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Seit mehr als zwei Jahrzehnten engagiert sich die Hilfsorganisation APH (Aktion pro Humanität) in Westafrika. Es konnte eine Krankenstation gebaut werden, vor vier Jahren wurde sogar ein Operationscontainer im Busch installiert – alles mit Hilfe von Spenden. Im November wird eine Kinderstation eröffnet. Nun brauchen wir Hilfe.

 Von Dr. Elke Kleuren-Schryvers, Vorstand der Stiftung Aktion pro Humanität

Das Krankenhaus der Aktion pro Humanität im westafrikanischen Benin wurde 1995 eröffnet. Seit mehr als 20 Jahren entwickelt sich dort in der ländlichen Region des Mono/Couffo ein medizinisches Versorgungszentrum der besonderen Art. Begonnen hat es mit wirklicher medizinischer Basis­versorgung der Menschen dort. Es war eine afrikanische Buschkrankenstation wie sie in unser aller Vorstellung existiert. Dann mit dem Auftreten und der Verbreitung von Aids gerade in dieser Region des Landes Benin, einer sogenannten hot-spot-Region, wurde das heutige Hospital zu einem spezialisierten Zentrum für die Diagnostik und Therapie von HIV/Aids. Bis heute ist das Krankenhaus in Gohomey, ganz nah am Mono-Fluss und an der Grenze zu Togo, das zweitgrößte Behandlungs­zentrum für Aids und seine Co-Infektionen. 865 Patienten stehen dauerhaft unter antiretroviraler Therapie.

2015 war ein weiteres Jahr, das in die Geschichte des Projektes und der Gesundheitsversorgung der Menschen in dieser Region eingehen wird. Durch einen privaten Spender konnten zeitgleich eine digitale Röntgenanlage und ein Operationscontainer angeschafft werden. Somit wurde auch die operative Behandlung, insbesondere auch Kaiserschnittentbindungen möglich. Seitdem nimmt das Krankenhaus eine beeindruckende Entwicklung. Im Mai 2018 gab es 142 Geburten im Krankenhaus in Gohomey, 40 davon waren Kaiserschnitt-Entbindungen. Insgesamt gibt es monatlich ca. 60 Operationen in dem OP-Container (Allgemeinchirurgie/Traumatologie/orthopädische Chirurgie  und Gynäkologie) sowie ca. 130 Röntgenuntersuchungen pro Monat.

2016 wurde eine moderne Video-Endoskopie installiert. In diesem Jahr 2019 erfolgt die Eröffnung einer pädiatrischen Fachabteilung mit Neonatologie. Damit ist dann ein weiterer Schwerpunkt für dieses Krankenhaus in dieser Region gesetzt als Mutter-Kind-Behandlungszentrum.

Mit eigenem Blutspendedienst mittels mobiler Klinik sowie als staatlich autorisiertem Bluttrans­fusionsposten in diesem ländlichen Departement kommt dem Krankenhaus bereits seit Jahren eine gerade in der Malaria-Saison besonders Leben rettende Bedeutung zu. Aktuell werden ca. 1250 Blutkonserven / anno transfundiert. Eine augenärztliche Diagnostik wird mehrmals jährlich durch einen mobilen Augenarzt incl. Brillenversorgung auf der Basis der Ein-Dollarbrille angeboten. Eine Zahnarztpraxis ist auf dem Krankenhausgelände in Bau. Pro Jahr werden aktuell sicher 25.000 – 30.000 Menschen in der Region und bis in die Nachbarländer hinein (Togo und Nigeria) versorgt.

Ein bis zweimal jährlich gibt es neben der medizinischen Arbeit durch einheimisches Fachpersonal auch deutsche medizinische und technische Expertenteams – vornehmlich des Niederrheins – die vor Ort gemeinsam mit den einheimischen Kollegen arbeiten und das Zentrum weiter entwickeln.

