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Aktion pro Humanität möchte Menschen in Afrika weiter unterstützen
(Text zur Veröffentlichung in KIRCHE & LEBEN)

Wallfahrtsrektor Gregor Kauling segnete die drei Holzkreuze, die aus einem verkohlten Balken aus dem Niger gefertigt wurden. Foto: Bischöfliche Pressestelle / Christian Breuer

Kevelaer (pbm/cb). Mit einem verkohlten Holzbalken im Gepäck sind Mitglieder der Kevelaerer „Aktion pro Humanität“ (APH) von ihrer jüngsten Reise in den Niger zurückgekehrt. Das Holz gehörte zu einem kirchlichen Gebäude, das bei den Terrorangriffen auf 70 christliche Einrichtungen im Jahr 2015 in Brand gesteckt wurde. „Viele der Gebäude liegen noch immer in Schutt und Asche“, berichtete Dr. Elke Kleuren-Schryvers, APH-Vorsitzende, von ihren Eindrücken.

Aus dem Holzbalken hat Schreiner Heinz-Peter Tervooren, der mit im Niger war, drei Kreuze gefertigt. Unter der schwarz verkohlten Rinde ist zu sehen, wie tief die Hitze bis in das helle Holz gewirkt hat. Am 27. März hat der Kevelaerer Wallfahrtsrektor Gregor Kauling die Kreuze in der Gnadenkapelle gesegnet. Das Kreuz, betonte er, sei nicht nur ein Zeichen des Todes, sondern auch der Hoffnung und der Auferstehung.

So sollen auch die drei verkohlten Kreuze die Dankbarkeit und Hoffnung der Menschen im Niger ausdrücken, sagte Kleuren-Schryvers nach der Segnung. „In dem Land herrscht eine tiefe Perspektivlosigkeit, die Menschen hungern“, schilderte sie eindrücklich. Durch die Hilfe vieler Niederrheiner jedoch würden einige Menschen Trost erfahren. Das habe ihr Erzbischof Laurent Lompo, mit dem die APH in Afrika zusammenarbeitet, ausdrücklich bestätigt. „Der Erzbischof grüßt die Niederrheiner und bedankt sich für die Nahrungsmittelhilfen, die wir leisten konnten. Er kann den Menschen zeigen, dass es gefüllte Speicher gibt, das tröstet sie. Wir konnten sehr intensiv helfen“, sagte Kleuren-Schryvers.

Bei ihrer Niger-Reise besichtigten die APH-Mitglieder erstmals seit sieben Jahren einige Projekte, die durch die Hilfe aus Kevelaer ermöglicht wurden. Dazu zählten neben Brunnen und einer Krankenstation auch Felder, die von Frauen bewirtschaftet werden, deren Eigenständigkeit durch sogenannte Mikrokredite ermöglicht werden soll. „Die Menschen kann man durch Zuwendung überzeugen“, hatte Kleuren-Schryvers bei der Reise erfahren, „es ist so leicht, den Menschen mit wenig Geld eine Perspektive zu geben.“ Wichtig sei dabei der interreligiöse Dialog, zu dem die Kirchenvertreter auch unmittelbar nach den Terroranschlägen aufgerufen hätten. „Gerade jetzt vor Ostern sind die Menschen nicht ohne Sorge, auch wir mussten unter Militärschutz reisen. Dennoch haben Erzbischof Lompo und viele andere Menschen ihre Bemühungen um den interreligiösen Dialog noch intensiviert.“

Das erste der drei Kreuze, mit denen der Dank der Menschen im Niger ausgedrückt werden soll, bekam Wallfahrtsrektor Kauling, stellvertretend für die Pfarrei St. Marien. Ein weiteres Kreuz soll sein Vorgänger im Amt, der heutige Weihbischof Rolf Lohmann erhalten. Erzbischof Lompo wird schließlich während des Katholikentags in Münster, der vom 9. bis 13. Mai gefeiert wird, das dritte Kreuz an einen Vertreter des Bistums übergeben. „Auch das Bistum Münster hat geholfen, dass alle Kirchen, die 2015 im Niger niedergebrannt wurden, in diesem Jahr wieder geöffnet werden können. Das ist für die Menschen dort ein starkes, wichtiges Zeichen“, erklärte Kleuren-Schryvers.

