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Hans-Hermann Pieper schreibt uns zu seinem „Lieblingsprojekt“:

 

Liebe Freunde und Spender meiner AllYouCanRow Sponsorenfahrt in 2017

Dr. Pieper

Mit einem aktuellen Stand möchte ich mich heute zu den Maßnahmen in Gohomey in Benin melden. Es ist ein kleines Wunder, was durch Eure Spenden in dem kleinen Krankenhaus entstanden ist.

Die Umbauarbeiten der Kinderklinik sind inzwischen fast abgeschlossen. Aus der ehemaligen Kinderkrippe, die im letzten Herbst schon in ein anderes Gebäude ziehen konnte, wurde nach unserer Planung eine kleine Station mit drei stationären Zimmern zur Aufnahme der kleinen Patienten, zwei Funktionsräume und ein ambulanter Behandlungsraum gebaut.

Sowohl der Wartebereich für ambulante Patienten mit Familie wurde erweitert und neu überdacht, als auch der Aufenthaltsbereich für die Begleitpersonen der Kinder. Zur Trennung der Neugeborenen von der allgemeinen Behandlung ist ein abschließendes Gitter eingefügt worden. Um den Charakter einer Kinderklinik zu betonen, legten wir Wert auf eine farbenfrohe Umgebung.

Zuletzt sind auch Kunstmaler aus dem lokalen Umfeld engagiert worden und haben mit viel Engagement und Freude die Wände der Zimmer und Flure mit ihren freundlichen Bildern bereichert. Jetzt wartet die Station auf unseren Container-Transport mit medizinischem Gerät. Im Juni werden über dreißig Erwachsenenbetten, gut ein Dutzend
Babybettchen, zwei Inkubatoren, zwei Wärmelampen und weiteres medizintechnisches Gerät vom Niederrhein in Richtung Afrika starten.

Allen Spendern – sowohl in Form der Geldspenden, die Umbau und Transport möglich machen, als auch den Krankenhäusern, die Betten und Medizintechnik abgegeben haben – sei mein und unser herzlichster Dank gesagt.

Die Bilder sollen allen Spendern die Ernsthaftigkeit und die Fortschritte der Bemühungen der Aktion pro Humanität (APH) vorzeigen und werden bald mit weiterem Leben gefüllt werden können. Weitere Informationen und Bilder von der offiziellen Eröffnung im Herbst werde ich wieder versenden.
Mit dankbaren Grüßen aus Xanten, Hans-Hermann Pieper

PS: Nach AYCR ist vor AYCR!
Auch in 2018, wieder am längsten Samstag im Jahr, dem 23.6.18, findet diese Regatta statt. Ich werde wieder mit einem Boot der Ruder- und Tennis-Gesellschaft Wesel antreten. Weitere Infos folgen! 😉

Aktion pro Humanität :
Hilferufe aus Syrien und dem Niger –  Den Menschen in Not an der Seite sein – in Syrien und im Niger.

Unsere Welt-Un-Ordnung wirft ihre Schatten bis zu uns an den Niederrhein, bis nach Kevelaer. Von hier arbeitet die Stiftung Aktion pro Humanität seit mehr als 20 Jahren und versucht gemeinsam mit den Menschen am Niederrhein Bote und Realisierer von Trost und Perspektive in der Welt zu sein.

Die Menschen an vielen Orten dieser Welt wissen das inzwischen. So kommt es immer wieder zu ganz konkreten Hilferufen nach Kevelaer. In diesen Tagen kommen sie aus Syrien und dem Niger.

