Beiträge

Weihbischof Rolf Lohmann ruft zur Hilfe auf und wird mit der Aktion pro Humanität im Januar wieder nach Westafrika reisen

Alle 12 Sekunden stirbt irgendwo auf der Welt ein Kind unter fünf Jahren an Unterernährung oder deren Folgen. Drei Millionen Kinder pro Jahr.

Jetzt hat der Hunger auch den Niger ereilt, wie zuvor schon einige andere Länder Afrikas.

Es wird Weihnachten – und Hunger gilt gemeinhin als das größte und lösbare Problem unserer Erde. Und doch werden in den nächsten neun bis zehn Monaten Millionen Menschen im Sahelstaat Niger hungern. Der Hunger ist nicht nur regional, sondern flächendeckend, im gesamten Land. Er geht weit über den sogenannten permanenten, chronischen Hunger, also die Unter- und Mangelernährung von zwei bis drei Millionen Menschen im Niger hinaus. Mit seiner nagenden, zerstörenden Wirkung nimmt er den Menschen jede Perspektive, macht sie völlig adynam und schwächt Körper und Seele bis zur völligen Reglosigkeit, bis zum Tod.

 

Seit 2005 ist die Stiftung Aktion pro Humanität (APH) dem afrikanischen Wüstenland in besonderer Weise über den heutigen Erzbischof Laurent Lompo verbunden.

„Hungerkinder sehen ganz „alt“ aus im wörtlichen und übertragenden Sinne“, so die Medizinerin und APH-Vorsitzende Dr. Elke Kleuren-Schryvers. „In ihren greisenhaften, traurigen Gesichtern behauptet der Tod sein Recht, die Spuren einer Zeit aufzudrücken, die nie verstrichen ist. So beschreibt es Martin Caparros in seinem Reportage-Buch „Der Hunger“ beeindruckend. Und an anderer Stelle heißt es: „Wenn ich nicht esse, ist meine Milch wertlos. Aber wenn ich esse, bleibt nichts für meine Kinder. Wenn ich also esse, um Milch zu haben, rette ich die beiden Jüngsten und überlassen die anderen sich selbst. Und wozu? Damit auch sie hungern… „, so sagt es Hussena, eine Mutter mit Zwillingen im Niger.“

Jetzt am Heiligen Abend versammeln sich um Mitternacht mehr als 1500 Christen in der Kathedrale von Niamey, der Hauptstadt des Niger, zur Christmette. Erzbischof Laurent Lompo wird die Messe zelebrieren. Sie wird zum Schutz vor islamistischen Übergriffen unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen stattfinden. Zuvor hat er am Nachmittag seine Weihnachtsbotschaft 2017 bei den Fernseh- und Radiostationen des Landes gesprochen. Eine noch schwierigere Botschaft als in den Jahren zuvor. Was sagt man den Menschen im ärmsten Land der Welt ? Wie tröstet man sie, baut sie auf, zeigt Perspektiven, warnt vor Alternativen wie der gefährlichen Flucht durch die Wüste und über das Mittelmeer?

„Ich werde unter meinen Landsleuten sein, und ich werde an die zig-Tausenden von Kindern denken, die in schlimmster Armut, völliger Anspruchslosigkeit und Ergebenheit Weihnachten in ihren Familien feiern. Familien, die in diesem Jahr nicht in Freude feiern könne, weil es einen „Mangel an Nahrung“ – so die offizielle Version – im ganzen Land gibt. Für mich als dem ersten Mann in der katholischen Kirche im Niger ist es ein tiefer Schmerz und eine große Sorge zugleich.“

Wie gern würde der Bischof, der es liebt, mit dem Moped zu den Dörfern auf dem Land hinaus zu fahren, allen Menschen schenken können, dass sie satt werden. Nachhaltig. Zukünftig. Immer. „In der Heiligen Nacht tragen wir jedes Jahr in einer feierlichen, großen Prozession einen Säugling zur Krippe in der Kathedrale und präsentieren so der Welt dieses nigrische Menschenkind – auch ein Kind unseres Schöpfers“.

Welches Leben, welche Chancen erwarten dieses Kind?  Millionen Bäuche im Niger werden auch am Heiligen Abend leer bleiben, sodass das Einschlafen in dieser Heiligen Nacht schwer fallen wird.

 

„Gemeinsam mit Caritas Niger und ersten großherzigen Spendern – wie der Stiftung der Familie Seibt von der Grav-Insel in Wesel-Flüren – werden wir in diesen Tagen vor Weihnachten noch mit allen Kräften versuchen, in die am allerschlimmsten von Hunger betroffenen Regionen Nahrungsmittel zu bringen.“

Am ersten Weihnachtstag wird Erzbischof Lompo das Gefängnis in Niamey mit über 1000 Insassen besuchen. Dort zelebriert er traditionell eine Messe, anschließend kommen Muslime und Christen unter den Gefangenen und Mitarbeitern, um Weihnachtswünsche und – grüße zu überbringen und entboten zu bekommen. Erst dann ißt man zusammen. Unterstützt wird diese Aktion von San Egidio. „Ich halte diese Tradition gerne und aus Überzeugung aufrecht, weil auch Jesus inmitten des Milieus der Armen geboren ist, um ihre Leiden zu lindern und sie alle als Kinder Gottes betrachtet hat“, sagt Laurent Lompo.