Ab dem Herbst 2018 wird das Krankenhaus incl. der sozialen und sozialmedizinische Dienstleistungen 85 Mitarbeitende beschäftigen. Damit ist dieses Krankenhaus der zweitgrößte Arbeitgeber – nach einer Baumwollfabrik – in dieser Region.

Das gesamte Personal (incl. der dahinterstehenden sicher 5-7 köpfigen Familien) erhält nicht nur regelmäßig seine Lohnzahlungen, sondern auch eine kostenlose medizinische Versorgung.  Neben der medizinischen Versorgung der Menschen ist das Projekt damit auch ein Leuchtturm – gerade in unserer aktuellen Zeit und vor dem Hintergrund der Migrationsdebatten –  bzgl. der Schaffung von Perspektiven für Menschen in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara.

Wirtschaftlich betrachtet schafft das Zentrum inzwischen ein Autofinancement von mehr ca. 84 Prozent für die entscheidenden Kostenblöcke: Löhne der beninischen Mitarbeiter, Medikamente sowie medizinische Verbrauchsmaterialien. Das Krankenhaus ist gut integriert in die beninische Gesundheitspyramide und respektiert in seiner Leistung für die Menschen. Dies zeigt sich an einer klaren Bereitschaft des beninischen Gesundheitsministeriums zur Kostenpartizipation.

Um manche Versprechen der beninischen Regierung jedoch – wie die Realisierung einer ordentlichen, gepfla­sterten Zuwendung zum Krankenhaus – wartet die Aktion pro Humanität seit 1995. Doch die Beständigkeit generiert die Nachhaltigkeit eines solchen Projektes und so fordert die europäische Projektleitung in Gohomey dies immer und immer wieder ein bei der Regierung und seit dem letzten Jahr ist klar, dass auf kommunaler Ebene für den Straßenbau auch ein Budget bereit gestellt wurde.

Das Hospital in Gohomey ist Mitglied im Dachverband der privaten Krankenhäuser in Benin (AMCES).

Aufgrund eines hervorragenden Job-Angebotes muss nun die seit fast acht Jahren im Projekt so kompetent und effektiv arbeitende Projektleiterin unvorhergesehen zehn Monate eher aus ihrem Dienst ausscheiden. Eine reguläre Projektnachfolge ist über die Arbeitsgemeinschaft Entwick­lungs­hilfe (AGEH) in Köln für den 01. Juli 2019 beantragt.

Damit diese Situation des vorzeitigen Ausscheidens der amtierenden Projektleiterin nicht zu einer ernsten Bedrohung für Erfolg und Nachhaltigkeit dieses Krankenhauses wird, sucht die Aktion pro Humanität schnellstmöglich eine/n in Management sowie Controlling erfahrene/n Interims-Projektleiterin/Projektleiter. Französische Sprachkenntnisse sind in diesem frankophonen Land Westafrikas unabdingbar wichtig. Flug- und Unterbringungskosten können von der Stiftung ebenso übernommen wie eine entsprechende Versicherung für den Einsatz und eine Aufwands­entschä­digung. Ansonsten wird ein solches Engagement als zeitlich begrenztes, ehrenamtliches Engagement erbeten, da alle Team-Mitglieder in der Stiftung sowie im medizinisch-technischen Expertenteam ebenfalls ehrenamtlich arbeiten.

Kontakt: Stiftung Aktion pro Humanitaet,
Dr. Elke Kleuren-Schryvers, Friedenstr.32-34, 47623 Kevelaer.
Mail: aktion-pro.humanitaet@web.de

Tagebuch Januar 2018/4

Heute gegen 9.00 Uhr verlassen wir unser Projekt in Gohomey. Aber natürlich nicht, ohne unseren Mitarbeitern und dem kleinen Hungerkind Andre „Lebewohl“ zu sagen. Thomas hat den kleinen Andre besonders ins Herz geschlossen. Er hat immerhin so viel an Agilität gewonnen, dass er sich die Magensonde zur leichteren Nahrungs­zufuhr selbst gezogen hat und jetzt vom Löffelchen seine Spezialmilch trinkt.