Aktion pro Humanität :
Hilferufe aus Syrien und dem Niger –  Den Menschen in Not an der Seite sein – in Syrien und im Niger.

Unsere Welt-Un-Ordnung wirft ihre Schatten bis zu uns an den Niederrhein, bis nach Kevelaer. Von hier arbeitet die Stiftung Aktion pro Humanität seit mehr als 20 Jahren und versucht gemeinsam mit den Menschen am Niederrhein Bote und Realisierer von Trost und Perspektive in der Welt zu sein.

Die Menschen an vielen Orten dieser Welt wissen das inzwischen. So kommt es immer wieder zu ganz konkreten Hilferufen nach Kevelaer. In diesen Tagen kommen sie aus Syrien und dem Niger.

Erzbischof Laurent Lompo, Niamey, Niger

Erzbischof Laurent Lompo aus dem Niger bittet aus ganz anderen Gründen um Hilfe. Der Sahelstaat mit einer 20 Millionen Bevölkerung hungert. Er bittet dringend um Hilfestellung für die Spezialzentren, die sich um unterernährte Kinder und Mütter kümmern. Die internationale Hilfe wegen der Hungersituation einiger Millionen Menschen ist zwar erbeten und angefordert, aber noch nicht angelaufen. Aktion pro Humanität hat im Dezember schon mit einer ersten großen Spendenaktion helfen können. Der Hunger wird noch mindestens bis zur nächsten Ernte im November dauern. Und man sagt, dass der Hunger der ersten 1000 Lebenstage eines Kindes lebenslängliche Folgen zeigt.

„Bei unserem Besuch im Niger im Januar diesen Jahres haben wir drei dieser Zentren gesehen, die zu den Sprechstunden mit den Untersuchungen der Kinder, mit Wiegen und Messen, mit der Verteilung der Nahrungsmittel alle Hände voll zu tun hatten. Und ab März erwartete man dort eine deutliche Verschlechterung der Situation. Man schätzte, das es zwei- bis dreimal so viele bedürftige Kinder und Mütter geben werde. März ist es nun geworden.

Am Sonntag, den 11. März 2018 gab es in Niamey eine große Fasten-Wallfahrt, die von morgens um 8.00 Uhr bis abends um 18.00 Uhr dauerte. 3500 Christen kamen an den Bischofssitz und in die Kathedrale, beteten und sangen. Ihre Intention war u.a. auch die Bitte um Linderung ihrer eigenen Hungersituation im Land. Es gab keine Störungen oder Übergriffe. Allerdings war die Veranstaltung durch Militärpräsenz geschützt.

Wie bereits schon einige Male zuvor wird die Stiftung der Familie Seibt aus Wesel-Flüren/Grav-Insel diese Nothilfe-Aktion der Stiftung Aktion pro Humanität in der Fastenzeit mit konkretem Handeln begleiten. 12.500 Euro werden von Frank Seibt für die Nothilfe (Nahrungsmittel, Medikamente, Verbandsmaterialien, Baustoffe) zugunsten der leidenden Menschen in Damaskus bereitgestellt. Weitere 12.500 Euro sind für die Hungerhilfe im Niger bestimmt, wo die Stiftung der Familie Seibt bereits im Dezember sehr, sehr großherzig interveniert hatte. Im Niger werden damit aktuell drei Feeding-Center zur Behandlung von unterernährten Kindern und Müttern unterstützt.

Starke Zeichen der Hoffnung für die Menschen in so großer Not und ein großes Startkapital für diese Hilfsaktion vom Niederrhein in der Fastenzeit 2018!

Sie können sich an die Seite dieser Menschen in Not stellen.

Spendenkonto der
Stiftung Aktion pro Humanität
Volksbank an der Niers IBAN DE39 32061384 43301300 11

Stichwort  Niger

Tagebuch Januar 2018 / 6 Teil 2

Der Staat bezahlt die über 20 Mitarbeiter seit 7 Monaten nicht mehr. Aufgrund der kostenlosen Behandlungen für die Menschen – immerhin eine große Erleichterung – werden jedoch auch so gut wie keine Reparaturen durchgeführt. Man zeigt uns die defekte Saugglocke, die nicht mehr benutzt werden kann und das nicht mehr funktionsfähige Absauggerät.