Erzbischof Laurent Lompo, Niamey, Niger

Erzbischof Laurent Lompo aus dem Niger bittet aus ganz anderen Gründen um Hilfe. Der Sahelstaat mit einer 20 Millionen Bevölkerung hungert. Er bittet dringend um Hilfestellung für die Spezialzentren, die sich um unterernährte Kinder und Mütter kümmern. Die internationale Hilfe wegen der Hungersituation einiger Millionen Menschen ist zwar erbeten und angefordert, aber noch nicht angelaufen. Aktion pro Humanität hat im Dezember schon mit einer ersten großen Spendenaktion helfen können. Der Hunger wird noch mindestens bis zur nächsten Ernte im November dauern. Und man sagt, dass der Hunger der ersten 1000 Lebenstage eines Kindes lebenslängliche Folgen zeigt.

„Bei unserem Besuch im Niger im Januar diesen Jahres haben wir drei dieser Zentren gesehen, die zu den Sprechstunden mit den Untersuchungen der Kinder, mit Wiegen und Messen, mit der Verteilung der Nahrungsmittel alle Hände voll zu tun hatten. Und ab März erwartete man dort eine deutliche Verschlechterung der Situation. Man schätzte, das es zwei- bis dreimal so viele bedürftige Kinder und Mütter geben werde. März ist es nun geworden.

Am Sonntag, den 11. März 2018 gab es in Niamey eine große Fasten-Wallfahrt, die von morgens um 8.00 Uhr bis abends um 18.00 Uhr dauerte. 3500 Christen kamen an den Bischofssitz und in die Kathedrale, beteten und sangen. Ihre Intention war u.a. auch die Bitte um Linderung ihrer eigenen Hungersituation im Land. Es gab keine Störungen oder Übergriffe. Allerdings war die Veranstaltung durch Militärpräsenz geschützt.

Wie bereits schon einige Male zuvor wird die Stiftung der Familie Seibt aus Wesel-Flüren/Grav-Insel diese Nothilfe-Aktion der Stiftung Aktion pro Humanität in der Fastenzeit mit konkretem Handeln begleiten. 12.500 Euro werden von Frank Seibt für die Nothilfe (Nahrungsmittel, Medikamente, Verbandsmaterialien, Baustoffe) zugunsten der leidenden Menschen in Damaskus bereitgestellt. Weitere 12.500 Euro sind für die Hungerhilfe im Niger bestimmt, wo die Stiftung der Familie Seibt bereits im Dezember sehr, sehr großherzig interveniert hatte. Im Niger werden damit aktuell drei Feeding-Center zur Behandlung von unterernährten Kindern und Müttern unterstützt.

Starke Zeichen der Hoffnung für die Menschen in so großer Not und ein großes Startkapital für diese Hilfsaktion vom Niederrhein in der Fastenzeit 2018!

Sie können sich an die Seite dieser Menschen in Not stellen.

Spendenkonto der
Stiftung Aktion pro Humanität
Volksbank an der Niers IBAN DE39 32061384 43301300 11

Stichwort  Niger

Aktion pro Humanität :
Hilferufe aus Syrien und dem Niger –  Den Menschen in Not an der Seite sein – in Syrien und im Niger.

Unsere Welt-Un-Ordnung wirft ihre Schatten bis zu uns an den Niederrhein, bis nach Kevelaer. Von hier arbeitet die Stiftung Aktion pro Humanität seit mehr als 20 Jahren und versucht gemeinsam mit den Menschen am Niederrhein Bote und Realisierer von Trost und Perspektive in der Welt zu sein.

Die Menschen an vielen Orten dieser Welt wissen das inzwischen. So kommt es immer wieder zu ganz konkreten Hilferufen nach Kevelaer. In diesen Tagen kommen sie aus Syrien und dem Niger.

 

Pater Bahjat Elia Karach, Damaskus

So bescheiden und unspektakulär klingt ein Hilferuf aus Bombenhagel, Tod, Hunger, Ausgeliefertsein …,“ so Dr. Elke Kleuren-Schryvers nachdenklich. Am Montag, 12. März 2018, schreibt Ayham Khouly, der Projekt-Koordinator von ATS (assoziatione pro terra sancta), der franziskanischen Hilfsorganisation in Damaskus:

„Liebe Dr. Elke,

die Situation hier in Damaskus ist immer noch sehr schlecht. Hunderte von Granaten und Raketen haben die Wohngebiete getroffen – tagtäglich. Sie kommen von Algouta, welches sehr nahe an Damaskus liegt. ….