Am Abend kommen dann die obersten muslimischen Religionsvertreter an den Bischofssitz, um Ihre Weihnachtsgrüße persönlich zu übermitteln. Dieser Geste wird im Rahmen des interreligiösen Dialogs im Niger ganz besondere, wechselseitige Bedeutung zugemessen. Erzbischof Laurent Lompo, den so viele Menschen in Kevelaer und am Niederrhein von der Motorradfahrer- Wallfahrt kennen, grüßt die Menschen zu diesem Weihnachtsfest und segnet sie in großer Dankbarkeit für alle erfahrene Hilfe.

„YOUEUX NOEL!“ ruft er den Menschen hier zu. Frohe, gesegnete Weihnachten wünscht er auch seinem Bischofskollegen am Niederrhein, Rolf Lohmann. Beide sind über die Aktion pro Humanität seit vielen Jahren herzlich miteinander und für die Belange der Menschen im Niger verbunden. Noch anlässlich seiner Bischofsweihe im Juli erbat Weihbischof Lohmann Spenden für eine Grundschule auf dem Land, in Torodi im Niger. Jetzt ist erneut er es, der gemeinsam mit der Vorsitzenden der Stiftung Aktion pro Humanität, Dr. Elke Kleuren-Schryvers, am Niederrhein zur „Porte Parole“, zum Sprachrohr der hungernden Menschen im Niger wird.

„Bitte schenken wir jetzt sofort den Millionen Menschen im Niger, mit denen wir über unseren Weggefährten, Erzbischof Laurent Lompo, in besonderer Weise verbunden sind, eine Chance auf Überleben. Vor allem den Kindern und Müttern, die stets am Ende der „Ernährungskette“ stehen. Mit Papst Franziskus möchte ich uns alle, Sie, uns, mich, an die Seite der Armen und Ohnmächtigen stellen und zutiefst überzeugt seinen Gedanken teilen und verkünden, dass wir alle wieder lernen müssen, das Teilen zu unserem Lebensstil zu machen“, so Weihbischof Rolf Lohmann.

Im Januar 2018 wird er sich gemeinsam mit der Aktion pro Humanität neuerlich auf den Weg nach Westafrika machen, nach Benin und wenn es die Sicherheitslage zulässt, auch in den Niger. „Wir müssen den Menschen zeigen – auch durch unsere physische Präsenz – dass wir an ihrer Seite sind. Dass sie eben nicht vergessen sind und dass wir auch Erzbischof Laurent in seiner so schweren Aufgabe wirklich stärken und weiterhin konkret unterstützen möchten.“

Wer den Menschen im Niger helfen will, kann eine Spende auf das Konto der Aktion pro Humanität einzahlen, Stichwort: Hungerhilfe Niger.

Volksbank an der Niers, IBAN DE39 3206 1384 4330 1300 11

Infos: www.pro-humanitaet.de

Kind im NigerIm westafrikanischen Niger sind die Getreidevorräte verbraucht. Und die nächste Ernte ist erst in drei Monaten zu erwarten, frühestens. Die „Aktion pro Humanität“ erreichte ein Hilferuf per SMS.

Kevelaer/Niamey im Niger. Man kann es sich hierzulande so schlecht vorstellen: Sie gehen morgens zum Bäcker und der zuckt mit den Schultern und sagt: „Tut mir Leid, wir haben kein Brot. Wir haben auch kein Mehl mehr. Kommen Sie in drei Monaten wieder …“ Und doch gibt es Regionen auf unserer Erde, in denen dieses krasse Szenario immer wieder vorkommt. Jetzt, ganz aktuell, im großen Wüstenstaat Niger, Westafrika. Allein eine Million Kinder leiden an Hunger, schon jetzt. Und die Situation dürfte sich in den nächsten Wochen noch verschärfen. Der Grund ist dieses Mal keine Dürre- oder gar Zuvielregen-Periode – nein, die Lebensmittelvorräte, Mais, Getreide, Maniok – sie sind aufgegessen. Die letzte Ernte war nicht so ertragreich, die nächste Ernte kommt erst in drei Monaten – wenn alles gut geht. Erzbischof Laurent Lompo, ein Freund Kevelaers und seit zehn Jahren Partner der Stiftung Aktion pro Humanität, hat vor wenigen Tagen eine alarmierende SMS an die Vorsitzende der APH, Dr. Elke Kleuren-Schryvers, geschickt: „Die Menschen kommen zu mir und sagen: Bischof Laurent, wir haben Hunger, kannst du uns helfen?“

In diesen Tagen ist der engagierte Geistliche wieder in den Dörfern seiner Diözese unterwegs, an diesem Wochenende hat er 130 Kinder gefirmt. Und überall auf seinen pastoralen Besuchen wird er mit dem Leid der Menschen konfrontiert. „Was habe ich, um den Hunger so vieler Menschen zu stillen außer meiner Worte und Gebete. Doch die machen nicht satt?!“

Auch in der ländlichen Region Makalondi, wo die Stiftung Aktion pro Humanität seit mehr als 10 Jahren mit vielen Spendern und Partnern wie der Stiftung der Familie Seibt/Wesel-Flüren sowie der Familie Janssen & viele/Sonsbeck Brunnen baut und die medizinische Basisversorgung verbessert, hungern viele Menschen. Insgesamt sind es acht Regionen im Land, in denen der Hunger grassiert, gerade in den ländlichen Regionen.