Besonders möchte ich noch berichten, wie wunderbar in Ordnung in unserem Projekt war. Alles sah so strahlend aus. Wir haben Helene und Dieudonné sehr dafür gedankt. Sogar unsere Kapelle war neu „geweisselt“.

Wir glauben, das hatte auch etwas mit dem angekündigten Besuch von Mgr. Rolf zu tun. Unsere kleine Gnadenkapelle im Krankenhaus-Innenhof strahlt weiter unvermindert aus sich heraus. Charly betet dort am Morgen den Angelus mit uns, bevor wir alle fahren.

Auch die elektrotechnischen Probleme sind bearbeitet. Ange hat alle Versicherungen unserer Fahr­zeuge und Mopeds aktualisiert nach Erfordernissen und ist Charly zur Hand gegangen. Thomas hat die Planung zur Gestaltung des Hofes/Gartens vor der Pädiatrie bearbeitet und fertiggestellt und uns hervorragend umsorgt. Er lief immer völlig dynamisch los, um irgendetwas zu trinken, zu essen zu besorgen, wenn jeder von uns dachte: „Ach, nicht so wichtig, als dass ich mich jetzt wieder auf den Weg durch die Hitze mache …“

Der Flug heute mit einer Bombardier Propellermaschine von Cotonou nach Niamey war perfekt. Schon beim Anflug sehen wir nur braune, staubige Erde. Kaum ein Baum oder Strauch. Sahel. Ein eklatanter Unterschied zu Gohomey. Es lief wirklich hervorragend mit der Anreise und wir sind gut installiert hier am Bischofssitz.

Nach der Programmbesprechung für unsere Tage und dem gemeinsamen Abendessen im Refektorium zieht es uns noch einmal nach draußen in die sehr angenehm laue Nacht Afrikas … Das Klima hier lässt sich wirklich wunderbar ertragen. Trotz gleicher Hitze von 33 Grad schwitzt man hier im Gegensatz zu Benin gar nicht.

Bonne nuit!

Tagebuch Januar 2018/3

Wieder ein beeindruckender Tag heute. Die Taufe von Christina, der Tochter von M. Dieudonne und seiner Frau fand statt im Rahmen eines Pilgertages von Kindern und jungen Menschen – krank und gesund – in Gohomey – inmitten unseres Krankenhauses.

Junge Menschen aus einer Nachbarkirchengemeinde, Kinder aus dem Behinderten-Zentrum in Lokossa, unsere Waisen-und Kinderkrippenkinder, Patienten aus dem Krankenhaus und alle Taufgäste vor dem Gnadenbild im Innenhof des Krankenhauses in Gohomey versammelt zu sehen, war schon bewegend. Sie alle später beim gemeinsamen Mittagessen froh und lachend miteinander zu sehen, rührte fast zu Tränen. Ein kleines Heerlager von Kindern und jungen Menschen im völligen Miteinander, ungeachtet ihrer körperlichen oder geistigen Gesundheit oder Krankheit.

Unsere kleine Kapelle war sehr voll und bebte fast vor schmetterndem Singen, Trommeln und Klatschen während des Taufgottesdienstes.

Am Nachmittag besuchen wir auf unserer Mopedtour – dieses Mal auf ganz neuen Wegen – ein Mikrokreditprojekt, das seit zwölf Jahren funktionier. W wir besuchen auf ein Bier oder eine Coca unseren ehemaligen Mitarbeiter Simon. Alle erfreuen sich des Wiedersehens, obwohl, die Trennung vor Jahren sehr kompliziert war.

Unwillkürlich denke ich, es wäre wunderschön, wenn uns das mit den Schwestern von Padre Pio auch so ergehen könnte ….

Abends haben wir noch das Gespräch über die Zukunft des Zentrums mit Helene und auch über ihre Zukunft im Projekt. Ein wirklich gutes Gespräch, welches Peter und mir viel Hoffnung gibt.

