Krankenstationsprojekt Centre Médical Gohomey

_Kst1Nach Abschluss eines Kooperationsvertrages mit der beninischen Regierung wird das Centre Médical Gohomey (CMG) im Herbst 1995 nach weniger als einem Jahr Bauzeit eröffnet. Es dient der unmittelbaren medizinischen Basisversorgung von ca. 20.000 Menschen in der ländlichen Kommune Gohomey. Das Einzugsgebiet, aus dem die Patienten zur Behandlung kommen, umfasst rund 300.000 Menschen.

Das CMG bietet ambulante und stationäre Behandlung in den Fachgebieten Allgemeinmedizin, Gynäkologie und Geburtshilfe, Pädiatrie, Innere Medizin und kleine Chirurgie. Impfkampagnen gehören ebenso zum Basisprogramm wie Schwangeren- und Aidsberatung.

Die Jahresberichterstattung – auch hier auf der Seite – belegt eindrucksvoll die Arbeit in der Krankenstation und die vor Ort geleistete Arbeit.

Die Zusammenarbeit mit der thailändischen Ärztin Dr. Kraisinto ermöglichte den Einsatz des Medikamentes Artesunate in Zäpfchenform für Kleinkinder, es wird zur Behandlung der lebensbedrohlichen Malaria eingesetzt. Es kostet nur einen Bruchteil der handelsüblichen Medikamente. Insbesondere bei Kindern kann mit diesem Zäpfchen ein rascher Heilungsprozeß eingeleitet werden. Darüber hinaus zeichnet sich das Medikament dadurch aus, dass es in der hauseigenen Apotheke durch die Laboranten in Zäpfchenform selbst hergestellt werden kann.

In den vergangenen zwanzig Jahren wurden über 200.000 Patienten behandelt, dabei spezialisierte sich das CMG immer stärker im Bereich der Aidstherapie. Es dient mit dem Willen der Regierung als Vorbild für andere Zentren in Benin.

Die erste Operation 18.03.2015Im Projekt haben inzwischen über 50 afrikanische Mitarbeiter einen Arbeitsplatz gefunden – vom Arzt über die Hebammen, Krankenpfleger, die Laboranten und Apotheker bis hin zum medizinischen, technischen und sozialem Personal. Damit ist die APH – neben einer Baumwollfabrik – der zweitgrößte Arbeitgeber in dieser ländlichen Region und darüber hinaus ein mittelständisches Unternehmen im fremden Kulturkreis, das durchaus den Anspruch einer partiellen Rückfinanzierung  realisiert.

Mit Inbetriebnahme des Operationscontainers können kleinere Operationen direkt „im Busch“ durchgeführt werden. Ständige Projektaufenthalte deutscher Ärzte sichern die Aus- und Fortbildung afrikanischer Ärzte, die einen ständigen Operationsbetrieb sicherstellen.

Statement Prof. Dr. Körfer

Prof. Dr. Reiner Körfer hat in seinem Schlusswort des Buches „Kinderleben in Afrika – kein Kinderspiel“ (Autorin: Dr. Elke Kleuren-Schryvers, Verlag Butzon und Bercker, Kevelaer), geschrieben:

„Das Herzzentrum NRW in Bad Oeynhausen wird dieses erste Projekt mit einem Entwicklungsland versuchen zu realisieren.“

Es ist ein erklärtes Ziel unseres Zentrums, auch hier Verantwortung zu übernehmen, beispielhafte Arbeit zu leisten und Initiatorenfunktion zu übernehmen. Verantwortlich hierfür wird PD. Dr. Heinrich Körtke, Leiter des Institutes für angewandte Telemedizin, sein.

Ein zweiter Schritt könnten dann Live-Übertragungen aus dem OP-Saal sein, um gängige Operationstechniken zu veranschaulichen und im direkten Austausch zu erläutern.

Live-Schaltungen vom Herz- und Diabeteszentrum NRW in Bad Oeynhausen mit anschließender Vorlesung für Medizinstudenten in über 100 000 Kilometer entfernte Hörsäle in Japan führen wir inzwischen mit einer gewissen Routine durch. Warum sollte das nicht auch nach Westafrika möglich sein? Medizinisches Know-How zu exportieren, könnte in Zukunft gerade für Entwicklungsländer einen Wirtschaftsfaktor darstellen, der nicht unterschätzt werden sollte ….

Wir werden sehen, was die Zukunft bringt. Dies hängt in erster Linie ab von dem Willen und dem Engagement der jungen ärztlichen Kollegen im Centre Médical Gohomey und von den Visionen und dem Wollen des beninischen Gesundheitsministeriums. Im Herzzentrum Bad Oeynhausen jedenfalls ist man bereit …

Telemedizin

Im Mai wurde das beninische herzkranke Mädchen Francine in Bad Oeynhausen operiert. Das war der Ausgangspunkt der Zusammenarbeit von Aktion pro Humanität mit dem Herzzentrum in Bad Oeynhausen.

In Gesprächen mit Prof. Dr. Reiner Körfer, Ärztl. Direktordes Herzzentrums, sowie dem Verwaltungsdirektor, Prof. Dr. Otto Foit undPriv.-Doz. Dr. Heinrich Körtke, wurde APH angeboten – unsere Krankenstation im westafrikanischen Busch durch Telemedizin mit dem Herzzentrum direkt zu verbinden.

Die telemedizinische Verbindung von Gohomey nach BadOeynhausen ermöglicht es, EKG-Befunde eines Patienten aufzuzeichnen und dannper Internet-Telephonie ins Herzzentrum zu übertragen. Die Ärzte beider Ländertauschen sich über die EKG-Daten aus, die Ergebnisse mit evt. Fragen oder Therapievorschlägen werden nach Benin übermittelt. Dieser Sektor ist noch umVieles erweiterbar. Die Übermittlung von Langzeit-EKG´s,Langzeit-Blutdruckmessungen, spirometrische Untersuchungen, Ultraschallbefundedes Herzens …

So profitieren Patienten in unserem Buschkrankenhaus vomExpertenwissen eines der besten europäischen Herzzentren. Außerdem ermöglichtdie Kooperation den beninischen Ärzten eine Fortbildung in Bad Oeynhausen zurErweiterung ihrer eigenen fachlichen Kompetenz.

Damit hat Francine mit ihrer Herzoperation Brückengeschlagen – im wahrsten Sinne des Wortes: Zwischen Benin und Deutschland.Brücken in der Kommunikation, Brücken zwischen Hochleistungsmedizin undBasismedizin in einem Buschkrankenhaus, Brücken in der Ausbildung.