ring­finger, so wie es 1895 Prof. Carl Röntgen von seiner Ehefrau erstellte. 1901 erhielt er für diese Erfindung den ersten Nobelpreis der Physik.

Das erste Röntgenbild am 18.03.2015

Das erste Röntgenbild am 18.03.2015

Dr. Gynäkologe Peter Kraus, Andrea Höltervenhoff, APH und die Hebamme Sandra Hanselka hielten heute wieder ihre gynäkologische Sprechstunde u.a. auch mit Schwangeren-Vorsorgeuntersuchungen ab.

Bereits am Morgen hatte Dr. Kraus die beninischen Gynäkologen mit seinen Vorschlägen zur Benutzung eines Spezialkatheters, welcher das Verbluten von Frauen nach der Geburt stoppen kann, überzeugen können. Auch das ist ein enormer technologischer Fortschritt in einer Region mit einer der höchsten Müttersterblichkeiten der Welt durch eben solche Geburtskomplikationen.

Viele Säuglinge und Kleinkinder in der Kinderkrippe der Aktion pro Humanität in Gohomey sind dafür überlebende Zeugen, die jetzt oft von ihren Großmüttern weiter begleitet werden.

Ein Tag, an dem es unendlich viel Dank zu sagen gilt an so viele Adressen. Ein Tag, der so viel Hoffnung bringt in eine Region unseres Nachbarkontinents, in der 700.000 Menschen von nur einem permanenten Gynäkologen und einem Chirurgen in zwei unterschiedlichen Hospitälern versorgt werden.

Dienstag, 17.03.2015 – Bericht der Rheinischen Post

Die erste chirurgische Sprechstunde vorgestern Nachmittag wollte gar kein Ende nehmen. Gemeinsam mit dem Chefarzt der Centre Medical Gohomey, Dr. Gyshlain, sah das deutsche Ärzteteam um den Chirurgen Dr. Johannes Kohler mehr als 25 Patienten.

OP Inbetriebnahme

OP Inbetriebnahme

Gestern – nach einer Radio-Ankündigung im lokalen Radio – waren es noch viel mehr Men­schen, die ins Centre Medical Gohomey kamen, weil die Jovo-Ärzte (die weißen Ärzte) da sind. Wegen der Aids-Sprechstunde gestern war schon die Vormittagssprechstunde zum Bersten voll.

Dr. Gyshlain arbeitet momentan allein im Zentrum. Ab dem 24. März jedoch erhält er wieder Verstärkung durch einen jungen beninischen Kollegen.

Auffallend war, wie sehr die Menschen der Region dankbar und froh sind, nun endlich eine Chirurgie und eine Röntgen-Möglichkeit zu haben, berichten die Ärzte.

Gestern Vormittag gab es eine Sonographie-Sprechstunde, die Dr. Angelika Mosch und Dr. Elke Kleuren-Schryvers nach Inbetriebnahme des neuen Ultraschallgerätes durch­führten.

Währenddessen gingen die Installationsarbeiten im Röntgenraum und am OP-Container mit unverminderter Dynamik voran. Dr. Wolfgang Paul, der Anästhesist, arbeitet mit Hochdruck an seinen Apparaturen für die Narkosen. Der Techniker der Röntgenfirma warteten noch auf die endgültige Fertigstellung des Röntgenraums. Die erfolgte gestern Nachmittag. Dann beginnt seine Montage in Begleitung des technischen Teams und der radiologisch-technischen Assistentin, Walburga Koep sowie Dr. Angelika Mosch. Der ehemalige Material-Container wird zum Magazin für den OP umgerüstet.

„Das Miteinander im Team ist sehr beeindruckend, jeder hilft jedem, wo er kann. Es wird schon acht Stunden hart gearbeitet unter tropischen Bedingungen, aber es wird wirklich auch viel gelacht und gescherzt“, sagte Beate Kohler, die beim Organi­sieren hilft, unterstützt, wo sie kann, und das Team bei Laune hält.

Am Abend war ein spannendes Kontrastprogramm geplant: das Team besuchte – verstärkt um einen Gynäkologen und eine Hebamme sowie eine Journalistin, die in Gohomey eintrafen – den traditionellen Heiler, Monsieur Rigobert, in der Nach­bar­schaft des Projektes. Dort trafen die Jahrhunderte alte traditionelle Medizin West­afrikas und die technisierte europäische Medizin aufeinander. Respektvoller interkultureller Dialog und das aufmerksame erste Kennenlernen der Traditionen Westafrikas, meinten die deutschen Ärzte.