Für die unterernährten Kinder, die morgens zur Station kommen, gibt’s eine Diagnose … aber keine Nahrung, wenn die Mütter sie nicht kaufen können. Das erschüttert uns, macht uns wütend … Es war sauber dort, wo wir gemeinsam mit der Mission Catholique und Caritas Niger vor einigen Jahren versucht haben, alte Bausubstanz so gut wie möglich zu reaktivieren und das kleine Gebäude für wenige Betten zur Hospitalisation neu erstellt haben. Aber alles wirkt so mutlos, so leer.

Allerdings ist es wirklich so im Sahel, dass die Menschen den oft 10 Kilometer langen Fußweg noch in der Nacht antreten, um frühmorgens dort zu sein. Noch weit vor der Mittagshitze wollen sie wieder zurücklaufen. So ist es oft mittags schon leer in diesen Dispensaires. Dennoch wird auch die Kirche künftig solche Kooperationen nicht mehr machen. Aber Makalondi ist momentan die einzige Krankenstation im Umkreis von mehr als 50 Kilometern für mindestens 50.000 Menschen von Grenze nach Burkina Faso bis zur Prefecture-Stadt Torodi.

Wir sehen eine sehr junge Mutter mit ihrem Baby dort in der Maternite, die vor wenigen Stunden entbunden hat. Gegen Abend geht sie heim, zu Fuß. Wir kapieren, so wütend wir auch sind, dass wir die Saugglocke, das Absauggerät ersetzen sollten. Um der Menschen willen. Denn der Staat wird es nicht tun, weil er angeblich alle Finanzressourcen in die Sicherheit stecken muss.

Und die Menschen leiden und sterben unnötig. Vor allem Frauen und Kinder.

Ich muss noch weiter schreiben von diesen Eindrücken an diesem unglaublichen Tag: Um die Mittagessenszeit sahen wir unsere Buamtandi-Frauen wieder. Es waren noch viel, viel mehr Frauen geworden. Musliminnen, Christinnen, alle in ihren Festtagsgewändern. Wir schätzen, dass es jetzt ca. 500 Frauen waren! Sie bedankten sich, wollten Hände schütteln, tanzen. Eine unglaubliche Lebensfreude inmitten tiefster Armut. Unvergesslich dieses Bild unter dem großen Baobab-Baum!

Auch unser Erzbischof Laurentius hat scheinbar an diesem Tag viele Erinnerungen. Er berichtet uns im Auto von seinem 9 Kilometer langen Schulweg von Kolbou nach Makalondi. Morgens hin, abends zurück. Zwei Jahre lang. Bis seine Freunde aus Bamberg, die damals als Entwicklungshelfer in seiner Region waren, andere Lösungen für ihn fanden, weil sie ihn fördern wollten.

Er träumte als Kind davon, einmal ein Päckchen der kleinen Zuckerklümpchen und eine Tüte Datteln ganz für sich allein haben zu dürfen. Dann, so meinte er damals, hätte er es geschafft und müsste Gott sehr danken für sein Leben. Er muss selbst noch sehr lachen, als er uns das erzählt.

 

Dann fahren wir weiter nach Torodi, wo eine ländliche Grundschule dringend für das nächste Jahr zunächst eine weitere Klasse benötigt. Bautechnisch besser wäre ein zweiter Gebäudeblock gegenüber dem ersten mit drei Klassen.

Bischof Laurent besucht mit uns alle drei schon existierenden Klassen und checked ab, wie das Bildungsniveau der Kinder von der ersten bis dritten Klasse ist. Diese Grundschule könnte mit den Spendenmitteln von der Bischofsweihe, unserer APH-Beteiligung sowie einiger weiterer Baustein­spenden realisiert werden. Die Kids, überwiegend muslimische Mädchen und Jungen, die von Ordensschwestern und muslimischen Praktikantinnen ausgestattet werden, sind hellwach und ganz agil!

