APH – Aktive in Benin

Dr. Elke Kleuren Schryvers
Vorsitzende Stiftung Aktion pro Humanität

Immer sind es die Menschen, die einem begegnen! Dort in Afrika und hier. Diese Begegnungen sind das große Geschenk dieses humanitären Tuns. Von den Menschen in Afrika lernte ich Mitleid von konstruktivem Mit-Leiden zu unterscheiden. Mit-Leiden, aus dem Handlung, Reaktion, Hilfe erwächst. Jede Projektreise wird hier zu einem neuen Impulsgeber.

Von den Menschen, die uns hier seit 20 Jahren begleiten, erfuhr ich ganz praktisch und oftmals sehr beeindruckend, was es konkret bedeutet, wenn man von „Menschen guten Willens“ redet.

So bereichert diese humanitäre Arbeit intensiv, öffnet den Geist und das Herz in besonderer Weise. Vertieft den Glauben, wo man doch denken könnte, dass er einem abhanden kommen könnte, in Anbetracht allen Elends, aller Not.

Die Dimension und Nuancierungen der Bedeutungen von Partnerschaft, Kooperation, Freundschaft, und auch die der Geschwisterlichkeit in unserer einen Welt erfährt man als Reaktionen und Entwicklungen des Verstandes, der Herzen und des Glaubens auf solche Begegnungen im Verlauf der Zeit.

 

Dr. Rüdiger Kerner
Stiftung Aktion pro Humanität

Dr. Rüdiger Kerner gehört schon seit vielen Jahren zum Team der „reisenden Gohomey-Mediziner“

In unserem Endo (Endoscopie) – Team sind wir jetzt zu viert! Neben Hildegard Kleinen und Silvia Kölbel verstärkt Rosa Tuinenborg unser Team! Sie ist eine junge, angehende Internistin aus meinem Team im Marienhospital in Kevelear. Rosa  verstärkt tatkräftig unsere Mannschaft. Und sie spricht und schreibt französisch und endoscopiert fleißig. Außerdem senkt sie mit ihren 27 Jahren unseren Altersdurchschnitt in der Truppe der Beninfahrer. Damit ihr euch ein Bild von unserem Tagesablauf machen könnt: Heute 7:30 Uhr Frühstück, 8:00 Uhr Visite. Danach 13 Gastroskopien, zwei Koloskopien, Sonographien, Punktionen und zu guter Letzt mit unseren neuen, sehr netten Nachbarn (Anm. der Redaktion: Zahnarzt Dr. Roland Klein hat eine kleine „Praxis“ gleich neben der Endoskopie) eine gemeinsame Patientenbehandlung, so zusagen fachgebietübergreifend.

Das hat uns allen sehr viel Spaß gemacht – hat uns aber auch gefordert!

Dr. Roland Klein mit Angelika und Martin Klein
Die afrikareisende Zahnarztfamilie

Was vor wenigen Jahren begann, nimmt nun immer deutlichere Strukturen an. Dr. Klein hat mit Sohn und Ehefrau den neuen Zahnarztstuhl in Betrieb genommen.

Dr. Klein: „Wir haben Verstärkung bekommen. Modeste ist Krankenpfleger, hoch motiviert und interessiert an der Zahnheilkunde und er spicht englisch! Ein Schatz, da wir kaum ein französisches Wort sprechen, wie auch viele unserer Patienten und Modeste kann übersetzen. Wir freuen uns, dass der Stuhl funktioniert, auch wenn seine Anschlüsse eine afrikanische Lösung sind (sie sind außerhalb des Stuhles).

Alles sieht nicht nur proper aus und funktioniert  gut, es macht richtig Spaß in „unser Zweitpraxis“ zu arbeiten. Das Einsatzfeld hat sich von Zähneziehen  um Füllungen, Zahnreinigung und kleine chirurgischere Eingriffe erweitert. Das Zahnbewußtsein bei jungen Menschen ist da, denn es gibt auch Nachfrage nach Prothesen. Den Wunsch können wir allerdings noch nicht erfüllen. Es ist eine große Freude im Team zu arbeiten. Alle haben mit angepackt, dass die Zahnarztpraxis in so kurzer Zeit aufmachen konnte insbesondere Michel, der Techniker hier, der ohne Worte sich mit Martin verständigen kann.

Peter Tervooren
Abteilung Technik und APH-Vorstand

Dagga (Anm. der Redaktion: der Schreiner aus dem Nachbardorf) ist heute kurz nach vier gekommen, um die restlichen Arbeiten in der neuen Kinderabteilung zu besprechen. Alle aus dem Container stammenden Dinge sind jetzt in der Kinderstation und Zahnheilkunde verbaut.