Quelle: RP

Montag, 16.03.2015 – Teil 1

Nachdem ein 11-köpfiges Team aus Technikern, Ärzten und Teammitgliedern der Aktion pro Humanität seit Samstag im westafrikanischen Benin und im Projekt der Aktion pro Humanität in Gohomey angekommen ist, hat sich schon viel entwickelt.

Der Lasten-Container ist ausgeräumt incl. der mehrere hundert Kilo schweren Teile wie Generator und digitale Röntgenanlage, OP-Tisch etc. „In einem tatkräftigen Einsatz von Deutschen und Beninern konnte dies binnen eines Tages nur mit menschlicher Kraft, ohne technische Hilfsmittel, mit großer Freude und enormen Teamgeist aller bewältigt werden. Auch die Deutsch- und Französisch-Kenntnisse wurden dabei wechselseitig verbessert. Die Dankbarkeit über diese neuen Perspektiven für das Centre Medical Gohomey ist riesig bei allen Menschen hier“, so Dr. Elke Kleuren-Schryvers, Vorstand der Aktion pro Humanität.

10.20 Uhr: Es gibt weitere Fortschritte der Installation: die OP-Lampen hängen, der OP-Tisch steht aufgebaut im Operationssaal und unter lautem Jubel vernahmen alle im Team das erste Motorengeräusch des Generators. Er läuft und liefert den Strom für den Container! Das Licht brennt, jetzt werden die Klimaanlagen installiert. Dirk Henrici und Charly Moeders leisten hervorragende Arbeit trotz der großen Hitze von deutlich über 30 Grad Celsius.

Gestern gab es die erste Sprechstunde des Ärzteteams im Behinderten-Zentrum in Lokossa. Der kleine Christian wird eine Sehnenverlängerungs-OP der Achillessehnen beidseitig bekommen können. Dies hilft dem Orthopädie-Mechaniker Emile bei der weiteren Korrektur der Sichelfußfehlstellung des Vierjährigen. Ein weiterer Fall wird ein Patient mit einer Knochenentzündung im Oberschenkel nach einem offenen Beinbruch sein. Die in Benin nicht erhältlichen Antibiotika-Ketten zur Einlage in das entzündete Knochengebiet werden die drei übrigen Team-Mitglieder, die am Montagabend noch einfliegen, mitbringen können. Damit besteht die Chance, dass der Mann sein Bein nicht verlieren muss.

„Wir werden langsam mit dem OP-Programm beginnen müssen, da die gesamte Technik neu ist. Wichtig für das Team ist, dass wir mit unserem Tun Bedürfnisse der Beniner helfen, zu erfüllen. Für die konkrete operative Arbeit wird dies bedeuten, das wir die Traumatologie und operative Orthopädie fortentwickeln im Land“, so der Chef de Mission, Dr. Johannes Kohler.

Der Röntgenraum erhält gerade seinen Bleiputz, die Schiebetür zum Röntgenraum wird als beninsch-deutsche Schreiner-Koproduktion hergestellt – mit einem entsprechend erforder­lichen Blei-Inlay als Strahlenschutz. Danach kann die Installation der digitalen Röntgen-Anlage beginnen. Voraussichtlich Donnerstag, 19.03.15, – so die momentane Planung – wird die erste Operation und das erste Röntgen im Centre Medical Gohomey stattfinden können. Heute Nachmittag ab 15.00 Uhr wird das Ärzteteam die erste Sprechstunde in Gohomey abhalten, um die operativen Fälle vorzubereiten.

Mittwoch, 21. Januar 2015

Heute besuchen wir noch die schwerkranke, emeritierte Mutter Elisabeth der Kongregartion der Schwestern von Padre Pio. Wir dürfen sie in ihrem Krankenzimmer innerhalb der Klausur besuchen und wir erzählen ihr von unserer Reise. Sie liegt in ihrem Krankenbett, kann sich wenig reden, ist jedoch hellwach und bei uns. Die kleine Padre Pio-Figur von Schwester Asunta, die wir ihr zusammen mit der Geschichte mitgebracht haben, hält sie fest umklammert. Wir beten gemeinsam und gehen tief bewegt auseinander. Sie segnet unser Tun und weiß, dass der begonnene, gemeinsame Weg zielführend für die Menschen im Mono/Couffo sein wird.