So viele Menschen sterben und werden verletzt. Vor allem Kinder. Die Altstadt von Damaskus bekommt das größte Bombardement ab zusätzlich zu einigen anderen Vierteln wie Jaramana, Dowelaa und Alkasaa.

Als Beispiel: An einem Tag im vergangenen Februar haben mehr als 50 Mörsergranaten Damaskus getroffen. Am 08. Februar wurden 20 Menschen getötet und mehr als 141 verletzt, weil es mehr als 70 Granaten gab an diesem Tag. Eine Menge von Schulen haben entschieden, zu schließen zum Schutz der Kinderleben. Als sich gerade in der vergangenen Woche wieder einige Schulen entschlossen hatten zu öffnen, wurden drei Schulen in der Altstadt von Damaskus von fünf Granaten getroffen.

Die Menschen bemühen sich, gegen den Tod anzukämpfen, aber keiner weiß mehr, wie die Zukunft sein wird. Nach der Entscheidung des UN-Sicherheitsrates letzte Woche hofften die Menschen hier, dass die Situation besser würde. Doch leider fallen die Bomben unvermindert weiter.

In der letzten Woche haben (Anm: trotz der beschlossenen Feuerpause) in nur zwei Tagen mehr als 100 Granaten die Stadt getroffen. Überall ist Blut auf den Strassen, immer nur wenige Meter bis zu den Einschlagskratern von Bomben und Granaten. Die Situation hier ist sehr kompliziert. In unserer Kirche in Bab Touma und Latin Hilfscenter wir kämpfen darum, um die Hilfsmittel (Nahrung und Medikamente, Verbandsmaterial) an die Menschen zu verteilen, die es nötig brauchen. Und wir beten weiter, immer weiter für den Frieden in Syrien.

Danke für Eurer Hilfsangebot!  Ich füge Fotos an.

Beste Grüße Ayham Khouly
Project Coordinator -ATS Damaskus office“

Sie können sich an die Seite dieser Menschen in Not stellen.

Spendenkonto der Stiftung Aktion pro Humanität
Volksbank an der Niers IBAN DE39 32061384 43301300 11

Stichwort Damaskus 

Aleppo

Tagebuch Januar 2018 / 6 Teil 2

Der Staat bezahlt die über 20 Mitarbeiter seit 7 Monaten nicht mehr. Aufgrund der kostenlosen Behandlungen für die Menschen – immerhin eine große Erleichterung – werden jedoch auch so gut wie keine Reparaturen durchgeführt. Man zeigt uns die defekte Saugglocke, die nicht mehr benutzt werden kann und das nicht mehr funktionsfähige Absauggerät.

Für die unterernährten Kinder, die morgens zur Station kommen, gibt’s eine Diagnose … aber keine Nahrung, wenn die Mütter sie nicht kaufen können. Das erschüttert uns, macht uns wütend … Es war sauber dort, wo wir gemeinsam mit der Mission Catholique und Caritas Niger vor einigen Jahren versucht haben, alte Bausubstanz so gut wie möglich zu reaktivieren und das kleine Gebäude für wenige Betten zur Hospitalisation neu erstellt haben. Aber alles wirkt so mutlos, so leer.

Allerdings ist es wirklich so im Sahel, dass die Menschen den oft 10 Kilometer langen Fußweg noch in der Nacht antreten, um frühmorgens dort zu sein. Noch weit vor der Mittagshitze wollen sie wieder zurücklaufen. So ist es oft mittags schon leer in diesen Dispensaires. Dennoch wird auch die Kirche künftig solche Kooperationen nicht mehr machen. Aber Makalondi ist momentan die einzige Krankenstation im Umkreis von mehr als 50 Kilometern für mindestens 50.000 Menschen von Grenze nach Burkina Faso bis zur Prefecture-Stadt Torodi.