Tief berührend ist die Patientenzahl im Projekt. So viele Patienten habe ich den sieben Jahren, die ich jetzt hier sein darf, noch nicht gesehen. In mir ist die Freude groß und ich bin glücklich dabei. Seit wir vor 3 Jahren bei der Installation des OP Containers hier waren, ist da auch ein mulmiges Gefühl ob der Verantwortung gegenüber so vielen Menschen, die ihr Vertrauen und ihre Hoffnung in uns und das Centre Medical in Gohomey setzen.

Ohne Gottvertrauen geht hier gar nichts und du würdest auch verrückt ob der vielen Dinge, die zu tun sind.

Dr. Johannes Kohler
Operateur der ersten Stunde

OP-Vorbereitung

Der Segen unseres OP-Containers für alle hier in der Region kann gar nicht genug betont werden. Trotzdem müssen wir für unsere OPs die Materialien selbst mitbringen. Diesmal haben wir neben Platten, Nägeln und Schrauben vier Hüftprothesen dabei.

Die Fälle sind komplizierter und die Operationen langwieriger als bei uns, und oft muss improvisiert werden – das gibt es so in Deutschland nicht, wo immer genug Material für alle Eventualitäten vorgehalten wird. So fällt hier auch mal mitten in einer Hüft-OP der Strom aus …

Mein OP-Team ist aber flexibel und sehr engagiert, so ist bisher alles gut gegangen. Aber eigentlich hätten wir mindestens 8 Hüftprothesen gebraucht, und es ist hart, 4 Patienten auszuwählen und zu vertrösten, die gehofft hatten, auch operiert zu werden. 2 junge Männer – 18 und 27 Jahre alt – können jetzt ihr Studium fortsetzen und sich schmerzfrei bewegen, zwei ältere Patienten, die hier mit Rollstühlen ankamen, freuen sich, wieder laufen zu können.

Das ist sehr befriedigend – die Menschen sind unglaublich dankbar für unsere Hilfe.

Dirk Henricy
OP Fachkrankenpfleger

Dirk ist vom ersten Tag  des OP-Containers in Gohomey dabei. Unersetzlich! Er bereitet die chirurgischen Einsätze komplett eigenständig vor. Hinsichtlich der Patienten und erforderlichen Materialien in gemeinsamer Überlegung mit Dr. Johannes Kohler. Er organisiert und packt die ganzen Sachen, gleich ob  Paletten für die Container oder Mateiralkoffer für unsere Projekt-Einsätze.

Dirk: “ Ich arbeite hier wieder in „meinen“ Containern. Ich kann hier die gesamte Tätigkeitsvielfalt meines Berufes als OP-Fachkrankenpfleger „ausleben“. Neben der Assistenz bei den Operationen gehört die Vor- und Nachsorge am Patienten, die Materialzusammenstellung für eine Operation, die gesamte Planung der OP mit den Operateuren anhand der Röntgenbilder dazu. Und auch die Sterilisation und Aufbereitung der benutzten Instrumente. Es erfüllt mich, dass Wissen zu nutzen und in sehr dankbare beninische Augen zu schauen. Es wird gegipst oder eine Lochstabextension benötigt… Überall ist immer ein helfendes Team aus Beninern und Deutschen.

Auf diesem Wege möchte ich den Spendern ein großes Dankeschön aussprechen, die uns auf Anfrage schon in Deutschland zuverlässig und sinnvoll mit Sachspenden unterstützen.

Wir haben gerade jetzt aus einer Handgelenksbehandlungsschiene für einen Erwachsenen zwei Oberarmschienen für ein einjähriges Kind „gezaubert“. Damit werden insgesamt drei Oberarmbrüche geschient und das Kind ist ohne OP beschwerdefrei.“

Beate Kohler
Der gute Geist der Mannschaft

Ich mache nichts Besonderes – bin überall, wo gerade jemand nötig ist.

Immer muss mal gedolmetscht werden, ich übersetze die OP-Berichte und Arztbriefe, helfe beim Herrichten der Zahnarztpraxis, beim Kochen, mache Botengänge etc.

Es ist immer etwas zu tun!

Ruben van der Veen
Physiotherapeut

Ich reise mit, da ich den Beruf der Physiotherapie von einer anderen Seite erleben möchte.

Es gibt hier in Gohomey Leute mit Beschwerden, die man aufgrund der guten Betreuung in den Niederlanden oder in Deutschland nie sehen würde. Sowohl sprachlich als auch beruflich ist es eine Herausforderung. Die Menschen sind auch sehr dankbar, wenn ihnen geholfen wird. Man kann hier schon mit geringem Aufwand viel erreichen – es gibt hier ja überhaupt keine Physiotherapie.

Silvia Kölbel,
Afrikareisende Endo-Assistentin

Endoskopisches Team

Silvia Kölbel ist von Anfang an dabei, in der Ecographie, assistiert bei den Untersuchungen. Mit dem OP-Container und der Einrichtung der Echographie im „zweiten Zuhause“.