Und dann kommt die wunderbare Theateraufführung unserer Waisenkinder. Sie spielen die Etappen dieses Besuches, die Messe und Medikamentenübergabe im Gefängnis, die Taufe, den Pilgertag in Gohomey, die Segnung der Kranken im Krankenhaus so, als wäre „Bischof Lohmann“ mit Ange, Charly, Thomas, Peter und mir dort gewesen. Das war so eine Freude, die Kinder so engagiert und intensiv ihre Rollen spielend zu sehen!

So endet der Tag, der Abend in einem ganz besonderen Gefühl der Verbundenheit und Dankbarkeit.

Tagebuch Benin Januar 2018/2

Im Projekt in Gohomey
Heute begannen Thomas und ich den Arbeitstag mit der Visite im Krankenhaus, um nach unseren unterernährten Kindern zu schauen. Alle beide haben zunächst überlebt. Wir sind erleichtert.

Das frühmorgentliche Frühstück auf dem Einbaum bei der Mono Flussfahrt entfällt wegen Wassermangel im Mono jetzt in der Trockenzeit.

Alle beginnen mit ihren Arbeiten. Peter und ich sprechen mit Mme. Helene und M. Dieudonne sowie unserem Gynäkologen über sein Verbleiben im Projekt und über die Zukunft des Projektes. Eine sehr fruchtbare Diskussion mit ganz neuen Visionen. …. Und der Gynäkologe bleibt zunächst einmal.

Im Gefängnis von Lokossa
Nach einer kurzen Siesta geht es gegen 15.00 Uhr nach Lokossa. Wir grüßen noch Bischof Victor und fragen an, ob wir noch kurz bei ihm vorbeikommen sollen. Aber er ist nicht da, erwidert die Grüße und segnet uns.

So laufen wir dann beim Gefängnis auf und treffen auf eine strahlende Gefängnisdirektorin, die uns empfängt. Wieder, wie immer, ist das Gefängnis hoffnungslos überfüllt. Das Stimmengewirr hinter den Mauern deutet auf hunderte Menschen.

Wir überreichen der Gefängnisdirektorin mit Grüßen des Niederrhein-Bischofs Rolf Lohmann die von ihm noch gesegnete Skulptur der Consolatrix afflictorum. Sie freut sich sichtbar sehr und ist bewegt. Später, am Ende des Besuches, als sie mir eine Botschaft mitgibt für den Bischof, verstehe ich, warum. Ein kurzes Gespräch über die neue Gefängnismauer, die drei Hektar eingrenzen wird.

Und noch eine Nachricht. Im Gefängnis von Lokossa sterben in ganz Benin die wenigsten Gefangenen. Vier im letzten Jahr. Die Gefängnisdirektorin führt das eben auch auf die Medikamente zurück, die sie durch APH dort immer zur Verfügung haben.

Dann kommt der Gefängnispfarrer und wir gehen – wie in einer kleinen Prozession – einer nach dem anderen – in das Innere des Gefängnisses . Vorne die Direktorin und ihre Begleiter, dann der Priester, dann wir. Das Szenario ist unglaublich und für uns nicht von der Welt, die wir kennen und einordnen können. Durch ein wahres Heerlager von ca. 200 Menschen ziehen wir durch eine enge Menschengasse so weit ins Innere des Gefängnisses, das ich mich wundere, dass der Gottesdienst hier stattfindet. Die Menschen grüßen uns mehrheitlich sehr freundlich, wir grüßen zurück und nehmen inmitten des Menschengewusels unsere Plätze direkt am Altar ein. Die Frauen singen und die Trommeln spielen. Eine unglaublich andere Wirklichkeit! Man nimmt eine besondere, aber nicht bedrohliche Anspannung wahr. Rechts neben uns steht in einem Glaskasten eine große Gottesmutterstatue. Die Gottesmutter der „Rosa mystica“. Eine Kerze wird vor ihr entzündet.