Endlich erhalten wir heute die so wichtig erwartete Bill of Lading of Marburg, so dass Mme. Helene nun hier weiterarbeiten kann.  Wir benötigen nun noch dringend die Attestation de Don von der beninischen Botschaft aus Benin. Darum kann ich mich erst daheim kümmern.

Mit Laurent konnten wir heute früh telefonieren. Heute stand ein wichtiges Treffen mit den obersten Imamen an. Man bemerkt die Sorge vor dem kommenden Freitag…Die Schwestern sind nun alle am Bischofssitz in Niamey untergekommen und alle leben jetzt dort in einer von Militär bewachten Situation. Auch Bischof Ambrosius aus der Diözese Maradi steht in engem Kontakt mit Niamey. Sein Bistum hat der Terror in der Region Zinder am schwersten getroffen. Wir versichern Laurent, dass unsere Gebete sie alle weiter begleiten.

Gleich um 18.00 Uhr lädt der Deutsche Botschafter, Herr Neumann, die deutschen NGO´s zu einem kleinen Treffen im Garten seiner Residenz ein. Helene Bassalé, unsere Projektleiterin, hat unser Projekt in Gohomey und APH heute bei einer Fernsehaufzeichnung mit dem Deutschen Botschafter vertreten. Dieser wird das Land im Sommer verlassen.

Wir freuen uns sehr auf unsere Heimkehr nach Kevelaer, auch wenn uns die barschen Wintertemperaturen schon schrecken. Hier sind die 33 Grad wirklich ganz schön.  Wir hoffen, Euch alle wohlbehalten im deutschen Winter wiederzusehen!!

Dienstag, 20. Januar 2015

Der Tag begann heute mit einer sehr erbaulichen Nachricht unseres humanitären Weggefährten Lutz van Dijk aus Kapstadt/Südafrika. „Ich bin nicht Charly…“ Sie werden den Aufrauf auch hier auf der HP finden. Lutz van Dijk ist Niederländer, der seit vielen Jahren in Südafrika lebt und als Journalist, Schriftsteller und Humanitärer im Einsatz ist. Er darf den Friedensnobelpreisträger Bischof Desmond Tutu seinen Freund nennen und hat selbst mit seinen Freunden vor Ort ein beeindruckendes Projekt in einem Township nahe Kapstadt gegründet.

Für unsere Aidsprojektarbeit im westafrikanischen Busch vor ca. 10 Jahren durfte ich mir bei ihm in den Townships den Mut und die Erfahrung holen zum „es geht, wenn man es will –auch unter schwierigen Bedingungen“. Das bleibt unvergessen, diese sehr konkrete Er-Mutigung.  Gerade im Zusammenhang mit den Geschehnissen im Niger gewinnt sein „Ich bin nicht Charly…“ besondere Bedeutung und meine 100%-ige Zustimmung!

Unsere Rückfahrt in die Wirtschaftsmetropole Cotonou verlief gut. Am Nachmittag wurde es sehr spannend, denn wir sollten uns bei unserer starken Unterstützerin, Madame Diallo melden, um einen Termin zu benennen, wann wir uns treffen. Gesagt, getan.

Wir erwarten die persönliche Beraterin des Staatspräsidenten, die wir schon lange aus Bonn kennen, an der Rezeption unseres Hotels. Eine strahlende, sehr herzliche Frau Diallo hört sich unser Problem an: Die Ankunft der Container in Cotonou ist für den 19.02.2015 avisiert. Das Ärzte- und Technik-Team will am 14. März 2015 nach Benin aufbrechen. Das bedeutet: es bleiben nur drei Wochen für die gesamte Administration im Hafen, beim Zoll und dem Finanz- und Gesundheitsministerium. Wir fragen sie, ob das realistisch funktionieren kann oder ob wir den Termin für das Ärzte- und Techniker-Team besser verschieben. Sie denkt kurz nach und dann sagt sie mit einem bedeutungsvollen Schmunzeln und Augenzwinkern, dass es gehen wird.