„Endlich sind wir wieder angekommen in unserem zweiten Zuhause. Bekannte Gesichter, Freunde, die wir nun schon seit Jahren kennen. André etwa, der Leiter des Labors. Als ich ihn sah, fiel mir gleich ein, dass wir ja Blut spenden wollen. Meine Blutgruppe 0, rh  negativ ist ja auch gefragt!

Und so sind alle aus unserem Team, die fit genug waren, zum Blutspenden gegangen für die Menschen hier – Blut ist hier genauso knapp wie bei uns. Aber das Blut wird hier nicht wie bei uns für große OPs in Massen gebraucht, sondern meistens für Kleinkinder, die an Blutarmut leiden aufgrund von Malaria und Mangelerscheinungen.

Vor Arbeit können wir uns kaum retten, aber es macht unwahrscheinlich viel Spaß in diesem Tam vor Ort zu arbeiten – es ist eine so sinnvolle Arbeit und erdet uns immer wieder!

Hildegard Kleinen
Endoskopie-Schwester

Hildegard Kleinen spendet Zeit, Kompetenz und Blut.

Für Hildegard ist es auch schon die …. -zigste Afrika-Reise. Jedesmal freut sie sich sehr auf den Aufenthalt mit dem gesamten Team.

Es sind so viele kranke Menschen hier … Ich bin glücklich und dankbar, hier arbeiten zu können. Und dazu gehört natürlich für mich auch, hier Blut zu spenden … und hab‘ sogar Freude dabei.

Ein großartiges Team hier vor Ort.

Steffi Neu und Markus Bremers

Es ist nicht unsere erste Afrika-Reise. Schon öfter haben wir mit dem Team von APH Westafrika bereist.

„Wir waren heute im Nachbardorf und haben Monsieur Amou besucht, der vor einiger Zeit einen Schlaganfall erlitten hatte. Wir waren schon 2016 bei ihm – ihn in der Hütte zu sehen, war seinerzeit eines der prägendsten Erlebnisse der Reise. Es hat uns schlagartig deutlich gemacht, unter welchen Umständen die Menschen hier leben und was es bedeutet, krank zu werden – oft nämlich den Tod.

Monsieur Amou ist nur deswegen noch am Leben, weil er als ehemaliger APH-Mitarbeiter weiter Gehalt bekommt – und Medikamente. Sonst wäre er längst nicht mehr da, wie so viele andere, denen das APH-Team geholfen hat.

Macht weiter, es ist so wichtig!

Annemarie Pieper

Annemarie Pieper:  Nachdem ich nun schon viermal in Gohomey war  und meist kurzfristig nach dem Nachhausekommen wieder zum Dienst auf die Intensivstation umswitchen musste, kann ich sagen, dass es jedes Mal eine sehr große Umstellung ist.

Hier in Afrika sind die materiellen Ressourcen begrenzt. Die Patienten müssen das Material – etwa zum Anlegen einer Infusion – selber kaufen, dieses meist in einfacher Qualität. Man arbeitet sehr sparsam und denkt über jedes Pfalster, das man verwendet, nach. Sehr anders sind die hygiensichen Verhältnisse. Das Bewusstsein für Infektionen über eine schlechte Hygiene scheint kaum vorhanden.  Ich muss mich immer wieder sehr daran gewöhnen, dass in Deutschland so ein ganz anderer Standard ist. Es kommt mir dann sehr übertrieben vor, wenn ständig gewischt, geputzt, desinfiziert wird.

Auch liegen hier die Patienten auf engem Raum, auf der Kinderstation zwei Kinder in einem Bett zuzüglich ihrer Mama – also vier Personen. Es ist heiß. Eine Waschgelegenheit gibt es, aber nicht vergleichbar mit unserem Bild von Krankenhaus. Unvorstellbar in Deutschland.

Noreen

Es ist hier immer wieder beeindruckend, wieviele Menschen Hilfe brauchen. Die Fälle sind schwer – so etwas sieht man nur hier.

In Europa hätte man ein großes Team und alle Möglicheiten, hier sind die Bedingungen schwierig und wir sind limitiert, in dem was wir haben und können. Das ist eine sehr große Herausforderung – man muss oft improvisierren und alle Kentnisse, die man hat, einsetzen. Es relativiert auch sehr, wenn du nachher wieder in Europa bist. Es ist schon ein großer Unterschied. Es tut einem echt Leid zu sehen, wieviel Hilfe hier gebraucht wird und wieviel nicht gemacht wird oder werden kann weil es die Expertise einfach nicht gibt. Man könnte hier dauerhaft bleiben, es gibt wirklich viel zu tun. Die Leute sind echt dankbar und man kann wirklich helfen.