Als ich wenig später noch mal dorthin schaue, sehe ich einen bewaffneten Soldaten auf einem Stuhl neben der Gottesmutter und hinter uns stehen. Er muss der offenbar den Überblick behalten. Dieses Erlebnis einer Eucharistiefeier werde ich nie in meinem Leben mehr vergessen. Wir beten, singen, klatschen mit den Menschen dort und hören eine kurze, aber beeindruckende, die Menschen in ihrer speziellen Situation sehr Wert schätzende Predigt. Die Gefängnisdirektorin spricht kurz und erklärt, wer wir sind.

Wir erklären, woher wir kommen, überbringen die Grüße aus Kevelaer und das Bedauern des Weihbischofs. Dann erzähle ich mit der kleinen Statue der Gottesmutter in der Hand etwas über die Consolatrix afflictorum und es berührt die Gefangenen offenbar so sehr, dass fast schon stürmischer Applaus losgeht.

Da hat wohl der Heilige Geist gewirkt, die richtigen Worte in dieser Umgebung und in französischer Sprache zu finden. Ganz bemerkenswert war noch, dass während unseres Gottesdienstendes und danach ein muslimischer Gefangener in einer Ecke des Hofes ungestört sein Gebet auf seinem Teppich verrichtete. Die Toleranz der Religionen ist in Benin genial, auch wenn sehr viel Anderes ganz kompliziert ist und sogar eine Bezeichnung gefunden hat: Beninoiserie.

Wir fahren anschließend noch im Behinderten-Zentrum in Lokossa vorbei. Morgen kommen ca. 15 Kinder von dort zur Wallfahrt zu uns an die Gnadenkapelle.

LG von uns Fünfen, Elke

Benin Januar 2018/1

Nach guter Anreise und erster Nacht in Benin fahren wir den ersten Teil des Weges ins Projekt mit dem Boot über Ganvie.

Die Müllberge bei der Ausfahrt aus der Stadt erschrecken. Man baut dort neue Straßen und Häuser am Ufer der Lagune auf dem Müll. Ein schreckliches Fundament und Symbol für den Zustand unserer Welt. Worauf wollen wir künftig aufbauen … ?

Leben in der Pfahldorfsiedlung für ca. 25.000 Menschen. Dann – nach den historischen Hintergründen für die Entstehung von Ganvie und dem Handelstreiben und Leben auf der Lagune am frühen Morgen – geht es weiter nach Quidah, dem Ort der größten Sklaven Deportation in Westafrika.

Wir lernen von unserem Guide sehr viel über die spirituelle und mentale Kraft der Menschen vor ihrer Deportation. Sie legten alles darauf an, dass nur ihre Körper ihre Heimat verließen, ihr Geist und ihre Seele jedoch in der Heimat blieben. Unser Führer war der Meinung, dass ca. 50 Millionen Menschen als Sklaven aus Afrika deportiert wurden.

Auch über die Ankunft der ersten Missionare und Ordensschwestern in Afrika hörten wir sowie über die Aversion der Menschen bzgl. der drei „M“: Militaire, Missionares, Merchandise.

Tommi Bollmann von Antenne Niederrhein erkundigt sich in Benin bei Dr. Elke Kleuren-Schryvers, wie die Stimmung im Projekt in Gohomey Ort ist.

Hören Sie mit … Bericht Antenne vom 30.11.17, morgens 07:00 Uhr am Niederrhein

Tagebuch 1 der November-Mission 2017 von APH

Die Anreise des 14 köpfigen Teams in Gohomey war etwas holprig. Das lag jedoch nur partiell an den Strassenverhältnissen, denn die neue Autostrasse von Cotonou über Come und Lokossa ist wieder der direkte Weg zu uns ins Projekt und nach der Fertigstellung jetzt der absolute und wunderbare „Highway“. Zwar nicht der „Highway to heaven“ aber schon ziemlich nah dran, wenn man die strapaziösen und langwierigen Anreisen der letzten Jahre mit grossen Umwegen über nicht asphaltierte Strassen betrachtet. Eine Reifenpanne am Minibus verzögerte unsere Weiterreise etwas. Aber der Chauffeur war fit und so standen wir nicht allzu lange  in der gleissenden Sonne am Strassenrand.