Aktuell sind ca. zwei Millionen Menschen von schwerem und schwersten Hunger betroffen. Die Hitze ist unerträglich. 45-48 Grad Celsius nahezu jeden Tag. „Die Menschen sterben immer schneller, weil sie schwach sind. Bis zum August wird die Zahl rasant ansteigen, denn 4,5 Millionen Menschen gelten jetzt schon als deutlich gefährdet“, so Dr. Elke Kleuren-Schryvers.

Eine Million der jetzt schon Hungernden sind Kinder, eine Viertelmillion schwangere Frauen. Schon unter „normalen Bedingungen“ stirbt im Niger jedes fünfte Kind vor Erreichen des fünften Lebensjahres.

„Jetzt gilt es, die Zeit bis zur nächsten Ernte zu überbrücken“, so die Kevelaerer Medizinerin. Es gibt noch Märkte, auf denen Cerealien-, Mais- und Maniok eingekauft werden können. Doch die Menschen in den Hungerregionen haben kein Geld.“ Im Land selbst nennt man die momentane Situation des Hungers noch nicht Krise. Es ist eine „prekäre Situation des deutlich erschwerten Zugangs zu Nahrung speziell in der Phase der Übergangszeit“ .  Doch konkret bedeutet das: Hunger mit keiner oder maximal einer Mahlzeit am Tag.

Die Experten der Welternährungsorganisation FAO haben für diese Ernährungssituation der Menschen in diesem Sahelstaat den Fachbegriff „chronic hunger“ (chronischer Hunger) geschaffen. Das bedeutet: Hunger ist in diesem Land nicht mehr nur episodisch und krisenhaft vorkommend, sondern permanent existent. Für mehrere Millionen Menschen.

„Von Kevelaer, dem Ort der Consolatrix afflictorum, der Trösterin der Betrübten, kann und muss jetzt eine Botschaft in die Welt hinausgehen, weit über den Kapellenplatz hinaus. 5000 Kilometer Richtung Süden in den Niger, welches neben der tiefsten eigenen Armut seiner Menschen zur Drehscheibe für Flüchtlinge aus ganz Westafrika geworden ist“, so Elke Kleuren-Schryvers. „Menschen, die auf ihrem Weg durch die lybische Wüste und anschließend über das Meer vor Boko Haram fliehen, ihren Träumen folgen oder ihnen zum Opfer fallen. Inzwischen weiß man, dass mehr Flüchtende in dieser Wüste durch brutalste Schleppermethoden umgekommen sind als auf dem Meer. Die Lebenssituation der Menschen in ihren Heimatländern muss verbessert werden, durch uns und unser Teilen mit den Ärmsten.“

„Es ist, als ergeht die Aufforderung Jesu an seine eher unwilligen Jünger im Gleichnis von der wunderbaren Brotvermehrung jetzt direkt an uns“, so Domkapitular Rolf Lohmann, Rektor der Wallfahrt und Kuratoriumsmitglied der Stiftung der Aktion pro Humanität. „Gebt ihr ihnen zu essen! Es ist jetzt an uns, einen notwendigen Perspektivwechsel zu vollziehen. Hinschauen. Nicht wegschauen.“  Kleuren-Schryvers: „Geben wir den hungernden Menschen im Niger Nahrung und damit die Perspektive des Überlebens sowie einer Zukunft in ihrer Heimat.“

Pastor Rolf Lohmann stellte für die Kirchengemeinde St. Marien 3000 Euro als erste Nothilfe zur Verfügung. Eine erste, eine schon große Hilfe. Ein Sack Cerealien, also Hirse zum Beispiel, kostet derzeit 45 Euro – etwa eine Woche kann damit eine mehrköpfige Familie etwas zu essen haben.

Erzbischof Laurent Lompo ist gerührt und dankte den schnellen Helfern. Diese sofortige Reaktion gebe ihm Mut, den Menschen gegenüber zu treten. Und für die Hungernden sei es ein erstes, starkes Signal der Hoffnung.

Bischof LaurentWenn auch Sie mithelfen möchten, den Hunger den Menschen zu lindern: die APH hat ein bei der Volksbank an der Niers das Spendenkonto eingerichtet.

Konto: IBAN: DE39 3206 1384 4330 1300 11

www.pro-humanitaet.de