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Aktion pro Humanität :
Hilferufe aus Syrien und dem Niger –  Den Menschen in Not an der Seite sein – in Syrien und im Niger.

Unsere Welt-Un-Ordnung wirft ihre Schatten bis zu uns an den Niederrhein, bis nach Kevelaer. Von hier arbeitet die Stiftung Aktion pro Humanität seit mehr als 20 Jahren und versucht gemeinsam mit den Menschen am Niederrhein Bote und Realisierer von Trost und Perspektive in der Welt zu sein.

Die Menschen an vielen Orten dieser Welt wissen das inzwischen. So kommt es immer wieder zu ganz konkreten Hilferufen nach Kevelaer. In diesen Tagen kommen sie aus Syrien und dem Niger.

Erzbischof Laurent Lompo, Niamey, Niger

Erzbischof Laurent Lompo aus dem Niger bittet aus ganz anderen Gründen um Hilfe. Der Sahelstaat mit einer 20 Millionen Bevölkerung hungert. Er bittet dringend um Hilfestellung für die Spezialzentren, die sich um unterernährte Kinder und Mütter kümmern. Die internationale Hilfe wegen der Hungersituation einiger Millionen Menschen ist zwar erbeten und angefordert, aber noch nicht angelaufen. Aktion pro Humanität hat im Dezember schon mit einer ersten großen Spendenaktion helfen können. Der Hunger wird noch mindestens bis zur nächsten Ernte im November dauern. Und man sagt, dass der Hunger der ersten 1000 Lebenstage eines Kindes lebenslängliche Folgen zeigt.

„Bei unserem Besuch im Niger im Januar diesen Jahres haben wir drei dieser Zentren gesehen, die zu den Sprechstunden mit den Untersuchungen der Kinder, mit Wiegen und Messen, mit der Verteilung der Nahrungsmittel alle Hände voll zu tun hatten. Und ab März erwartete man dort eine deutliche Verschlechterung der Situation. Man schätzte, das es zwei- bis dreimal so viele bedürftige Kinder und Mütter geben werde. März ist es nun geworden.

Am Sonntag, den 11. März 2018 gab es in Niamey eine große Fasten-Wallfahrt, die von morgens um 8.00 Uhr bis abends um 18.00 Uhr dauerte. 3500 Christen kamen an den Bischofssitz und in die Kathedrale, beteten und sangen. Ihre Intention war u.a. auch die Bitte um Linderung ihrer eigenen Hungersituation im Land. Es gab keine Störungen oder Übergriffe. Allerdings war die Veranstaltung durch Militärpräsenz geschützt.

Wie bereits schon einige Male zuvor wird die Stiftung der Familie Seibt aus Wesel-Flüren/Grav-Insel diese Nothilfe-Aktion der Stiftung Aktion pro Humanität in der Fastenzeit mit konkretem Handeln begleiten. 12.500 Euro werden von Frank Seibt für die Nothilfe (Nahrungsmittel, Medikamente, Verbandsmaterialien, Baustoffe) zugunsten der leidenden Menschen in Damaskus bereitgestellt. Weitere 12.500 Euro sind für die Hungerhilfe im Niger bestimmt, wo die Stiftung der Familie Seibt bereits im Dezember sehr, sehr großherzig interveniert hatte. Im Niger werden damit aktuell drei Feeding-Center zur Behandlung von unterernährten Kindern und Müttern unterstützt.

Starke Zeichen der Hoffnung für die Menschen in so großer Not und ein großes Startkapital für diese Hilfsaktion vom Niederrhein in der Fastenzeit 2018!

Sie können sich an die Seite dieser Menschen in Not stellen.

Spendenkonto der
Stiftung Aktion pro Humanität
Volksbank an der Niers IBAN DE39 32061384 43301300 11

Stichwort  Niger

Tagebuch Januar 2018 / 6 Teil 2

Der Staat bezahlt die über 20 Mitarbeiter seit 7 Monaten nicht mehr. Aufgrund der kostenlosen Behandlungen für die Menschen – immerhin eine große Erleichterung – werden jedoch auch so gut wie keine Reparaturen durchgeführt. Man zeigt uns die defekte Saugglocke, die nicht mehr benutzt werden kann und das nicht mehr funktionsfähige Absauggerät.