 

Am späteren Nachmittag kommen wir „nach Hause“ – so empfinden wir es alle und trinken erst einmal ein „Nobeltje“ auf die gute Rückkehr. Froh und dankbar, dass alles ohne Zwischenfälle funktioniert hat. Voll von unglaublichen Eindrücken, die mich auch jetzt beim Schreiben noch mit voller Kraft wieder einholen …

Im Niger – Januar 2018 – Teil 6

Wir beten gemeinsam und angesichts der tiefen Ergebenheit und auch Offenheit Laurents bezüglich dieser schweren Situation in seiner Familie sind wir alle drei sehr still, als wir langsam wieder Anschluss suchen an die Gruppe. Alle Familien hier und überall auf der Welt haben solche menschlichen Tragödien als Kreuze zu tragen. Gleich, ob sie Bischöfe, Politiker, Geschäftsleute oder Viehzüchter sind.

Und ich denke plötzlich auf dem Weg zwischen den Hütten daran, wie sehr Laurent mich gestärkt und getragen hat nach dem Tod von Herbert. Wie er sich mit Peter und mir über unsere Beziehung und die neue Lebensperspektive gefreut hat. Wie er zu unserer Hochzeit – damals schon als Weihbischof – mit uns war, als Rolf Lohmann uns im Klarissenkloster getraut hat. Mir fallen die Szenen am Sterbebett meines Vaters ein, wo er so lange mit uns gewacht und gebetet hat. Jetzt beten wir mit ihm am Krankenbett seines Bruders.

Als wir ins Dorf hineingingen, haben wir alle gestoppt, um an den Gräbern von Laurents Vater und Mutter zu beten. Pere Vito, der 70 jährige italienische Priester ist Missionar für Afrika (SMA) und seit über 30 Jahren in Burkinas Faso und im Niger unterwegs mit den Menschen.

Immer in den ländlichen Regionen, unter für mich schier unmöglichen Lebensbedingungen, jedoch wirklich ganz, ganz nah bei den Ärmsten der Armen. Er erzählt mir, dass er hier im Dorf Laurents Mutter beerdigt hat, als Laurent bei uns in Deutschland war. Wir haben mit ihm für seine Mutter, die Christin war, die Auferstehungsmesse im Klarissenkloster zusammen mit unserem APH-TEAM gefeiert.

Auch bei der Beerdigung meines Vaters war Laurent noch mit uns – wieder als Konzelebrant mit Rolf Lohmann. Alle diese Bilder ziehen an mir vorbei als wir das Gehöft der Familie Lompo im Dorf Kolbou verlassen. Aus den Augenwinkeln nimmt man die Militärs wahr, die immer in Abstand um uns sind. Doch die Situation hat nichts Bedrohliches. Ich kann ganz ruhig weiterdenken hier inmitten dieses Saheldorfes, wie sehr sich unsere Lebenswege und Familiengeschichten alle miteinander verwoben haben – trotz der 5000 Kilometer Entfernung, des anderen Kontinents, der ganz anderen Lebensplanungen.

Ich sehe Laurent und Rolf Lohmann lachend gemeinsam auf dem Motorrad bei der MOWA auf den Kapellenplatz fahren und denke auch an schwere Zeiten für Laurent zu Beginn seines Bischofsamtes, an die Zeit der tiefen Bestürzung unmittelbar nach den Kirchenschändungen hier im Niger, wo Peter und ich gemeinsam mit Rolf Lohmann – damals noch als Rektor der Wallfahrt in Kevelaer – an seiner Seite sein konnten. Lebenswege, die auf diesem kurzen Fußweg durch den Sand, entlang an den Lehmmauern der Hütten, in gleißender Mittagshitze, ganz lebendig werden und als tiefes Glück dankbar empfunden werden können hier im Niger.

Auf dem weiteren Weg sehen wir das Terrain für das Mare, welches noch in der Nähe von Kolbou liegt.

 

Besuch Brunnendorf

Dann geht es wieder im Auto weiter in das kleine Dorf Tiboanti, wo einer der zuletzt errichteten Brunnen aus 2017 entstanden ist. 37 Brunnen sind seit dem ersten Kevelaer-Brunnen im Jahre 2005 gefolgt.

Das berichtet Dieudonné, unser nigrischer Sozialarbeiter, der für alle Brunnen und  Brunnen- Komitees der lokalen Bevölkerung zuständig ist.