Das macht Freude. Das ist für mich der allerwichtigste Grund, mitzufahren: Du kannst wirklich helfen und einem Menschen eine Chance geben, im Alltag wieder zurecht zu kommen und wieder am Leben teilnehmen zu können.

Hans-Hermann Pieper

Dr. Hans-Hermann Pieper

Es ist ein riesiger Unterschied zwischen Kinderheilkunde in Deutschland und in Benin. Meine täglichen Probleme in der Praxis finden sich hier in dem kleinen Krankenhaus auf dem Land so gut wie gar nicht wieder. Das alltägliche Krankengut hier wird dominiert von Malaria, Unterernährung und Blutarmut.

Für mich besonders schwierig ist die Hilflosigkeit gegenüber den Umständen: zu kranke Kinder, sie kommen zu spät, es sind viele zu viele kranke Kinder, die Möglichkeiten für Diagnostik und Therapie sind sehr eingeschränkt und bei besonderen Erkrankungen sind sie kaum gegeben. Die Sprachhürde spielt hier auch eine große Rolle. Selbst die einheimischen Ärzte verstehen bei weitem nicht alle Patienten, da hier viele Stammessprachen eine Rolle spielen.

Toll sind die motivierten Mitarbeiter im ärztlichen und pflegerischen Bereich, die diese Situation versuchen zu bewältigen.

Der Dank der Bevölkerung ist ihnen sicher  … und mein Dank ebenfalls.

Dr. Wolfgang Paul

Der Arzt aus Leidenschaft

Am Anfang war ein OP Container und eine Anästhesieschwester – ansonsten gab es in Gohomey anästhesiologisch nichts: kein Material, kein Personal,keine Medikamente und keine definierten Abläufe. Der Beginn war Stress pur! Und natürlich noch weit vom Ziel entfernt, dass beninische Operateure in den verbleibenden 50 Wochen des Jahres im Container Patienten versorgen.

Wie hat sich das Bild geändert! Vier erfahreneAnästhesiekräfte teilen sich heute die Betreuung des Containers rund um die Uhr. Es gibt eine Anästhesie-Sprechstunde, Protokolle zur Narkose und Nachbehandlung, eine Narkosestatistik für aktuell über 500 Eingriffe pro Jahr, Gerätepflege, Vorratshaltung und vieles mehr. Ein geordneter Betrieb also – ein großer Verdienst der APH. Für meine Kollegen, die alle vier eine Festanstellung in staatlichen Krankenhäusern haben, ist Gohomey sicher ein angenehmer und gut ausgerüsteter Arbeitsplatz.

Zum Glück merkt keiner, dass ich hier eigentlich überflüssig bin, und so bin ich heute das sechste Mal dabei. Jedes Mal habe ich etwas dazugelernt, durch die gemeinsame Arbeit und ständiges Nachfragen.

Mit meinen Kollegen stehe ich über  eine WhatsApp Gruppe „anésthésie internationale“ in Kontakt. So halten wir uns auf dem Laufenden. Ich finde es wichtig, ganz gezielt zu spenden. Nur wichtige Medikamente und Materialien, die in Benin entweder besonders teuer oder aktuell nicht lieferbar sind, sollten wir mitbringen. Mein Krankenhaus in Geldern hat sozusagen die Patenschaft über die Anästhesie hier übernommen, das ist wirklich super. Insgesamt habe ich hier viel mehr gelernt als weitergegeben. Statt eines Wohltäters fühle ich mich als Profiteur – und bin sehr dankbar.

Charly Möders:

Charly Möders, TechnikerAls Peter und Elke mich fragten, ob ich es mir vorstellen könnte mit nach Benin zu fahren, um einen OP Container anzuschließen, weil ein technisch versierter Allrounder immer gebraucht würde und ich ihrer Ansicht nach gut in das Team von pro Humanität passen würde, war ich sehr tief bewegt.

Nie hatte ich einen Gedanken daran verschwendet, eventuell einem Hilfseinsatz in die “ 3. Welt “ zu begleiten. Also erst mal Bedenkzeit – mit dem Ergebniss : Meine Frau und meine Kinder sagten mir ihre Unterstützung zu. Sahen es als Chance, etwas Gutes zu bewegen, sein eigenes Bewußtsein zu erweitern.

Dr. Angelika Mosch-MesserichDr. med. Angelika Mosch-Messerich,
Chefärztin Radiologie und Nuklearmedizin, St. Willibrod-Spital Emmerich-Rees gGmbH

Nach meiner täglichen Beobachtung in einem jetzt schon vierzig Jahre währendem ärztlichen Berufsleben,  droht der Gedanke der Humanität, der caritas und des humanistischen Denkens zu einer Worthülse auf Sonntagsreden zu werden.

Ich hoffe, ich kann durch den Einsatz in Afrika dem in einem sehr bescheidenen  Ausmaß  wenigstens ein bisschen Entgegenwirken.