Für die unterernährten Kinder, die morgens zur Station kommen, gibt’s eine Diagnose … aber keine Nahrung, wenn die Mütter sie nicht kaufen können. Das erschüttert uns, macht uns wütend … Es war sauber dort, wo wir gemeinsam mit der Mission Catholique und Caritas Niger vor einigen Jahren versucht haben, alte Bausubstanz so gut wie möglich zu reaktivieren und das kleine Gebäude für wenige Betten zur Hospitalisation neu erstellt haben. Aber alles wirkt so mutlos, so leer.

Allerdings ist es wirklich so im Sahel, dass die Menschen den oft 10 Kilometer langen Fußweg noch in der Nacht antreten, um frühmorgens dort zu sein. Noch weit vor der Mittagshitze wollen sie wieder zurücklaufen. So ist es oft mittags schon leer in diesen Dispensaires. Dennoch wird auch die Kirche künftig solche Kooperationen nicht mehr machen. Aber Makalondi ist momentan die einzige Krankenstation im Umkreis von mehr als 50 Kilometern für mindestens 50.000 Menschen von Grenze nach Burkina Faso bis zur Prefecture-Stadt Torodi.

Wir sehen eine sehr junge Mutter mit ihrem Baby dort in der Maternite, die vor wenigen Stunden entbunden hat. Gegen Abend geht sie heim, zu Fuß. Wir kapieren, so wütend wir auch sind, dass wir die Saugglocke, das Absauggerät ersetzen sollten. Um der Menschen willen. Denn der Staat wird es nicht tun, weil er angeblich alle Finanzressourcen in die Sicherheit stecken muss.

Und die Menschen leiden und sterben unnötig. Vor allem Frauen und Kinder.

Ich muss noch weiter schreiben von diesen Eindrücken an diesem unglaublichen Tag: Um die Mittagessenszeit sahen wir unsere Buamtandi-Frauen wieder. Es waren noch viel, viel mehr Frauen geworden. Musliminnen, Christinnen, alle in ihren Festtagsgewändern. Wir schätzen, dass es jetzt ca. 500 Frauen waren! Sie bedankten sich, wollten Hände schütteln, tanzen. Eine unglaubliche Lebensfreude inmitten tiefster Armut. Unvergesslich dieses Bild unter dem großen Baobab-Baum!

Auch unser Erzbischof Laurentius hat scheinbar an diesem Tag viele Erinnerungen. Er berichtet uns im Auto von seinem 9 Kilometer langen Schulweg von Kolbou nach Makalondi. Morgens hin, abends zurück. Zwei Jahre lang. Bis seine Freunde aus Bamberg, die damals als Entwicklungshelfer in seiner Region waren, andere Lösungen für ihn fanden, weil sie ihn fördern wollten.

Er träumte als Kind davon, einmal ein Päckchen der kleinen Zuckerklümpchen und eine Tüte Datteln ganz für sich allein haben zu dürfen. Dann, so meinte er damals, hätte er es geschafft und müsste Gott sehr danken für sein Leben. Er muss selbst noch sehr lachen, als er uns das erzählt.

 

Dann fahren wir weiter nach Torodi, wo eine ländliche Grundschule dringend für das nächste Jahr zunächst eine weitere Klasse benötigt. Bautechnisch besser wäre ein zweiter Gebäudeblock gegenüber dem ersten mit drei Klassen.

Bischof Laurent besucht mit uns alle drei schon existierenden Klassen und checked ab, wie das Bildungsniveau der Kinder von der ersten bis dritten Klasse ist. Diese Grundschule könnte mit den Spendenmitteln von der Bischofsweihe, unserer APH-Beteiligung sowie einiger weiterer Baustein­spenden realisiert werden. Die Kids, überwiegend muslimische Mädchen und Jungen, die von Ordensschwestern und muslimischen Praktikantinnen ausgestattet werden, sind hellwach und ganz agil!

 

Am späteren Nachmittag kommen wir „nach Hause“ – so empfinden wir es alle und trinken erst einmal ein „Nobeltje“ auf die gute Rückkehr. Froh und dankbar, dass alles ohne Zwischenfälle funktioniert hat. Voll von unglaublichen Eindrücken, die mich auch jetzt beim Schreiben noch mit voller Kraft wieder einholen …

Weihbischof Rolf Lohmann ruft zur Hilfe auf und wird mit der Aktion pro Humanität im Januar wieder nach Westafrika reisen

Alle 12 Sekunden stirbt irgendwo auf der Welt ein Kind unter fünf Jahren an Unterernährung oder deren Folgen. Drei Millionen Kinder pro Jahr.