Wir sehen eine sehr junge Mutter mit ihrem Baby dort in der Maternite, die vor wenigen Stunden entbunden hat. Gegen Abend geht sie heim, zu Fuß. Wir kapieren, so wütend wir auch sind, dass wir die Saugglocke, das Absauggerät ersetzen sollten. Um der Menschen willen. Denn der Staat wird es nicht tun, weil er angeblich alle Finanzressourcen in die Sicherheit stecken muss.

Und die Menschen leiden und sterben unnötig. Vor allem Frauen und Kinder.

Ich muss noch weiter schreiben von diesen Eindrücken an diesem unglaublichen Tag: Um die Mittagessenszeit sahen wir unsere Buamtandi-Frauen wieder. Es waren noch viel, viel mehr Frauen geworden. Musliminnen, Christinnen, alle in ihren Festtagsgewändern. Wir schätzen, dass es jetzt ca. 500 Frauen waren! Sie bedankten sich, wollten Hände schütteln, tanzen. Eine unglaubliche Lebensfreude inmitten tiefster Armut. Unvergesslich dieses Bild unter dem großen Baobab-Baum!

Auch unser Erzbischof Laurentius hat scheinbar an diesem Tag viele Erinnerungen. Er berichtet uns im Auto von seinem 9 Kilometer langen Schulweg von Kolbou nach Makalondi. Morgens hin, abends zurück. Zwei Jahre lang. Bis seine Freunde aus Bamberg, die damals als Entwicklungshelfer in seiner Region waren, andere Lösungen für ihn fanden, weil sie ihn fördern wollten.

Er träumte als Kind davon, einmal ein Päckchen der kleinen Zuckerklümpchen und eine Tüte Datteln ganz für sich allein haben zu dürfen. Dann, so meinte er damals, hätte er es geschafft und müsste Gott sehr danken für sein Leben. Er muss selbst noch sehr lachen, als er uns das erzählt.

 

Dann fahren wir weiter nach Torodi, wo eine ländliche Grundschule dringend für das nächste Jahr zunächst eine weitere Klasse benötigt. Bautechnisch besser wäre ein zweiter Gebäudeblock gegenüber dem ersten mit drei Klassen.

Bischof Laurent besucht mit uns alle drei schon existierenden Klassen und checked ab, wie das Bildungsniveau der Kinder von der ersten bis dritten Klasse ist. Diese Grundschule könnte mit den Spendenmitteln von der Bischofsweihe, unserer APH-Beteiligung sowie einiger weiterer Baustein­spenden realisiert werden. Die Kids, überwiegend muslimische Mädchen und Jungen, die von Ordensschwestern und muslimischen Praktikantinnen ausgestattet werden, sind hellwach und ganz agil!

 

Am späteren Nachmittag kommen wir „nach Hause“ – so empfinden wir es alle und trinken erst einmal ein „Nobeltje“ auf die gute Rückkehr. Froh und dankbar, dass alles ohne Zwischenfälle funktioniert hat. Voll von unglaublichen Eindrücken, die mich auch jetzt beim Schreiben noch mit voller Kraft wieder einholen …

Weihbischof Rolf Lohmann ruft zur Hilfe auf und wird mit der Aktion pro Humanität im Januar wieder nach Westafrika reisen

Alle 12 Sekunden stirbt irgendwo auf der Welt ein Kind unter fünf Jahren an Unterernährung oder deren Folgen. Drei Millionen Kinder pro Jahr.

Jetzt hat der Hunger auch den Niger ereilt, wie zuvor schon einige andere Länder Afrikas.