Auf dem Rückweg nach Makalondi besuchen wir noch die neu gebaute Apotheke, die von der Kirche und Ordensschwestern betrieben wird – mit Medikamentenhilfe als Support von der action medeor.

Diese Apotheke ist in Funktion und Betrieb eigenständig und unabhängig von der staatlichen Krankenstation in Makalondi. Sie hilft der Bevölkerung sehr, dort nahbei die Medikamente zu finden, die verordnet wurden.

Ich denke an die fröhlichen, alljährlichen Gartenfeste von Irene Martens und Axel Baumanns, die das und Vieles mehr im Niger ermöglicht haben.

 

Die Ordensschwestern haben alles gut in Schuss. All das vermittelt ein gutes Gefühl. Nach dem Mittagessen in dem kleinen Kirchenanwesen sehen wir dann die staatliche Krankenstation in Makalondi erstmals nach sieben Jahren wieder.

Abschied von Gohomey, auf nach Niamey

6.00 Uhr morgens, Dienstag, 23.01.2018. Die Morgenfrische hier im Niger ist einfach wunderschön um diese Jahreszeit. Und als wir die kleine Privatkapelle von Laurent betreten mit einem prägnanten Altar-Bild in rot-braunen Farbtönen und einem ganz besonderen, in seiner Einfachheit bestechenden Kreuzweg, nimmt der Tag mit dieser kurzen, aber eindrucksvollen Eucharistiefeier einen ganz besonderen Lauf. Mich persönlich bewegt diese intensive, gerade auch spirituelle  Gemeinschaft von uns Fünfen zusammen mit Laurent nachhaltig.

Nach dem Frühstück gebt es ziemlich unmittelbar los. Trinkwasser ist in der Kühlbox an Bord. Kekse etc. ebenso. Zwei Pickups stehen an der Ausfahrt des Erzbischöflichen Terrains bereit – jeweils mit 6 Soldaten besetzt – Maschinengewehr im Anschlag. Begrüßung nicht gewünscht. Immer noch ist die Stimmung bedrückt auf Seiten unserer nigrischen Freunde ob dieser Aktion. Wir fünf können das so abbuchen, dass es sicher eine gut gemeinte Aktion der Botschaft war zu unserer Sicherheit. Wobei ich persönlich finde, dass Humanitäre so nicht im Land unterwegs sein  sollten und man Schutz  sicher auch diskreter gestalten könnte. Ausserdem: dieser Aufwand wird nur für uns Weisse betrieben.

Allerdings sagt Laurent auch, dass an Weihnachten der Schutz der Christen bei den Messen in der Kathedrale sehr professionell und gut war.

Beeindruckend auch, wie Laurent den interreligiösen Dialog wirklich verinnerlicht hat. Nahezu überall, wo wir beten, betet er auch ein muslimisches Gebet, wenn Muslime da sind und keiner sonst das übernimmt. Auch der Reisesegen in unserem Auto wird zunächst in Form eines christlichen Gebets und dann für einen mit uns reisenden muslimischen Mitarbeiter von Caritas Niger in einer ihm bekannten Gebetsform gespendet. Laurent sagt, dass jeder Priester im Niger auch drei wichtige, kurze Gebete der Muslime kennen muss.

Die Fahrt nach Makalondi verläuft im Konvoi mit den Militärs sehr zügig. Die Straßensituation lässt 120 km/Std. zu. Immer weniger Grünes sehen wir. Immer mehr tauchen wir tiefer in eine wirkliche Sahellandschaft ein. Kamele am Strassenrand, vollbeladene Eselskarren ….

Zuerst sehen wir Frauen aus der Frauengruppe Buamtandi. Wir lernen Schwester Perpetua kennen, die 54 Frauengruppen mit insgesamt ca. 2000 Frauen in landwirtschaftlichen Projekten und Viehzucht managt. Eine geniale, lachende Frau, der es unendliche Freude macht, wenn wieder eine dörfliche Gemeinschaft über die Frauen integriert werden will bei Buamtandi. Die Frauen tanzen und singen, danken und sind sehr froh.