Jetzt hat der Hunger auch den Niger ereilt, wie zuvor schon einige andere Länder Afrikas.

Es wird Weihnachten – und Hunger gilt gemeinhin als das größte und lösbare Problem unserer Erde. Und doch werden in den nächsten neun bis zehn Monaten Millionen Menschen im Sahelstaat Niger hungern. Der Hunger ist nicht nur regional, sondern flächendeckend, im gesamten Land. Er geht weit über den sogenannten permanenten, chronischen Hunger, also die Unter- und Mangelernährung von zwei bis drei Millionen Menschen im Niger hinaus. Mit seiner nagenden, zerstörenden Wirkung nimmt er den Menschen jede Perspektive, macht sie völlig adynam und schwächt Körper und Seele bis zur völligen Reglosigkeit, bis zum Tod.

 

Seit 2005 ist die Stiftung Aktion pro Humanität (APH) dem afrikanischen Wüstenland in besonderer Weise über den heutigen Erzbischof Laurent Lompo verbunden.

„Hungerkinder sehen ganz „alt“ aus im wörtlichen und übertragenden Sinne“, so die Medizinerin und APH-Vorsitzende Dr. Elke Kleuren-Schryvers. „In ihren greisenhaften, traurigen Gesichtern behauptet der Tod sein Recht, die Spuren einer Zeit aufzudrücken, die nie verstrichen ist. So beschreibt es Martin Caparros in seinem Reportage-Buch „Der Hunger“ beeindruckend. Und an anderer Stelle heißt es: „Wenn ich nicht esse, ist meine Milch wertlos. Aber wenn ich esse, bleibt nichts für meine Kinder. Wenn ich also esse, um Milch zu haben, rette ich die beiden Jüngsten und überlassen die anderen sich selbst. Und wozu? Damit auch sie hungern… „, so sagt es Hussena, eine Mutter mit Zwillingen im Niger.“

Jetzt am Heiligen Abend versammeln sich um Mitternacht mehr als 1500 Christen in der Kathedrale von Niamey, der Hauptstadt des Niger, zur Christmette. Erzbischof Laurent Lompo wird die Messe zelebrieren. Sie wird zum Schutz vor islamistischen Übergriffen unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen stattfinden. Zuvor hat er am Nachmittag seine Weihnachtsbotschaft 2017 bei den Fernseh- und Radiostationen des Landes gesprochen. Eine noch schwierigere Botschaft als in den Jahren zuvor. Was sagt man den Menschen im ärmsten Land der Welt ? Wie tröstet man sie, baut sie auf, zeigt Perspektiven, warnt vor Alternativen wie der gefährlichen Flucht durch die Wüste und über das Mittelmeer?

„Ich werde unter meinen Landsleuten sein, und ich werde an die zig-Tausenden von Kindern denken, die in schlimmster Armut, völliger Anspruchslosigkeit und Ergebenheit Weihnachten in ihren Familien feiern. Familien, die in diesem Jahr nicht in Freude feiern könne, weil es einen „Mangel an Nahrung“ – so die offizielle Version – im ganzen Land gibt. Für mich als dem ersten Mann in der katholischen Kirche im Niger ist es ein tiefer Schmerz und eine große Sorge zugleich.“

Wie gern würde der Bischof, der es liebt, mit dem Moped zu den Dörfern auf dem Land hinaus zu fahren, allen Menschen schenken können, dass sie satt werden. Nachhaltig. Zukünftig. Immer. „In der Heiligen Nacht tragen wir jedes Jahr in einer feierlichen, großen Prozession einen Säugling zur Krippe in der Kathedrale und präsentieren so der Welt dieses nigrische Menschenkind – auch ein Kind unseres Schöpfers“.

Welches Leben, welche Chancen erwarten dieses Kind?  Millionen Bäuche im Niger werden auch am Heiligen Abend leer bleiben, sodass das Einschlafen in dieser Heiligen Nacht schwer fallen wird.