Sie will über jeden der Schritte unterrichtet sein und alle Dossiers selbst in Kopie an der Hand haben. Dann stimmt Frau Diallo den konkreten, offiziellen Termin in Gohomey mit uns ab. Sie möchte selbst vor Ort sein. Sie deutet an, dass es durchaus denkbar ist, dass der Staatspräsident Dr. Boni Yahi das Ärzte- und Technikerteam aus Deutschland empfangen wird und bei der offiziellen Vorstellung des Containers in unserer ländlichen Region anwesend sein könnte. Sie sagt klar, dass 2016 Wahlen im Land sind und der Präsident solche Termine auch in ländlichen Regionen durchaus sucht. Aber die sucht der Deutsche Botschafter, Herr Neumann, ja auch. Er hilft uns ebenso und so kann man Pragmatismus walten lassen, denken wir.

Wir werden sehen, was wird. Wenn der Container zeitgerecht am Platz ist, wäre das eine absolute Sensation alles bisher Erlebten!

Besuch GesundheitsministerinDer anschließende Besuch bei der Gesundheitsministerin Frau Kandessounou verläuft ebenso konstruktiv (Dank an Frau Diallo … wie ich denke J). Wir danken ihr für das absolut gute Ebola-Prophylaxe-Management und das gestern von ihr offizielle erklärte Ende der Lassa-Epidemie.

Nach Besprechung der aktuellen Situation sagt sie sofort zu, dass das Gesundheitsministerium sich um die Auslösung im Hafen kümmert und auch bezahlt. Wir hätten nur noch den Transport über die Strasse zu organisieren und zu zahlen. Auch alle mit der Auslösung verbundenen administrativen Dinge würden von ihrem Ministerium übernommen. Das hätten sie während der Ebola-Krise und des Lassa-Problems auch so gemacht und so sehr konstruktiv mit den Gebern zusammenarbeiten können. Das wäre jetzt mit unserem Projekt ebenso!

Ich bin einfach nur sprachlos und sage ihr das auch so. Das haben wir in 20 Jahren in Benin selbst in besten Zeiten noch nicht erlebt. Ich bedanke mich, sie bedankt sich bei uns und allen Spendern für die Hilfe.

Dann sage ich lachend zu ihr: „Vielleicht ist das das Ende des Austausches von Höflichkeiten ohne Reaktionen und der Beginn wirklicher Entwicklungspartnerschaft auf Augenhöhe … Sie lacht und sagt, dass sie bereit seien.

Helene, Dieudonné, Peter und ich sind nun zuversichtlich, dass alles funktionieren kann. Bis zum 10. Februar gibt es eine Frist, die dann mit diesem Datum endgültig das „go“ oder „Stopp“ festlegt. Genialer Tag! Der Beginn einer neuen Zeit wirklicher Kooperation könnte man meinen. Doch wir sind noch vorsichtig.

Wir genießen den Abend auf der Terrasse des Hotel du Lac bei einer Pizza, einem Wein und einem kühlen „Pression“, dem gezapften, beninischen Bier.

Diese Reise kam zum richtigen Zeitpunkt und gemeinsam mit unserem beninischen Team konnten wir viele Wege bahnen … Es war eine Reise, die hier – wie auch schon in Kevelaer – eine besondere Aufbruchsstimmung erzeugt. Auch bei uns hier! .

Montag, 19. Januar 2015

Keine oder unschönen Nachrichten aus Niamey: Eine unserer Ordensschwestern von Padre Pio berichtet am Morgen, dass der Konvent der Ordensschwestern in Niamey niedergebrannt wurde. Die Schwestern jedoch blieben unverletzt. Bischof Laurent erreichen wir im Augenblick telefonisch nicht, weder im beninischen noch in den französischen Nachrichten hier gibt es weitergehende Informationen.

Heute gegen 14.00 Uhr war unser Diözesan-Bischof, Viktor Agbanou im Projekt. Er sich erboten, dieses Mal uns zu besuchen. Das haben wir gerne angenommen. Wir hatten einen sehr positiven Austausch miteinander und es deutete sich an, dass es eine Lösung mit dem Priester und Chirurgen Père Nazère geben könnte. Denn es kommt im August wohl ein weiterer Priester, der Allgemeinmediziner ist, in das Krankenhaus des Bischofs nach Lokossa. Er zeigte sich so offen und verständig und kooperationsbereit wie nie zuvor … The Wind of Change???

Der Besuch bei den Schwestern im Internat von Azové, wo noch 7 Mädchen leben und zur Schule gehen, war eher ernüchternd, obwohl Schwester Serena auch eine toughe italienische Ordensschwester ist. Sie ist Krankenschwester und betreibt eine kleine Krankenstation dort im Haus der Schwestern. Sie freut sich total, wenn unser OP kommt.