Dann allerdings erwischte uns kurz vor Dogbo ein Gewitter mit so heftigen Platzregen, dass in nur  wenigen Minuten am Strassenrand reissende Bäche entstanden. Wir hatten noch kurz vorher versucht unsere Koffer-Abdeckung mit Planen auf dem Dach des Minibusses zu optimieren. Glücklich! Doch dann bogen wir ein in die  Zufahrtsstrasse zu unserer Krankenstation und wir lernten, wie sich diese Pisten mit der roten Erde in gefährlichste Rutschpartien verwandeln, wenn man kein Allradauto hat. Wer als Chauffeur diese Fahrtechnik auf dem völlig seifigen Untergrund, auf dem man sich auch zu Fuss fast nicht auf den Beinen halten kann, nicht beherrscht, riskiert gefährlich viel. Vor uns rutschte ein Bus in die Böschung und auch wir drohten mit dem Minibus umzukippen, da der Fahrer sich wegen eines entgegenkommenden schlingernden Fahrzeugs an den Strassenrand mit der Abböschung begeben musste. Mopeds und Fußgänger erschweren die Situation für die Fahrer zusätzlich. Das „Bon arrive“ kommt dann auch von allen aus vollem Herzen, als wir heil vor dem Gästehaus ankommen.

Erst am nächsten Tag kommt unser letztes Team-Mitglied, die Chirurgin Noreen Vingerhoed. Sie hat mehr als 1,5 Stunden Verspätung wegen eines Zwischenfällen in ihrem Flugzeug in Paris, welches Polizeieinsatz an Bord erforderte. Und … ihre Koffer kamen nicht mit. Doch sie ist eine sehr ruhige, umsichtige und vor allem unproblematische junge Frau und so bekommt sie von allen bei Ihrer Ankunft einige Kleidungsstücke „gespendet“ und erwartet jetzt die Ankunft Ihrer Koffer am  Montag – gemeinsam mit dem zahnärztlichen Equipment, das ebenfalls mit Verspätung eintrifft.

Einsatz Buschkrankenhaus

14 Mediziner, Krankenschwestern und Techniker haben sich auf den Weg gemacht.
Das Ziel: Benin, das Projekt der Aktion pro Humanität in Westafrika

 

Am Niederrhein. Heiß ist es jetzt in Benin. Schon am frühen Morgen rinnt den Niederrheinern der Schweiß in den Nacken – „dabei haben wir noch gar nichts getan“, seufzt der Mann für den schmerzlosen Schlaf, Anästhesist Dr. Wolfgang Paul. Nunja, gestern in Allerherrgottsfrühe haben sie sich auf den Weg gemacht: 14 Ärzte und Ärztinnen, Krankenschwestern, OP-Pfleger und Techniker vom ganzen Niederrhein. Das Ziel: das Dorf Gohomey mitten im westafrikanischen Busch, in Benin, Westafrika. Dort, wo die in Kevelaer ansässige „Aktion pro Humanität“ vor mehr als 20 Jahren eine Krankenstation baute, die inzwischen ein stolzes, großes und anerkanntes Krankenhaus geworden ist. Der  Auftrag des „Team Niederrhein“: Helfen. Ehrenamtlich.