 

„Gemeinsam mit Caritas Niger und ersten großherzigen Spendern – wie der Stiftung der Familie Seibt von der Grav-Insel in Wesel-Flüren – werden wir in diesen Tagen vor Weihnachten noch mit allen Kräften versuchen, in die am allerschlimmsten von Hunger betroffenen Regionen Nahrungsmittel zu bringen.“

Am ersten Weihnachtstag wird Erzbischof Lompo das Gefängnis in Niamey mit über 1000 Insassen besuchen. Dort zelebriert er traditionell eine Messe, anschließend kommen Muslime und Christen unter den Gefangenen und Mitarbeitern, um Weihnachtswünsche und – grüße zu überbringen und entboten zu bekommen. Erst dann ißt man zusammen. Unterstützt wird diese Aktion von San Egidio. „Ich halte diese Tradition gerne und aus Überzeugung aufrecht, weil auch Jesus inmitten des Milieus der Armen geboren ist, um ihre Leiden zu lindern und sie alle als Kinder Gottes betrachtet hat“, sagt Laurent Lompo.

Am Abend kommen dann die obersten muslimischen Religionsvertreter an den Bischofssitz, um Ihre Weihnachtsgrüße persönlich zu übermitteln. Dieser Geste wird im Rahmen des interreligiösen Dialogs im Niger ganz besondere, wechselseitige Bedeutung zugemessen. Erzbischof Laurent Lompo, den so viele Menschen in Kevelaer und am Niederrhein von der Motorradfahrer- Wallfahrt kennen, grüßt die Menschen zu diesem Weihnachtsfest und segnet sie in großer Dankbarkeit für alle erfahrene Hilfe.

„YOUEUX NOEL!“ ruft er den Menschen hier zu. Frohe, gesegnete Weihnachten wünscht er auch seinem Bischofskollegen am Niederrhein, Rolf Lohmann. Beide sind über die Aktion pro Humanität seit vielen Jahren herzlich miteinander und für die Belange der Menschen im Niger verbunden. Noch anlässlich seiner Bischofsweihe im Juli erbat Weihbischof Lohmann Spenden für eine Grundschule auf dem Land, in Torodi im Niger. Jetzt ist erneut er es, der gemeinsam mit der Vorsitzenden der Stiftung Aktion pro Humanität, Dr. Elke Kleuren-Schryvers, am Niederrhein zur „Porte Parole“, zum Sprachrohr der hungernden Menschen im Niger wird.

„Bitte schenken wir jetzt sofort den Millionen Menschen im Niger, mit denen wir über unseren Weggefährten, Erzbischof Laurent Lompo, in besonderer Weise verbunden sind, eine Chance auf Überleben. Vor allem den Kindern und Müttern, die stets am Ende der „Ernährungskette“ stehen. Mit Papst Franziskus möchte ich uns alle, Sie, uns, mich, an die Seite der Armen und Ohnmächtigen stellen und zutiefst überzeugt seinen Gedanken teilen und verkünden, dass wir alle wieder lernen müssen, das Teilen zu unserem Lebensstil zu machen“, so Weihbischof Rolf Lohmann.

Im Januar 2018 wird er sich gemeinsam mit der Aktion pro Humanität neuerlich auf den Weg nach Westafrika machen, nach Benin und wenn es die Sicherheitslage zulässt, auch in den Niger. „Wir müssen den Menschen zeigen – auch durch unsere physische Präsenz – dass wir an ihrer Seite sind. Dass sie eben nicht vergessen sind und dass wir auch Erzbischof Laurent in seiner so schweren Aufgabe wirklich stärken und weiterhin konkret unterstützen möchten.“

Wer den Menschen im Niger helfen will, kann eine Spende auf das Konto der Aktion pro Humanität einzahlen, Stichwort: Hungerhilfe Niger.

Volksbank an der Niers, IBAN DE39 3206 1384 4330 1300 11

Infos: www.pro-humanitaet.de

Erzbischof Laurent Lompo aus dem Niger zu Besuch in Kevelaer

 Vom 09. bis zum 18. Juli 2016 wird Erzbischof Laurent Lompo aus dem Niger wieder zu Gast in Kevelaer sein.

Er möchte sich bedanken für eine unglaublich schnelle und effektive Hilfsaktion, welche die PfarrgemeindDomkapitular und Bischofe St. Marien und die Stiftung Aktion pro Humanität unmittelbar nach Pfingsten, also erst vor wenigen Wochen, starteten, um den Hunger hunderttausender Menschen in seinem Land zu bekämpfen.