Gegen Abend treffen wir noch den Bauunternehmer für das Schwesternhaus. Zuvor hatten wir eine Personalversammlung mit dem gesamten Team zur Besprechung der ZahlenStolze Schwestern des letzten Jahres, die durchweg stabil waren. Ca. 730 Aidspatienten befinden sich in unserer Behandlung und Verlaufskontrolle. 820 Bluttransfusionen wurden gemacht ….

Die Neujahrswünsche in französischer Sprache für die Mitarbeiter und ihre Familien – auf die übrigens allen größten Wert legen – kommen gut an. Ebenso die Nachrichten zum OP-Container, Röntgen etc. Anschließend haben wir mit allen, die wollten, eine Friedensvesper in unserer kleinen Projektkapelle für den Niger gefeiert.

Erst am Abend gelang es uns, Erzbischof Laurent und Michel zu kontaktieren. Laurent hat ausführlich berichtet von dem unglaublich schweren Tag gestern. Mgr. Michel und er mussten alle abgebrannten Kirchen und Konvente, Häuser etc. in Niamey und der Diözese anschauen, Menschen trösten, allererste Lösungen für Notunterkünfte bei christlichen Familien für viele Schwestern und Priester finden. Heute waren sie u. a. beim Staatspräsidenten, der Moslem ist und es gab eine Begegnung und sehr symbolträchtige gemeinsame Mahlzeit in sehr respektvoller Atmosphäre. Das hat allen vielen Mut gegeben.

Der Bischofssitz in Niamey ist – ebenso wie die Kathedrale – unversehrt geblieben und wird jetzt vom Militär bewacht. Die letzte Nacht und der heutige Tag waren friedlich. Mgr. Laurent strahlte sehr viel Kraft, Zuversicht und Gottvertrauen aus. Es wirkte deutlich so, als hat er seine Führungsrolle für die nigrischen Christen wohl voll und ganz übernommen und wird dafür als Landsmann und Erzbischof auch sehr bestätigt und geliebt. Beide Bischöfe danken sehr für all unsere Gebete und das so stark fühlbare menschliche Miteinander und das tiefe Verbundensein im Glauben. Es stärkt sie sehr.

Wie glücklich sind wir hier in Gohomey heute Abend, dass wir dieses Telefonat und diesen Bericht bekommen durften und die Stimmen der uns so lieb gewordenen Menschen hören konnten, sie in einigermaßen sicheren Verhältnissen wissen im Moment.

Wir wünschen unseren Freunden im Niger den Frieden einer ruhigen Nacht.

Sonntag, 18. Januar 2015

Es gibt viele gute Nachrichten von hier aus Benin.

Doch das ist heute so unwichtig. Wir haben heute Abend mit Mgr. Laurent und Mgr. Michel in Niamey telefonieren können. Es gibt keine Worte zu beschreiben, was die Menschen, insbesondere die Christen derzeit im Niger erleben müssen. Laurent bittet um unser aller Gebet – inständig. Wir können nur hoffen, dass die obersten Imame durch ihr Verhalten, Ihre Positionierung das Aufgebrachtsein der islamischen Bevölkerung, die diesen Terror veranstaltet, beruhigen können.

Es gab eine deutlich weniger massive Situation vor einigen Jahren schon einmal, welche die Imame beruhigt haben.

Bitte seid alle an der Seite!  Wir grüßen Euch sehr traurig
Elke und Peter

Samstag, 17. Januar 2015

Der Tag begann mit unserer Arbeitssitzung mit den Schwestern von Padre Pio. Sie verlief absolut konstruktiv und im Konsens über die gemeinsamen Ziele, wenn auch die Integration von Ordensschwestern neben den weltlichen Mitarbeitern in unserem medizinischen Team nicht unkompliziert ist. Doch alle sind guten Willens, diese Intermediärphase der Kooperation bestmöglich und effektiv zu gestalten.

GrundsteinlegungWir stellen den Grundstein für den Bau des Schwesternhauses auf. Es wird viel gelacht und die Freude über den Baubeginn jetzt ist deutlich spürbar. Wir planen mit dem Bauunternehmer weiter für die OP-Container-Baustelle. Die Beton-Plattform für den zweiten Container muss verlängert werden. Wasser- und Stromzufuhr, Abwasser-Situation erfordern besondere Beachtung und Konkretisierung.