Anschließend fahren wir weiter zum Gemüsegartenprojekt. Wir fahren zwei, drei Kilometer. Sand, alles ist trocken, staubig. Etwas Buschwerk nur. Auf einmal eine Fläche von ca. einem Hektar. Alles tiefgrün. Frauen gießen ihre kleinen Beete, säubern sie. Ein kleiner Oberflächenbrunnen liefert das Wasser. Man steht dort mitten in all der Dürre wie in einer grünen Oase. Es bewegt mich so, das mir die Tränen aufsteigen, ohne dass ich es verhindern kann. Was diese Frauen – Musliminnen und Christinnen – miteinander bewegen und wie viel Vorbereitungen und Energien es kostet, so weit zu kommen!

Dann fahren wir weiter in Laurents Heimatdorf. Dort sitzen wir kurz in seiner Hütte und treffen zunächst zwei seiner leiblichen Brüder. Einer ist nach dem Tod des Vaters Dorfchef geworden. Eine sehr eindrückliche Erscheinung ohne eine wesentliche Regung. Sehr stolz, sehr ernst. Erlässt keinen Zweifel daran, wer in der Familie bestimmt, auch wenn der jüngere Bruder Erzbischof ist. In der Familie von Laurent leben Muslime und Christen -wie überall – miteinander. Dann bittet Laurent Peter und mich, mit ihm seinen seit 45 Jahren schwerst geistig behinderten leiblichen Bruder in seiner Hütte zu besuchen und mit ihm dort bei dem Bruder zu beten. Als Kind war dieser Mann bis zu seinem 5. oder 7. Lebensjahr ganz gesund und blitzgescheit, wie Laurent berichtet. Die Ursache seiner Erkrankung ist völlig unklar geblieben bis heute…Trotz aller ärztlichen Konsultationen. Wir lassen etwas Geld als Hilfe dort…

Kind im NigerIm westafrikanischen Niger sind die Getreidevorräte verbraucht. Und die nächste Ernte ist erst in drei Monaten zu erwarten, frühestens. Die „Aktion pro Humanität“ erreichte ein Hilferuf per SMS.

Kevelaer/Niamey im Niger. Man kann es sich hierzulande so schlecht vorstellen: Sie gehen morgens zum Bäcker und der zuckt mit den Schultern und sagt: „Tut mir Leid, wir haben kein Brot. Wir haben auch kein Mehl mehr. Kommen Sie in drei Monaten wieder …“ Und doch gibt es Regionen auf unserer Erde, in denen dieses krasse Szenario immer wieder vorkommt. Jetzt, ganz aktuell, im großen Wüstenstaat Niger, Westafrika. Allein eine Million Kinder leiden an Hunger, schon jetzt. Und die Situation dürfte sich in den nächsten Wochen noch verschärfen. Der Grund ist dieses Mal keine Dürre- oder gar Zuvielregen-Periode – nein, die Lebensmittelvorräte, Mais, Getreide, Maniok – sie sind aufgegessen. Die letzte Ernte war nicht so ertragreich, die nächste Ernte kommt erst in drei Monaten – wenn alles gut geht. Erzbischof Laurent Lompo, ein Freund Kevelaers und seit zehn Jahren Partner der Stiftung Aktion pro Humanität, hat vor wenigen Tagen eine alarmierende SMS an die Vorsitzende der APH, Dr. Elke Kleuren-Schryvers, geschickt: „Die Menschen kommen zu mir und sagen: Bischof Laurent, wir haben Hunger, kannst du uns helfen?“

In diesen Tagen ist der engagierte Geistliche wieder in den Dörfern seiner Diözese unterwegs, an diesem Wochenende hat er 130 Kinder gefirmt. Und überall auf seinen pastoralen Besuchen wird er mit dem Leid der Menschen konfrontiert. „Was habe ich, um den Hunger so vieler Menschen zu stillen außer meiner Worte und Gebete. Doch die machen nicht satt?!“

Auch in der ländlichen Region Makalondi, wo die Stiftung Aktion pro Humanität seit mehr als 10 Jahren mit vielen Spendern und Partnern wie der Stiftung der Familie Seibt/Wesel-Flüren sowie der Familie Janssen & viele/Sonsbeck Brunnen baut und die medizinische Basisversorgung verbessert, hungern viele Menschen. Insgesamt sind es acht Regionen im Land, in denen der Hunger grassiert, gerade in den ländlichen Regionen.