Es wird Weihnachten – und Hunger gilt gemeinhin als das größte und lösbare Problem unserer Erde. Und doch werden in den nächsten neun bis zehn Monaten Millionen Menschen im Sahelstaat Niger hungern. Der Hunger ist nicht nur regional, sondern flächendeckend, im gesamten Land. Er geht weit über den sogenannten permanenten, chronischen Hunger, also die Unter- und Mangelernährung von zwei bis drei Millionen Menschen im Niger hinaus. Mit seiner nagenden, zerstörenden Wirkung nimmt er den Menschen jede Perspektive, macht sie völlig adynam und schwächt Körper und Seele bis zur völligen Reglosigkeit, bis zum Tod.

 

Seit 2005 ist die Stiftung Aktion pro Humanität (APH) dem afrikanischen Wüstenland in besonderer Weise über den heutigen Erzbischof Laurent Lompo verbunden.

„Hungerkinder sehen ganz „alt“ aus im wörtlichen und übertragenden Sinne“, so die Medizinerin und APH-Vorsitzende Dr. Elke Kleuren-Schryvers. „In ihren greisenhaften, traurigen Gesichtern behauptet der Tod sein Recht, die Spuren einer Zeit aufzudrücken, die nie verstrichen ist. So beschreibt es Martin Caparros in seinem Reportage-Buch „Der Hunger“ beeindruckend. Und an anderer Stelle heißt es: „Wenn ich nicht esse, ist meine Milch wertlos. Aber wenn ich esse, bleibt nichts für meine Kinder. Wenn ich also esse, um Milch zu haben, rette ich die beiden Jüngsten und überlassen die anderen sich selbst. Und wozu? Damit auch sie hungern… „, so sagt es Hussena, eine Mutter mit Zwillingen im Niger.“

Jetzt am Heiligen Abend versammeln sich um Mitternacht mehr als 1500 Christen in der Kathedrale von Niamey, der Hauptstadt des Niger, zur Christmette. Erzbischof Laurent Lompo wird die Messe zelebrieren. Sie wird zum Schutz vor islamistischen Übergriffen unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen stattfinden. Zuvor hat er am Nachmittag seine Weihnachtsbotschaft 2017 bei den Fernseh- und Radiostationen des Landes gesprochen. Eine noch schwierigere Botschaft als in den Jahren zuvor. Was sagt man den Menschen im ärmsten Land der Welt ? Wie tröstet man sie, baut sie auf, zeigt Perspektiven, warnt vor Alternativen wie der gefährlichen Flucht durch die Wüste und über das Mittelmeer?

„Ich werde unter meinen Landsleuten sein, und ich werde an die zig-Tausenden von Kindern denken, die in schlimmster Armut, völliger Anspruchslosigkeit und Ergebenheit Weihnachten in ihren Familien feiern. Familien, die in diesem Jahr nicht in Freude feiern könne, weil es einen „Mangel an Nahrung“ – so die offizielle Version – im ganzen Land gibt. Für mich als dem ersten Mann in der katholischen Kirche im Niger ist es ein tiefer Schmerz und eine große Sorge zugleich.“

Wie gern würde der Bischof, der es liebt, mit dem Moped zu den Dörfern auf dem Land hinaus zu fahren, allen Menschen schenken können, dass sie satt werden. Nachhaltig. Zukünftig. Immer. „In der Heiligen Nacht tragen wir jedes Jahr in einer feierlichen, großen Prozession einen Säugling zur Krippe in der Kathedrale und präsentieren so der Welt dieses nigrische Menschenkind – auch ein Kind unseres Schöpfers“.

Welches Leben, welche Chancen erwarten dieses Kind?  Millionen Bäuche im Niger werden auch am Heiligen Abend leer bleiben, sodass das Einschlafen in dieser Heiligen Nacht schwer fallen wird.