Der Röntgenraum innen sowie der Dachüberstand zur Beschattung müssen besprochen und verändert werden. Es ist so gut, dass Peter bei all diesen technischen Dingen an meiner, an unserer Seite ist! Das hilft uns allen enorm.

Die Passage von der Krankenstation zum OP-Container ist gut gelungen. Man kann trockenen Fußes und unter Dach mit einer Roll-Liege mit dem Patienten zum Röntgenraum und bis zum OP-Container bzw. Aufwachraum kommen. Der Ausbau des ehemaligen Arzthauses zum „postoperativen Zentrum“ wird im Detail – vor allem bzgl. der Türen und Zugänge zu den Krankenzimmern geklärt.

Abschließend gehen wir gemeinsam mit den Schwestern zu einem Gebet in unsere Projektkapelle. Die kurze Zeit der Ruhe in all der Betriebsamkeit wirkt sehr intensiv.

Elke und Kinder musizierenAbends legen wir noch eine Übungseinheit mit dem Chor der Waisenkinder für die Sonntagsmesse ein. Ich schaffe es, die Kinder mit dem Keybord zu begleiten bei dem Versuch, das Laudate omnes gentes und das Ave Maria von Lourdes einzustudieren. Wir haben alle Spaß dabei. Bis jetzt – es ist 22.00 Uhr hier in Gohomey – üben die Kinder mit Mama Clotaire. Sie trommeln, singen, lachen und die ganze Fröhlichkeit dieser Kinder schallt vom gegenüber liegenden Waisenhaus zu uns auf die Terrasse herüber. Ein schöner Ausklang des Tages …

Und die beste Nachricht des Tages: Der Welt-Aids-Stiftung hat unser Krankenhaus zu den vier besten Kliniken in Benin bzgl. Aids-Diagnostik, -therapie und follow-up erklärt!

Feliciatation a notre equipe sur place!!

Freitag, 16. Januar 2015

Fahrt nach GohomeyGestern sind wir eine wunderbare, neue Strecke über afrikanische Pisten ins Projekt gefahren. 3,5 Stunden rote Erde, kleine Dörfer am Wegesrand, komplett rot eingestaubte Palmen. Frauen, die ihre Lasten auf dem Kopf und ihre Babys auf dem Rücken tragen und die Kilometer weite Wege gehen … mit guter Laune und gutem Mut.

Zwei Stopps auf der Strecke dienten dazu, unsere Waisenkinder in Comé im Internat der Schwestern und der Patres zu besuchen. Vor allem unsere an Aids und Hepatitis erkrankten Kinder haben dort sehr gute Aufnahme gefunden, denn meistens werden diese Kinder nur ungern bis gar nicht an- und aufgenommen.

Alle haben ihre schulischen Leistungen sehr verbessern können, nachdem sie von Azové nach Comé gewechselt sind. Im Internat in Azové hat sich die Situation deutlich negativ verändert, seit Schwester Asunta nicht mehr dort ist und sich um die Mädchen mit ihrer über 30-jährigen Erfahrung mit Kindern und Jugendlichen in Benin kümmert.

Beim zweiten Besuch auf der Strecke wollen wir eben diese Schwester Asunta besuchen. Wir treffen sie nicht an, erfahren jedoch durch ein Bild von Padre Pio, direkt am Eingang des wunderbar ruhigen Klosters, dass Schwester Asunta aus San Giovanni Rotondo stammt – dem Ort, an dem Padre Pio lebte und sein herausragendes Krankenhaus „Casa Sollievo della Sofferenza“ (Haus zur Linderung der Leiden) gründete. Schwester Asunta hat Padre Pio persönlich gekannt und er war es, der ihre Mutter, die den Ordenseintritt der Tochter komplett ablehnte, persönlich ermutigte, diesem zuzustimmen.

Nach der Ankunft im Projekt und dem „Hallo“ mit den Waisenkindern und Mamas und Babys aus der Kinderkrippe, essen wir gemeinsam mit unserer Projektleitung vor Ort, Helene Bassalé und Dieudonné Bouba und planen kurz den Tag morgen. Dann empfangen wir noch die spät am Abend eintreffende Generaloberin der Schwestern von Padre Pio und ihre Stellvertreterin, Dr. Solange. Danach gibt es nur noch eins: ab unter die Moskito-Netze.