„Kevelaer ist für mich wie ein tröstlicher, verlässlicher Rückhalt in all dem Nicht-Funktionierenden und immer wieder krisenhaften Geschehen meines Landes,“ sagt Erzbischof Lompo. „Wenn ich meinen Ruf um Hilfe zu Euch nach Kevelaer schicke, dann weiß ich, hier leben Menschen, die mitleiden mit den Menschen im Niger im konstruktiven Sinn und die Hilfe realisieren als Brüder und Schwestern – auch wenn sie 5000 Kilometer entfernt sind“.

Mit großen Einsatz aller Spender, Förderer und Helfer der Kirchengemeinde St. Marien, der Stiftung Aktion pro Humanität und weiterer Kooperationspartner am Niederrhein gelang es binnen drei Wochen 50.000 Euro in den Niger zu transferieren. Und dies, bevor die internationale Hilfe für viele Länder im Sahel, die unter Hunger leiden, überhaupt anlief. 35 Cent benötigt man, um einem Menschen im Niger wenigstens einmal am Tag eine ausreichende Mahlzeit anbieten zu können und ihn damit vor dem Verhungern zu retten.

Erzbischof Laurent freut sich sehr auf diesen neuerlichen Besuch in Kevelaer und die Chance, allen Mitstreitern hier vor Ort sein „grand merci “ sagen zu dürfen.

Dienstag, 12.07.2016, 18.30 Uhr, Beichtkapelle Kevelaer:
Dankgottesdienst „Ubi caritas et amor“ als Gemeinschaftsgottesdienst
mit der Pfarr-Caritas St. Marien

Samstag, 16.07.2016, 17.00 Uhr, Klarissen-Kloster, Kevelaer
„Hunger“-Gottesdienst im Garten des Klarissen-Klosters
„Mitgefühl ist der natürliche, menschliche Impuls. Nicht Gleichgültigkeit und Gnadenlosigkeit“ (Navid Kermani)
Anschließend meet & greet, also Gelegenheit zur Begegnung und zum Gespräch mit dem Bischof im Garten des Klarissenklosters bei Brot und Wein.

Kind im NigerIm westafrikanischen Niger sind die Getreidevorräte verbraucht. Und die nächste Ernte ist erst in drei Monaten zu erwarten, frühestens. Die „Aktion pro Humanität“ erreichte ein Hilferuf per SMS.

Kevelaer/Niamey im Niger. Man kann es sich hierzulande so schlecht vorstellen: Sie gehen morgens zum Bäcker und der zuckt mit den Schultern und sagt: „Tut mir Leid, wir haben kein Brot. Wir haben auch kein Mehl mehr. Kommen Sie in drei Monaten wieder …“ Und doch gibt es Regionen auf unserer Erde, in denen dieses krasse Szenario immer wieder vorkommt. Jetzt, ganz aktuell, im großen Wüstenstaat Niger, Westafrika. Allein eine Million Kinder leiden an Hunger, schon jetzt. Und die Situation dürfte sich in den nächsten Wochen noch verschärfen. Der Grund ist dieses Mal keine Dürre- oder gar Zuvielregen-Periode – nein, die Lebensmittelvorräte, Mais, Getreide, Maniok – sie sind aufgegessen. Die letzte Ernte war nicht so ertragreich, die nächste Ernte kommt erst in drei Monaten – wenn alles gut geht. Erzbischof Laurent Lompo, ein Freund Kevelaers und seit zehn Jahren Partner der Stiftung Aktion pro Humanität, hat vor wenigen Tagen eine alarmierende SMS an die Vorsitzende der APH, Dr. Elke Kleuren-Schryvers, geschickt: „Die Menschen kommen zu mir und sagen: Bischof Laurent, wir haben Hunger, kannst du uns helfen?“

In diesen Tagen ist der engagierte Geistliche wieder in den Dörfern seiner Diözese unterwegs, an diesem Wochenende hat er 130 Kinder gefirmt. Und überall auf seinen pastoralen Besuchen wird er mit dem Leid der Menschen konfrontiert. „Was habe ich, um den Hunger so vieler Menschen zu stillen außer meiner Worte und Gebete. Doch die machen nicht satt?!“

Auch in der ländlichen Region Makalondi, wo die Stiftung Aktion pro Humanität seit mehr als 10 Jahren mit vielen Spendern und Partnern wie der Stiftung der Familie Seibt/Wesel-Flüren sowie der Familie Janssen & viele/Sonsbeck Brunnen baut und die medizinische Basisversorgung verbessert, hungern viele Menschen. Insgesamt sind es acht Regionen im Land, in denen der Hunger grassiert, gerade in den ländlichen Regionen.