Mehr als 50 Patienten haben die ärztlichen Kollegen in Benin für die Chirurgen vom Niederrhein ausgeguckt. Komplizierte Fälle, nicht oder schrecklich schief verheilte Knochenbrüche, Fußfehlstellungen, orthopädische Problemfälle. Dr. Johannes Kohler, viele Jahre Chefarzt am St. Josef Hospital in Xanten und inzwischen eigentlich im Ruhestand, führt das OP-Team. Dirk Henricy aus Wesel, leitender OP-Pfleger in Xanten, ist wieder dabei. Genauso wie Narkosedoktor Dr. Wolfgang Paul (St. Clemens-Hospital Geldern) und Intensivschwester Annemarie Pieper (Wesel/Xanten) – mehrfach waren sie schon in Benin und haben Tag- und Nachtschichten geschoben im Operations-Container.

Der erste Zahnarzt im Dorf

Neu in der Truppe und zum ersten Mal in Westafrika überhaupt: Dr. Noreen Vingerhofdt, Oberärztin am St. Willibrod-Spital Emmerich-Rees. „Ich bin total neugierig und freue mich auf die Erfahrung“, sagt die Unfallchirurgin. „Menschen begegnen, denen es ganz sicher nicht so gut geht wie uns und die unsere medizinische Hilfe bitternötig haben – das wird schon eine tolle Aufgabe.“

Da nicken zwei weitere „Newcomer“: Das Ärzteehepaar Klein aus Kevelaer. Sie praktische Ärztin, er Zahnarzt. Dr. Roland Klein hat vor Monaten schon zwei robuste Zahnarztstühle gestiftet, die per Container nach Benin transportiert wurden. In den nächsten Tagen wird er die in Einzelteile zerlegten Stühle zusammenbauen, hoffen, dass das zahnmedizinische Equipment, das in einem anderen Flieger von der „action medeor“ geschickt wurde, rechtzeitig im Busch ankommt, und dann wird er loslegen. Geplant ist, dass auch Patienten in den Dörfern besucht werden. „Wir freuen uns auf die Arbeit, auch wenn wir nicht wissen, was da auf uns zukommen wird“, so Dr. Angelika Klein. „Aber uns selbst geht es gut, dann können wir auch etwas abgeben, unsere Erfahrung, unsere Zeit, unseren Dienst, das ist völlig in Ordnung.“

Eine Kinderabteilung wird aufgebaut

Roland Klein wird der erste Zahndoktor sein, den die Menschen im westafrikanischen Busch zu sehen bekommen – ein Segen. Mit im Team sind  auch wieder die Fachleute für das „Innere“, Dr. Rüdiger Kerner, Internist und Chefarzt am Marienhospital Kevelaer, und Endoskopieschwester Hildegard Kleinen aus Goch. Mehr als 30 Patienten stehen auf der akuten Warteliste, die eine Magen- oder Darmspiegelung bekommen sollen – „Mal sehen, wie wir das alles schaffen“, so Dr. Kerner.  Das Team komplett machen die Piepers. Er Kinderarzt in Moers, sie Intensivschwester in Schermbeck. Im Krankenhaus der „Aktion pro Humanität“ wird dank der Einsatzbereitschaft der Familie Pieper nun eine Pädiatrie aufgebaut, eine Fachabteilung für die ganz kleinen Patienten.

Die ersten Patienten warten schon

Da gibt es viel zu tun für das Team Niederrhein. Das nicht nur seinen Urlaub opfert für die einwöchige Mission sondern sich auf ein eher unkomfortables Leben einstellen darf – manchmal gibt es fließendes Wasser, manchmal muss man sich das am Brunnen holen. Manchmal gibt es Strom, manchmal muss die Taschenlampe herhalten. Und es ist sehr heiß. Zum Glück ist der OP-Container, gespendet seinerzeit vom Klever Unternehmer Bernd Zevens, mit Notstromaggregaten und Klimaanlage ausgerüstet.

Am späten Nachmittag wird das Team in Gohomey eintreffen. Dann soll es gleich die ersten Sprechstunden geben – bloß keine Zeit verplempern. Schon seit gestern hocken Patienten vor den Untersuchungszimmern und warten. Geduldig. Dankbar.