Donnerstag, 15. Januar 2015

Harmattan …. die Sonne am Morgen ist wie in einen terracotta farbenen Schleier getaucht, das Leuchturm Feuer an der Lagune Cotonous scheint nur schwach durch den staubigen Dunst des Wüstenwindes. Haare und Schleimhäute sind am Abend  auch etwas vollgestaubt. Die Wueste ist eben nicht so sehr weit entfernt, das Klima hingegen total angenehm.

???????????????????????????????Der Tag war es auch. Wir hatten fünf Stunden Arbeitssitzung mit Helene und Dieudonne. Entlastend, informierend, konstruktiv planend. Um 15.00 Uhr ein ganz positiv bemerkenswertes Treffen mit dem deutschen Botschafter, Herrn Neumann. Support in ideeller und finanzieller Art, auf dem kurzen Dienstweg sowie die Bereitschaft, vom Hafen bis zum Transport alles in persönlichem Engagement zu begleiten.

Weiter ging es ebenso positiv beim Stellvertreter der Gesundheitsministerin. Er hilft ebenso, alles aus ministerialer Sicht zu begleiten. Er hilft ganz konkret mit zwei Telefonaten, einen Gynäkologen (diese gibt  es weitaus mehr als Chirurgen) zu rekrutieren. Nachbesprechung der Termine und Planung für morgen.

Nun sitzen wir auf der Terrasse des Hotel du Lac und sehen das Leuchtfeuer an der nahen Küste wieder ganz klar, über die Brücke der Lagune schiebt sich die nicht abreissende Lichterkette der Autos.  Die Musik heute war mehr als international. Gerade wechseln sich italienische Tenoere mit arabischer Musik ab. Beim Fruehstück gab es Sirtaki und zwischendurch Jaques Brel. Elcondor Pasa auf der Panflöte im Aufzug. Afrika gibt sich weltgewandt. Und es ist so gut, das alles wieder sehen, spüren und erleben zu dürfen. Die musikalische Vielfalt laesst uns schmunzeln.

Doch es bleibt weit mehr von diesem Tag? Vor allem das Gefühl einer wertschätzenden Kooperation in jeder Hinsicht. Es war ermutigend heute hinsichtlich der Ankunft unserer wertvollen Fracht.

Liebe Grüsse, die laue Abendbrise trägt unsere Empfindungen sicher zu Euch nach Europa hinüber,

Elke und Peter

58. Projektreise – Tagebuch Juni 2014

_ein_ganz_normaler_Dienstag_morgen_um_9.30_UhrDienstag, 03. Juni 2014

Ein ganz normaler Vormittag, morgens um 9 Uhr, in der Krankenstation in Gohomey. Das „Sprechzimmer“ füllt sich, die Patienten wartengeduldig. Die Krankenstation ist gut gefüllt – es ist Regenzeit in Benin.

Dann steigen auch immer die Krankheitsfälle an: Malaria, grippale Infekte, schwere Bronchitis, Lungenentzündungen … „Wir kommen mit den Blutkonserven kaum noch nach“, so Dr. Elke Kleuren-Schryvers. Gestern hat das APH-Team eine Blutspendeaktionim benachbarten Dogbo betreut.

Es gibt auch erfreuliche Nachrichten: Es werden wieder mehr Kinder in der Krankenstation geboren!

_Ankunft_in_GohomeyMontag, 02. Juni 2014

Dr. Elke Kleuren-Schryvers und ihr Mann Peter Tervooren sind nach gut 16-stündiger Anreise in der Nacht im Hotel in Benin angekommen und erstmal todmüde in die Betten gefallen. Am nächsten Morgen gab es  um 9 Uhr bereits die erste Dienstbesprechungauf der Terrasse des Hotels – noch in Cotonou.

Die Reise begann mit einer traurigen Nachricht: Nestor, einlangjähriger Wegbegleiter der Aktion pro Humanität in Benin und Mitstreiter vonder ersten Stunde an in Gohomey, ist nach langer und schwerer Krankheit gestorben. Dr. Kleuren-Schryvers und Peter Tervooren konnten ihn im Krankenhaus noch besuchen und all die vielen Grüße vom gesamtem APH-Team in Deutschland übermitteln.

Nach mehreren Autostunden haben die APH-ler dann Gohomey erreicht. Aufgeregt hatten sich die Waisenhauskinder schon in Reih und Glied zur Begrüßung aufgestellt. Der Empfang war ein bisschen stiller und leiser als sonst – alle im Projekt sind traurig, dass Nestor nicht mehr wiederkommt.