 

„Gemeinsam mit Caritas Niger und ersten großherzigen Spendern – wie der Stiftung der Familie Seibt von der Grav-Insel in Wesel-Flüren – werden wir in diesen Tagen vor Weihnachten noch mit allen Kräften versuchen, in die am allerschlimmsten von Hunger betroffenen Regionen Nahrungsmittel zu bringen.“

Am ersten Weihnachtstag wird Erzbischof Lompo das Gefängnis in Niamey mit über 1000 Insassen besuchen. Dort zelebriert er traditionell eine Messe, anschließend kommen Muslime und Christen unter den Gefangenen und Mitarbeitern, um Weihnachtswünsche und – grüße zu überbringen und entboten zu bekommen. Erst dann ißt man zusammen. Unterstützt wird diese Aktion von San Egidio. „Ich halte diese Tradition gerne und aus Überzeugung aufrecht, weil auch Jesus inmitten des Milieus der Armen geboren ist, um ihre Leiden zu lindern und sie alle als Kinder Gottes betrachtet hat“, sagt Laurent Lompo.

Am Abend kommen dann die obersten muslimischen Religionsvertreter an den Bischofssitz, um Ihre Weihnachtsgrüße persönlich zu übermitteln. Dieser Geste wird im Rahmen des interreligiösen Dialogs im Niger ganz besondere, wechselseitige Bedeutung zugemessen. Erzbischof Laurent Lompo, den so viele Menschen in Kevelaer und am Niederrhein von der Motorradfahrer- Wallfahrt kennen, grüßt die Menschen zu diesem Weihnachtsfest und segnet sie in großer Dankbarkeit für alle erfahrene Hilfe.

„YOUEUX NOEL!“ ruft er den Menschen hier zu. Frohe, gesegnete Weihnachten wünscht er auch seinem Bischofskollegen am Niederrhein, Rolf Lohmann. Beide sind über die Aktion pro Humanität seit vielen Jahren herzlich miteinander und für die Belange der Menschen im Niger verbunden. Noch anlässlich seiner Bischofsweihe im Juli erbat Weihbischof Lohmann Spenden für eine Grundschule auf dem Land, in Torodi im Niger. Jetzt ist erneut er es, der gemeinsam mit der Vorsitzenden der Stiftung Aktion pro Humanität, Dr. Elke Kleuren-Schryvers, am Niederrhein zur „Porte Parole“, zum Sprachrohr der hungernden Menschen im Niger wird.

„Bitte schenken wir jetzt sofort den Millionen Menschen im Niger, mit denen wir über unseren Weggefährten, Erzbischof Laurent Lompo, in besonderer Weise verbunden sind, eine Chance auf Überleben. Vor allem den Kindern und Müttern, die stets am Ende der „Ernährungskette“ stehen. Mit Papst Franziskus möchte ich uns alle, Sie, uns, mich, an die Seite der Armen und Ohnmächtigen stellen und zutiefst überzeugt seinen Gedanken teilen und verkünden, dass wir alle wieder lernen müssen, das Teilen zu unserem Lebensstil zu machen“, so Weihbischof Rolf Lohmann.

Im Januar 2018 wird er sich gemeinsam mit der Aktion pro Humanität neuerlich auf den Weg nach Westafrika machen, nach Benin und wenn es die Sicherheitslage zulässt, auch in den Niger. „Wir müssen den Menschen zeigen – auch durch unsere physische Präsenz – dass wir an ihrer Seite sind. Dass sie eben nicht vergessen sind und dass wir auch Erzbischof Laurent in seiner so schweren Aufgabe wirklich stärken und weiterhin konkret unterstützen möchten.“

Wer den Menschen im Niger helfen will, kann eine Spende auf das Konto der Aktion pro Humanität einzahlen, Stichwort: Hungerhilfe Niger.

Volksbank an der Niers, IBAN DE39 3206 1384 4330 1300 11

Infos: www.pro-humanitaet.de

Tagebuch 1 der November-Mission 2017 von APH

Die Anreise des 14 köpfigen Teams in Gohomey war etwas holprig. Das lag jedoch nur partiell an den Strassenverhältnissen, denn die neue Autostrasse von Cotonou über Come und Lokossa ist wieder der direkte Weg zu uns ins Projekt und nach der Fertigstellung jetzt der absolute und wunderbare „Highway“. Zwar nicht der „Highway to heaven“ aber schon ziemlich nah dran, wenn man die strapaziösen und langwierigen Anreisen der letzten Jahre mit grossen Umwegen über nicht asphaltierte Strassen betrachtet. Eine Reifenpanne am Minibus verzögerte unsere Weiterreise etwas. Aber der Chauffeur war fit und so standen wir nicht allzu lange  in der gleissenden Sonne am Strassenrand.