Aktuell sind ca. zwei Millionen Menschen von schwerem und schwersten Hunger betroffen. Die Hitze ist unerträglich. 45-48 Grad Celsius nahezu jeden Tag. „Die Menschen sterben immer schneller, weil sie schwach sind. Bis zum August wird die Zahl rasant ansteigen, denn 4,5 Millionen Menschen gelten jetzt schon als deutlich gefährdet“, so Dr. Elke Kleuren-Schryvers.

Eine Million der jetzt schon Hungernden sind Kinder, eine Viertelmillion schwangere Frauen. Schon unter „normalen Bedingungen“ stirbt im Niger jedes fünfte Kind vor Erreichen des fünften Lebensjahres.

„Jetzt gilt es, die Zeit bis zur nächsten Ernte zu überbrücken“, so die Kevelaerer Medizinerin. Es gibt noch Märkte, auf denen Cerealien-, Mais- und Maniok eingekauft werden können. Doch die Menschen in den Hungerregionen haben kein Geld.“ Im Land selbst nennt man die momentane Situation des Hungers noch nicht Krise. Es ist eine „prekäre Situation des deutlich erschwerten Zugangs zu Nahrung speziell in der Phase der Übergangszeit“ .  Doch konkret bedeutet das: Hunger mit keiner oder maximal einer Mahlzeit am Tag.

Die Experten der Welternährungsorganisation FAO haben für diese Ernährungssituation der Menschen in diesem Sahelstaat den Fachbegriff „chronic hunger“ (chronischer Hunger) geschaffen. Das bedeutet: Hunger ist in diesem Land nicht mehr nur episodisch und krisenhaft vorkommend, sondern permanent existent. Für mehrere Millionen Menschen.

„Von Kevelaer, dem Ort der Consolatrix afflictorum, der Trösterin der Betrübten, kann und muss jetzt eine Botschaft in die Welt hinausgehen, weit über den Kapellenplatz hinaus. 5000 Kilometer Richtung Süden in den Niger, welches neben der tiefsten eigenen Armut seiner Menschen zur Drehscheibe für Flüchtlinge aus ganz Westafrika geworden ist“, so Elke Kleuren-Schryvers. „Menschen, die auf ihrem Weg durch die lybische Wüste und anschließend über das Meer vor Boko Haram fliehen, ihren Träumen folgen oder ihnen zum Opfer fallen. Inzwischen weiß man, dass mehr Flüchtende in dieser Wüste durch brutalste Schleppermethoden umgekommen sind als auf dem Meer. Die Lebenssituation der Menschen in ihren Heimatländern muss verbessert werden, durch uns und unser Teilen mit den Ärmsten.“

„Es ist, als ergeht die Aufforderung Jesu an seine eher unwilligen Jünger im Gleichnis von der wunderbaren Brotvermehrung jetzt direkt an uns“, so Domkapitular Rolf Lohmann, Rektor der Wallfahrt und Kuratoriumsmitglied der Stiftung der Aktion pro Humanität. „Gebt ihr ihnen zu essen! Es ist jetzt an uns, einen notwendigen Perspektivwechsel zu vollziehen. Hinschauen. Nicht wegschauen.“  Kleuren-Schryvers: „Geben wir den hungernden Menschen im Niger Nahrung und damit die Perspektive des Überlebens sowie einer Zukunft in ihrer Heimat.“

Pastor Rolf Lohmann stellte für die Kirchengemeinde St. Marien 3000 Euro als erste Nothilfe zur Verfügung. Eine erste, eine schon große Hilfe. Ein Sack Cerealien, also Hirse zum Beispiel, kostet derzeit 45 Euro – etwa eine Woche kann damit eine mehrköpfige Familie etwas zu essen haben.

Erzbischof Laurent Lompo ist gerührt und dankte den schnellen Helfern. Diese sofortige Reaktion gebe ihm Mut, den Menschen gegenüber zu treten. Und für die Hungernden sei es ein erstes, starkes Signal der Hoffnung.

Bischof LaurentWenn auch Sie mithelfen möchten, den Hunger den Menschen zu lindern: die APH hat ein bei der Volksbank an der Niers das Spendenkonto eingerichtet.

Konto: IBAN: DE39 3206 1384 4330 1300 11

www.pro-humanitaet.de