Aktuell sind ca. zwei Millionen Menschen von schwerem und schwersten Hunger betroffen. Die Hitze ist unerträglich. 45-48 Grad Celsius nahezu jeden Tag. „Die Menschen sterben immer schneller, weil sie schwach sind. Bis zum August wird die Zahl rasant ansteigen, denn 4,5 Millionen Menschen gelten jetzt schon als deutlich gefährdet“, so Dr. Elke Kleuren-Schryvers.

Eine Million der jetzt schon Hungernden sind Kinder, eine Viertelmillion schwangere Frauen. Schon unter „normalen Bedingungen“ stirbt im Niger jedes fünfte Kind vor Erreichen des fünften Lebensjahres.

„Jetzt gilt es, die Zeit bis zur nächsten Ernte zu überbrücken“, so die Kevelaerer Medizinerin. Es gibt noch Märkte, auf denen Cerealien-, Mais- und Maniok eingekauft werden können. Doch die Menschen in den Hungerregionen haben kein Geld.“ Im Land selbst nennt man die momentane Situation des Hungers noch nicht Krise. Es ist eine „prekäre Situation des deutlich erschwerten Zugangs zu Nahrung speziell in der Phase der Übergangszeit“ .  Doch konkret bedeutet das: Hunger mit keiner oder maximal einer Mahlzeit am Tag.

Die Experten der Welternährungsorganisation FAO haben für diese Ernährungssituation der Menschen in diesem Sahelstaat den Fachbegriff „chronic hunger“ (chronischer Hunger) geschaffen. Das bedeutet: Hunger ist in diesem Land nicht mehr nur episodisch und krisenhaft vorkommend, sondern permanent existent. Für mehrere Millionen Menschen.

„Von Kevelaer, dem Ort der Consolatrix afflictorum, der Trösterin der Betrübten, kann und muss jetzt eine Botschaft in die Welt hinausgehen, weit über den Kapellenplatz hinaus. 5000 Kilometer Richtung Süden in den Niger, welches neben der tiefsten eigenen Armut seiner Menschen zur Drehscheibe für Flüchtlinge aus ganz Westafrika geworden ist“, so Elke Kleuren-Schryvers. „Menschen, die auf ihrem Weg durch die lybische Wüste und anschließend über das Meer vor Boko Haram fliehen, ihren Träumen folgen oder ihnen zum Opfer fallen. Inzwischen weiß man, dass mehr Flüchtende in dieser Wüste durch brutalste Schleppermethoden umgekommen sind als auf dem Meer. Die Lebenssituation der Menschen in ihren Heimatländern muss verbessert werden, durch uns und unser Teilen mit den Ärmsten.“

„Es ist, als ergeht die Aufforderung Jesu an seine eher unwilligen Jünger im Gleichnis von der wunderbaren Brotvermehrung jetzt direkt an uns“, so Domkapitular Rolf Lohmann, Rektor der Wallfahrt und Kuratoriumsmitglied der Stiftung der Aktion pro Humanität. „Gebt ihr ihnen zu essen! Es ist jetzt an uns, einen notwendigen Perspektivwechsel zu vollziehen. Hinschauen. Nicht wegschauen.“  Kleuren-Schryvers: „Geben wir den hungernden Menschen im Niger Nahrung und damit die Perspektive des Überlebens sowie einer Zukunft in ihrer Heimat.“

Pastor Rolf Lohmann stellte für die Kirchengemeinde St. Marien 3000 Euro als erste Nothilfe zur Verfügung. Eine erste, eine schon große Hilfe. Ein Sack Cerealien, also Hirse zum Beispiel, kostet derzeit 45 Euro – etwa eine Woche kann damit eine mehrköpfige Familie etwas zu essen haben.

Erzbischof Laurent Lompo ist gerührt und dankte den schnellen Helfern. Diese sofortige Reaktion gebe ihm Mut, den Menschen gegenüber zu treten. Und für die Hungernden sei es ein erstes, starkes Signal der Hoffnung.

Bischof LaurentWenn auch Sie mithelfen möchten, den Hunger den Menschen zu lindern: die APH hat ein bei der Volksbank an der Niers das Spendenkonto eingerichtet.

Konto: IBAN: DE39 3206 1384 4330 1300 11

www.pro-humanitaet.de