Dann allerdings erwischte uns kurz vor Dogbo ein Gewitter mit so heftigen Platzregen, dass in nur  wenigen Minuten am Strassenrand reissende Bäche entstanden. Wir hatten noch kurz vorher versucht unsere Koffer-Abdeckung mit Planen auf dem Dach des Minibusses zu optimieren. Glücklich! Doch dann bogen wir ein in die  Zufahrtsstrasse zu unserer Krankenstation und wir lernten, wie sich diese Pisten mit der roten Erde in gefährlichste Rutschpartien verwandeln, wenn man kein Allradauto hat. Wer als Chauffeur diese Fahrtechnik auf dem völlig seifigen Untergrund, auf dem man sich auch zu Fuss fast nicht auf den Beinen halten kann, nicht beherrscht, riskiert gefährlich viel. Vor uns rutschte ein Bus in die Böschung und auch wir drohten mit dem Minibus umzukippen, da der Fahrer sich wegen eines entgegenkommenden schlingernden Fahrzeugs an den Strassenrand mit der Abböschung begeben musste. Mopeds und Fußgänger erschweren die Situation für die Fahrer zusätzlich. Das „Bon arrive“ kommt dann auch von allen aus vollem Herzen, als wir heil vor dem Gästehaus ankommen.

Erst am nächsten Tag kommt unser letztes Team-Mitglied, die Chirurgin Noreen Vingerhoed. Sie hat mehr als 1,5 Stunden Verspätung wegen eines Zwischenfällen in ihrem Flugzeug in Paris, welches Polizeieinsatz an Bord erforderte. Und … ihre Koffer kamen nicht mit. Doch sie ist eine sehr ruhige, umsichtige und vor allem unproblematische junge Frau und so bekommt sie von allen bei Ihrer Ankunft einige Kleidungsstücke „gespendet“ und erwartet jetzt die Ankunft Ihrer Koffer am  Montag – gemeinsam mit dem zahnärztlichen Equipment, das ebenfalls mit Verspätung eintrifft.

Einsatz Buschkrankenhaus

14 Mediziner, Krankenschwestern und Techniker haben sich auf den Weg gemacht.
Das Ziel: Benin, das Projekt der Aktion pro Humanität in Westafrika

 

Am Niederrhein. Heiß ist es jetzt in Benin. Schon am frühen Morgen rinnt den Niederrheinern der Schweiß in den Nacken – „dabei haben wir noch gar nichts getan“, seufzt der Mann für den schmerzlosen Schlaf, Anästhesist Dr. Wolfgang Paul. Nunja, gestern in Allerherrgottsfrühe haben sie sich auf den Weg gemacht: 14 Ärzte und Ärztinnen, Krankenschwestern, OP-Pfleger und Techniker vom ganzen Niederrhein. Das Ziel: das Dorf Gohomey mitten im westafrikanischen Busch, in Benin, Westafrika. Dort, wo die in Kevelaer ansässige „Aktion pro Humanität“ vor mehr als 20 Jahren eine Krankenstation baute, die inzwischen ein stolzes, großes und anerkanntes Krankenhaus geworden ist. Der  Auftrag des „Team Niederrhein“: Helfen. Ehrenamtlich.

Mehr als 50 Patienten haben die ärztlichen Kollegen in Benin für die Chirurgen vom Niederrhein ausgeguckt. Komplizierte Fälle, nicht oder schrecklich schief verheilte Knochenbrüche, Fußfehlstellungen, orthopädische Problemfälle. Dr. Johannes Kohler, viele Jahre Chefarzt am St. Josef Hospital in Xanten und inzwischen eigentlich im Ruhestand, führt das OP-Team. Dirk Henricy aus Wesel, leitender OP-Pfleger in Xanten, ist wieder dabei. Genauso wie Narkosedoktor Dr. Wolfgang Paul (St. Clemens-Hospital Geldern) und Intensivschwester Annemarie Pieper (Wesel/Xanten) – mehrfach waren sie schon in Benin und haben Tag- und Nachtschichten geschoben im Operations-Container.

Der erste Zahnarzt im Dorf

Neu in der Truppe und zum ersten Mal in Westafrika überhaupt: Dr. Noreen Vingerhofdt, Oberärztin am St. Willibrod-Spital Emmerich-Rees. „Ich bin total neugierig und freue mich auf die Erfahrung“, sagt die Unfallchirurgin. „Menschen begegnen, denen es ganz sicher nicht so gut geht wie uns und die unsere medizinische Hilfe bitternötig haben – das wird schon eine tolle Aufgabe.“

Da nicken zwei weitere „Newcomer“: Das Ärzteehepaar Klein aus Kevelaer. Sie praktische Ärztin, er Zahnarzt. Dr. Roland Klein hat vor Monaten schon zwei robuste Zahnarztstühle gestiftet, die per Container nach Benin transportiert wurden. In den nächsten Tagen wird er die in Einzelteile zerlegten Stühle zusammenbauen, hoffen, dass das zahnmedizinische Equipment, das in einem anderen Flieger von der „action medeor“ geschickt wurde, rechtzeitig im Busch ankommt, und dann wird er loslegen. Geplant ist, dass auch Patienten in den Dörfern besucht werden. „Wir freuen uns auf die Arbeit, auch wenn wir nicht wissen, was da auf uns zukommen wird“, so Dr. Angelika Klein. „Aber uns selbst geht es gut, dann können wir auch etwas abgeben, unsere Erfahrung, unsere Zeit, unseren Dienst, das ist völlig in Ordnung.“

Eine Kinderabteilung wird aufgebaut

Roland Klein wird der erste Zahndoktor sein, den die Menschen im westafrikanischen Busch zu sehen bekommen – ein Segen. Mit im Team sind  auch wieder die Fachleute für das „Innere“, Dr. Rüdiger Kerner, Internist und Chefarzt am Marienhospital Kevelaer, und Endoskopieschwester Hildegard Kleinen aus Goch. Mehr als 30 Patienten stehen auf der akuten Warteliste, die eine Magen- oder Darmspiegelung bekommen sollen – „Mal sehen, wie wir das alles schaffen“, so Dr. Kerner.  Das Team komplett machen die Piepers. Er Kinderarzt in Moers, sie Intensivschwester in Schermbeck. Im Krankenhaus der „Aktion pro Humanität“ wird dank der Einsatzbereitschaft der Familie Pieper nun eine Pädiatrie aufgebaut, eine Fachabteilung für die ganz kleinen Patienten.

Die ersten Patienten warten schon

Da gibt es viel zu tun für das Team Niederrhein. Das nicht nur seinen Urlaub opfert für die einwöchige Mission sondern sich auf ein eher unkomfortables Leben einstellen darf – manchmal gibt es fließendes Wasser, manchmal muss man sich das am Brunnen holen. Manchmal gibt es Strom, manchmal muss die Taschenlampe herhalten. Und es ist sehr heiß. Zum Glück ist der OP-Container, gespendet seinerzeit vom Klever Unternehmer Bernd Zevens, mit Notstromaggregaten und Klimaanlage ausgerüstet.

Am späten Nachmittag wird das Team in Gohomey eintreffen. Dann soll es gleich die ersten Sprechstunden geben – bloß keine Zeit verplempern. Schon seit gestern hocken Patienten vor den Untersuchungszimmern und warten. Geduldig. Dankbar.